Seit Tagen weder Telefon noch Internet

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Seit vergangener Woche sind Telekomkunden in Oberstadion und Untermarchtal weder telefonisch noch per E-Mail zu erreichen.
Seit vergangener Woche sind Telekomkunden in Oberstadion und Untermarchtal weder telefonisch noch per E-Mail zu erreichen. (Foto: dpa/Oliver Berg)
Karl-Heinz Burghart

Bereits seit Ende der vergangenen Wochen sind Rathäuser, Unternehmen und Privatpersonen in Oberstadion und Untermarchtal über das Netz der Telekom weder telefonisch noch per Mail zu erreichen. Das Unternehmen spricht von einer Massenstörung.

Seit Samstag seien „alle Telekom-Leitungen in Oberstadion tot“, sagt Bürgermeister Kevin Wiest. „Die Telekom erklärte mir, dass eine Massenstörung vorliege, konnte oder wollte aber keinen Grund für den Telefonausfall nennen“, so der Schultes. Auch die Frage nach der Dauer der Störung blieb unbeantwortet.

Wieso ruft keiner im Rathaus an?

Um im Rathaus erreichbar zu sein, ließ Wiest von der Telekom eine Rufumleitung auf sein Handy schalten und wunderte sich, dass trotzdem keine Anrufe ankamen. „Als mir die Sache ein paar Stunden später komisch vorkam, rief ich erneut bei der Telekom an“, so Wiest. Dort wurde ihm erklärt, dass „wohl ein Zahlendreher vorgelegen“ habe und seine Telefonate „irgendwo anders gelandet“ sind. „Aber jetzt kommen die Anrufe, wenn auch wegen des überlasteten Handynetzes in schlechter Qualität, wenigstens an“, sagt Wiest.

Was nicht oder nicht zuverlässig ankomme, seien E-Mails, sagt der Oberstadioner Bürgermeister. „Manche kommen an, andere nicht. Woran das liegt konnte mir bisher keiner sagen. Und ich weiß bei keiner Mail, ob sie wirklich gesendet wurde.“ Alle, die momentan Mails ans Oberstadioner Rathaus schicken, bittet der Bürgermeister, „falls der Absender telefonieren kann“, kurz anzurufen, dass eine Mail unterwegs ist. „Oder mir die Mail nochmal zu senden, wenn die Massenstörung behoben ist“, sagt Wiest, „und das soll laut Auskunft der Telekom am Mittwoch der Fall sein“. Wenn’s wieder funktioniert, will Kevin Wiest alle Mails beantworten, die durch die Störung „irgendwo hängengeblieben sind“.

Der Ausfall sei ein schleichender Prozess gewesen, berichtet Untermarchtals Bürgermeister Bernhard Ritzler. Während das Rathaus am Freitag noch erreichbar war, habe die Nachbarin schon nicht mehr telefonieren können. „Seit Samstag funktioniert nichts mehr.“ Betroffen seien neben dem Rathaus und Privathaushalten auch das Kloster und das Pflegeheim Maria Hilf. „In der Einrichtung gibt es 160 Pflegeplätze, da kann immer etwas sein. Die müssen telefonieren können“, betont der Bürgermeister.

Hausnotrufe funktionieren nicht

Hinzukomme dass es in Untermarchtal inzwischen viele ältere Menschen allein leben. „Deren Hausnotrufe funktionieren aktuell auch nicht, das kann gefährlich werden“, befürchtet Ritzler. Das Rathaus und die Verwaltung könnten seither eigentlich kaum noch arbeiten. Alle Systeme von Standes- bis zum Einwohnermeldeamt seien schließlich auf die Telefonleitung angewiesen.

Er ärgere sich nicht über den Defekt, schließlich könne so etwas immer passieren, sondern darüber, wie er und die übrigen Betroffenen von der Telekom abgefertigt werden. „Nach unserer ersten Anfrage am Freitag, haben wir am Nachmittag einfach eine Mail bekommen, dass sich das Unternehmen vor dem Wochenende nicht mehr um das Problem kümmern könne“, so Ritzler. In der Auskunft habe die Telekom darauf verwiesen, dass sie sich am kommenden Werktag an die Lösung des Problems mache. Am Sonntag sei dann die nächste Info gekommen, in der es hieß, dass erst am Freitag ein Techniker kommen könne.

Hilft die Telekom wirklich, so gut sie kann?

„Ich habe nicht das Gefühl, dass unser Problem erkannt wird. Fair wäre, wenn die Telekom uns transparent informieren würde und wir so erkennen könnten, dass sich tatsächlich gekümmert wird“, so Ritzler. Was genau das Problem sei, darüber habe er keine Information erhalten. Von einem Bürger habe er erfahren, dass ein Verteilerkasten der Telekom durch das Hochwasser beschädigt worden sei. „Ob das stimmt, weiß ich aber nicht.“

Die Telekom bestätigt auf Nachfrage, dass die Ursache für die Störung in Untermarchtal ein Kabel gewesen sei, in das Wasser eingedrungen ist. Nach Informationen von Pressesprecherin Alexia Sailer wurde das Kabel am Dienstag repariert. Dennoch funktionierten in der Gemeinde am Dienstagabend weder Telefone noch das Internet, teilt Bürgermeister Ritzler mit.

Die Reparatur solcher Kabel sei aufwändig, heißt es vom Unternehmen. Da die Kabel im Boden liegen und nicht frei zugänglich sind, müsse zunächst der Fehlerort durch Messungen lokalisiert werden. Erst dann könne mit den notwendigen Tiefbaumaßnahmen begonnen werden. Das gehe nur, wenn die Bodenverhältnisse (derzeit regnet es viel) Grabungen zulassen, teilt die Pressesprecherin mit. „In Schlammgruben kann man nicht arbeiten, zumal die Sicherheit der Monteure wegen Einsturzgefahr bedroht ist“, fügt sie hinzu.

Sobald das Kabel freigelegt ist, kann das beschädigte Stück entfernt werden. Dann müssten auf beiden Seiten mehrere Hundert Kupferadern einzeln miteinander verknüpft werden. „Das macht keine Maschine, das ist echte Handarbeit“, so Alexia Sailer. Ein solches Kabel könne so dick wie ein Unterarm sein.

Ob der Wasserschaden an dem Kabel auch die Störung in Oberstadion verursacht hat, dazu äußerte sich die Unternehmenssprecherin am Dienstag nicht. Hier waren die Telefone bis Redaktionsschluss auch weiterhin nicht zu erreichen.

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