Bürger wehren sich weiterhin gegen Mobilfunkmast

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Schwäbische Zeitung

Die Frage, ob ein Mobilfunkmast im Ort aufgestellt werden sollte, bewegt die Bürger von Mühlhausen nach wie vor unvermindert. Rund 140 Bürger kamen zu einem Vortrag, den der Physiker und Forscher Professor Klaus Buchner vor Kurzem in Mühlhausen zum Thema „5G-Mobilfunk – Gefahr für Menschen, Tiere und Pflanzen“ hielt.

Obwohl die Telekom betont, dass der geplante Mobilfunkmast in Mühlhausen zunächst nur zur Installation von 3G und 4G-Technik vorgesehen ist, sei klar, so Professor Buchner, dass damit auch der Weg für 5G frei wäre und die Telekom dies auch mittelfristig plane. Buchner betonte in seinem Vortrag, dass er keineswegs ein „Technik- und Zukunftsverhinderer“ sei, auch er nutze Handy und Internet, allerdings – so sein wichtigstes Credo: die eingesetzte Technik müsse weitestgehend gesundheitsverträglich sein. Und dies sei 5G-Technik nach den bisher vorliegenden, international anerkannten wissenschaftlichen Studien keinesfalls. „Vielmehr stoßen wir mit 5G in völlig neue Dimensionen der Gesundheitsschädigungen bei Mensch, Tier und Pflanze vor.“

Wie viele Masten kommen?

Bei einer geplanten Höhe von rund 45 Metern – laut Auskunft der Telekom – wird es sich bei dem in Mühlhausen vorgesehenen Masten um einen Hauptmasten mit ausreichender Strahlkraft für die 5G-Technik handeln, so die Einschätzung von Buchner. Dieser wird dann die Strahlung an weitere, darunter liegenden Masten der 5G-Strahlentechnik verteilen. Das wiederum bedeute, dass dieser Mast erst der Anfang sein werde, da aufgrund der kurzen Reichweite der 5G-Technik von lediglich circa 500 Metern jeden weiteren Kilometer ein Mast aufgestellt werden müsse. Allein für Deutschland seien Hunderttausende neuer Masten geplant.

Auf die Frage eines Zuhörers, ob er denn wieder zurück in die Steinzeit möchte und dass Deutschland ohne die 5G-Technik Gefahr laufe, wirtschaftlich international abgehängt zu werden, antwortete Buchner: „Natürlich nicht. Aber wir benötigen dafür keine hochriskante 5G-Technik. Es gibt bereits gesundheitsverträgliche, umsetzbare Techniken wie zum Beispiel Glasfaser oder LED-Lichttechnik, nur ist diese teurer im Ausbau als 5G-Strahlentechnik und somit für die Industrie weniger interessant. Der Vorteil von Lichttechnik liegt vor allem darin, dass keine Gesundheitsschäden bekannt sind, es ist eine noch höhere Datenübertragung möglich und es gibt keine Probleme mit dem Datenschutz“. Gleich mehrere Fragen drehten sich darum, wie man sich generell vor gesundheitlichen Risiken von Mobilfunk-Strahlen schützen könne. „Schalten Sie zu Hause – zumindest nachts – Ihr WLAN ab, wenn ein Handy im Schlafzimmer benötigt wird, dann dieses in den Flugmodus schalten und zum Beispiel keine Funk-Wasserzähler akzeptieren, da diese permanent funken. Im Außenbereich allerdings, wenn Sie mit 5G-Strahlen, also mit Mikrowellen, dauerbestrahlt werden, können Sie sich nicht schützen, wenn ein Mast in Ihrer Nähe erbaut wird“, so seine klare Aussage.

Auf die Frage, welche Risiken ein WLAN an Schulen berge, sagte Buchner, „das ist schon fast eine kriminelle Handlung“, da besonders Kinder äußerst sensibel auf Mobilfunkstrahlen reagieren würden. Auch hierzu nannte er Alternativen. So wurde bereits ein Gymnasium in Stuttgart, Einrichtungen der Insel Mainau sowie das Pressezimmer des Hamburger Sportvereins mit gesundheitsverträglichen Techniken ausgestattet.

Bürger sollten sich informieren

Auf die Frage, warum die Bundesregierung den 5G-Ausbau massiv vorantreibe, stellte der Vortragende in einer Grafik dar, wie offizielle Behörden mit vermeintlich wissenschaftlichen Einrichtungen sowohl finanziell wie auch personell verwoben seien. Ein Grund für den massiven Druck, neue Sendemasten schnellstmöglich zu erstellen, um den 5G-Ausbau voranzutreiben, sieht er auch darin, dass die Sendemasten stehen sollten, bevor die Bevölkerung aufwache und sich wehre. „Denn ist erst mal ein solcher Sendemast aufgestellt, steht der Installation der 5G-Technik nichts mehr im Wege, da es keine gesonderter Genehmigung durch die Gemeinde oder das Landratsamt bedarf“.

Er rate daher dazu, dass sich jeder Bürger über die hohen Risiken der 5G-Technik ausführlich informiere und sich sein eigenes Bild davon mache. Buchner fordert, den 5G-Ausbau aufgrund der bereits bewiesenen hohen Risiken für Leib und Leben von Mensch, Tier und Pflanze zu stoppen und stattdessen den Netzausbau mit gesundheitsverträglicher und datenschutzkonformer Lichttechnik ohne Funk voranzutreiben. Diesen Forderungen schließt sich die Interessengemeinschaft „Contra Mobilfunkmast - Kein 5G in Mühlhausen“ vollumfänglich an.

In einem nächsten Schritt werden sich Vertreter der Initiative Mitte Januar mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Martin Gerster zu einem persönlichen Austausch treffen.

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