Schwabenkanzlei präsentiert Schiller und Goethe mal anders

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Albin Beck befasste sich in Obermarchtal mit Schillers „schwäbischer Glocke“.
Albin Beck befasste sich in Obermarchtal mit Schillers „schwäbischer Glocke“. (Foto: Burghart)
Karl-Heinz Burghart

Bereits seit vier Jahren ist der oberschwäbische Autor und Liedermacher Bernhard „Barny“ Bitterwolf mit seiner „rollenden Schwabenkanzel“ in der Region unterwegs, um in Zusammenarbeit mit dem Literaturnetzwerk Oberschwaben „unsere Dichter, Denker und Literaten mehr unters Volk zu bringen“.

Während sich Bitterwolf und seine „Kanzelprediger“ im vergangenen Jahr im Obermarchtaler Spiegelsaal um die barocken Künstler kümmerten, ging es am Donnerstag um „bekannte Balladen der deutschen Dichtung“. Der Obermarchtaler Klostergasthof Adler war die dritte und letzte Station der rollenden Schwabenkanzel.

Wettstreit

Nach dem Erlkönig, John Maynard und dem Knaben im Moor drehte sich der „Balladen-Wettstreit“ in Obermarchtal um Goethes Zauberlehrling und Schillers Bürgschaft. Zur Einstimmung der knapp 50 Besucher trug Bitterwolf die klassischen Gedichte in ihrer Original-Version vor und betonte, dass „die Kanzelprediger“ jetzt die Aufgabe hätten, diese Werke „ins Schwäbische zu transferieren“.

Am literarischen Start der rollenden Schwabenkanzel waren Albin Beck aus Ehingen, Hugo Breitschmid aus Dürnau, Hugo Brotzer aus Mittelbiberach und Paul Sägmüller aus Bergatreute. Als erster wagte sich Breitschmid an den „schwäbischen Zauberlehrling“, ließ ihn feststellen, dass „Zaubra iberhaupt koi Hexerei isch“, dichtete, dass „dr Hexamoischdr endlich naus zom Loch isch“ und rief mit „walle, walle“ „älle schwäbische Goischdr“, die er „fascht nemme los“ wurde. Paul Sägmüller versuchte sich mit einer „verfremdeten Version“ des Goethe-Gedichts und behauptete, dass „dr Moischdr ond sein Zauber-Lehrbua, der Allmachts-Dackel, an riesa Affa ghet hond“.

Feinfühliger mit Schillers Bürgschaft

Weit feinfühliger ging Hugo Brotzer mit Schillers Bürgschaft um. Eng am Original erzählte er, wie „Mayers Franz, mit sein Messer em Sack“ zum König schleicht, weil er „den Lomp abzumurxa“ will, um Aufschub bittet, weil er „en Schtuagart zur Hochzeit von dr Schwester“ muss und zum Tyrannen sagt: „Dr Sepp lass I Dir do“.

Schiller kam ebenfalls zum Zug

Der Ehinger Mundart-Autor Albin Beck befasste sich in Obermarchtal mit Schillers „schwäbischer Glocke“. „Duif im Boda din, muss dui Lehmform hocka, dass aus Kupfer und aus Zinn vielleicht wird a Glocka“. Dass der Mensch von der Taufe bis zum Tod von Kirchenglocken begleitet wird, stellte Beck in seinen Versen fest und betrachtete seine „Bloß it so arg verrenka“-Zeitgenossen kritisch und stellte fest, dass „älles guat“ sei „außer d’Leit“. Die Zuhörer der „Prediger von der rollenden Schwabenkanzel“ vergaben während des Abends Punkte. „Und wia beim Poetry Slam“, so Bitterwolf, „gibt’s am Schluss an Sieger“. Der hieß am Donnerstag Hugo Brotzer. „Aber gwonna hend sowieso älle“, betonte Bitterwolf und verabschiedete sich mit den Worten „Bleibet gsund, s’isch Eich oifach wöhler“.

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