Schloßgeist wird mit Verspätung verurteilt

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 Der Schloßgeist wird verbrannt.
Der Schloßgeist wird verbrannt. (Foto: Karl-Heinz Burghart)
Karl-Heinz Burghart

Normalerweise beenden die Obermarchtaler Narren die „offizielle Fasnet“ bereits am Fasnetsmontag, also einen Tag früher als in anderen Narrenorten. Wegen des heftigen Sturms zum Ende der Narrenzeit, hinkten die Obermarchtaler in diesem Jahr um fünf Tage hinterher. Erst am Sonntagabend trat das närrische Gericht zusammen, um den Schloßgeist „ob seiner Schandtaten“ zu verurteilen.

Zunftmeister und Richter Florian Siegle verkündete die frevelhaften Taten des „Koga“. So soll er Schuld sein, dass die Koffer eines jungen Paares nicht in Stuttgart landeten, sondern in Island blieben. Dass ein Urlaubsauto nur bergab gestartet werden konnte, dass Geldbeutel in Gästeklos verschwinden und dass rauchende Zunftmeister die Feuerwehr auf den Plan rufen.

Des alles isch wohr, des sich it gloga. Des warscht Du, unser Koga.

Zunftmeister und Richter Florian Siegle

Auch in fremden Betten sollen Obermarchtaler Narren gelandet sein. Und dass ungespültes Geschirr aus der Geschirrspülmaschine direkt im Schrank gelandet sei, so der närrische Richter, habe auch der Schloßgeist zu verantworten. „Des alles isch wohr, des sich it gloga. Des warscht Du, unser Koga“, reimte Florian Siegle. Mit lautstarken „Halli Hallo“-Rufen, statt dem närrischen „Narri Narro“, versuchte Verteidiger Ralf Striegel den Schlossgeist zu retten. „Au ihr hohe Herra hend Dreck am Stecka“, betonte er und behauptete, dass die Obernarren „Lugabeitel ohne Anstand“ seien.

Noch einmal spielte der Fanfarenzug für den Schlossgeist auf, dann fiel das unabwendbare Urteil: „Tod durch Verbrennen“ verkündete Florian Siegle und gab damit den Narrenräten das Kommando den Strohgeist mit ihren Fackeln anzuzünden. Damit das lodernde Feuer sich nicht ausbreiten konnte, war die Feuerwehr vor Ort, um eine sogenannte Riegelstellung aufzubauen. Und als der Geist abgebrannt war, ging’s in die Narrenmolke. „Wir haben Käseplatten, saura Käs, verschiedenen Fisch und Kartoffel vorbereitet“, lud Siegle die Zuschauer der Schloßgeistverbrennung ein.

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