Olympische Narrenspiele in Obermarchtal

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Jedes Jahr stellen die Obermarchtaler Narren ihren Zunftball unter ein Motto, das eng mit dem Schloßgeist, der Zentralfigur der Obermarchtaler Fasnet, zu tun hat, den im Dorf jeder nur „dr Koga“ nennt. So standen am Samstagabend die ersten „koga-lympischen Spiele“ der Fasnetszeit auf den närrischen Programm und die Narrenhalle wurde von Sportlern und Sportfunktionären genauso bevölkert, wie von Schlachtenbummlern, Fotografen und Dopingmittel-Händlern.

Um in koga-lympische Stimmung zu kommen, gab’s bei der Einlasskontrolle für alle Gäste Powerdrinks und Energie-Riegel. Den ersten Schwung ins koga-lympische Volk brachten die Kaminfeger des Fanfarenzugs, dann eröffnete Florian Siegle als „Chef des koga-lympischen Komitees“ die Spiele und forderte zum Einmarsch der Nationen auf.

Da kamen Chinesen mit Mundschutz, Kanadier mit Motorsäge, Mexikaner mit Sombrero, Inderinnen im Sari und zum Schluss der völlig abgehetzte „Schultes Krämer Mate“ als Fackelläufer mit dem koga-lympischen Feuer.

Eigens vom „Kogalymp“ herabgestiegen waren Carolin „Hera“ Cichon und Michael „Zeus“ Faßnacht, die durch das Programm führten, zunächst den Obermarchtaler Narrensamen als „Kids für Olympia“ ankündigten, um dann einigen Putzfrauen die Bühne für jede Menge Lokalkolorit zu überlassen.

Die berichteten von einem zerschmolzenen Thermomix, von Handys auf Autodächern, einem Frauenausflug mit unbekanntem Ziel und einer Kehrmaschine, die, weil Augenmaß gefehlt hatte, in einer Unterführung stecken blieb. Wie „dr Krämer Mate“ als Trainer des Obermarchtaler Olympiateams die Goldmedaillen gewinnen will, was Sumo-Ringer dazu beitragen können und wieso Brustschwimmen in Obermarchtal unbeliebt ist, erfuhren die närrischen Gäste im Verlauf.

Als Dopingkontrolleur stieg Zunftmeister Siegle in die Bütt, um zu verkünden, dass nur wenige in der Region eine weiße Weste hätten und dass vor allem Gewichtestemmer aus NRW, Handyempfänger aus Lauterach und Rattenfänger aus Munderkingen gedopt seien.

Mit Schlagern und Schunkelmelodien sorgte das Trio „Blue Mandarine“ zwischendurch für Stimmung, bevor Tanja „Greta Thunberg“ Fisel auf die Bühne kam, um gegen „Koga-lympia mittla in dr Pampa“ zu wettern und zwei Sprengmeister Rechtenstein in die Luft jagten.

Dann ein Blick in die Zukunft, ins Seniorenheim. Dort treffen sich im Jahr 2060 „Landrat a.D Krämer“ und „Prälat im Ruhestand Loi“, um auf ihre Zeit in Obermarchtal zurück zu blicken. Da rühmten sich die beiden, Obermarchtal einen ICE-Bahnhof und eine päpstliche Basilika verschafft zu haben, ärgerten sich über verpatzte Fassanstiche und verschafften den Marchtaler Obernarren die Chance, demnächst ein Fass Bier anzustechen. Dass die B 311 in 40 Jahren unterirdisch verläuft, dass aus dem Kreuz ein Vier-Sterne-Hotel geworden ist und dass „Peter und Paul“ längst das Münchner Oktoberfest und den Wasen abgelöst hat, erwähnten die Obermarchtaler Versionen von Don Camillo und Peppone nur am Rand. Bevor Zunftmeister Siegle zum großen Finale aufrief und Narren, Sportler und Publikum das Narrenlied sangen, sorgten tanzende Boxerinnen zum Abschluss für einen Hingucker. Dann wurde die Bar geöffnet und das Trio „Blue Mandarine“ spielte zum närrischen Tanz auf.

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