Im Petrushof schließt sich der Kreis

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Maria Faulhammer-Wiedeman und der US-Künstler Chris Duncan.
Maria Faulhammer-Wiedeman und der US-Künstler Chris Duncan. (Foto: SZ- khb)

„Sculpture & Painting“ ist der Titel einer Ausstellung in der Obermarchtaler Galerie im Petrushof, die am Sonntag eröffnet wurde. Zu sehen sind Werke des US-Künstlers Chris Duncan, der in New York lebt, arbeitet und dort Kunst unterrichtet. Zur Zeit ist Chris Duncan im Rahmen eines Künstleraustausches in Deutschland unterwegs und hat vergangene Woche im Petrushof gearbeitet.

In der Ausstellung der Galerie im Petrushof sind Duncans Malereien und Skulpturen, für die er bevorzugt Papier oder Karton mit Kohle, Tinte oder Acrylfarben verwendet und übereinander schichtet, zu sehen. „Wer seine Werke betrachtet, muss offen sein für Unerwartetes. Duncan bringt Poesie in den Alltag, seine Skulpturen helfen die Welt mit anderen Augen zu sehen“, sagte der Lyriker Jürgen Weing aus Kißlegg, der Chris Duncan seit vielen Jahren kennt. Duncan habe zu Beginn seiner Arbeit keine genaue Vorstellung, wie sein Kunstwerk am Schluss aussehen solle, betonte Weing. Seine Skulpturen würden durch ihr Wechselspiel bestechen und seien ein ständiger Balanceakt zwischen positiv und negativ, zwischen immens und minimal, so Weing bei der Vernissage am Sonntag. „Dabei versucht Duncan nicht exakte Formen oder Figuren zu bilden. Im Schaffensprozess verfolgt er keinen genauen Plan, seine Werke entstehen mit der Zeit und er will nichts Konkretes oder Greifbares darstellen.“ „Kleiner Rotor“, „Cloud“, „Scroll“ oder „Bagatelle“ sind einige der Namen, die Chris Duncan seinen Skulpturen gegeben hat, die jetzt im Petrushof zu sehen sind. Früher habe er mit Stahl gearbeitet, erzählte der New Yorker am Sonntag den interessierten Besuchern der Vernissage in Obermarchtal. Mit der Zeit sei ihm dieses Material aber zu schwer geworden. Die Frage, ob er weiterhin bei Papier und Karton bleiben werde, konnte Duncan nicht beantworten. „Als Künstler will man auch wieder mal was anderes machen.“

Zum letzten Mal

Mit der Ausstellung von Duncans Werken schließt sich für Galeristin Maria Faulhammer-Wiedemann ein Kreis. „Wir sehen uns bei einer Vernissage im Petrushof heute zum letzten Mal“, sagte sie und erinnerte sich sehr emotional, dass sie gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang Faulhammer im Jahr 2002 die Galerie im Petrushof eröffnete und in der Folgezeit bis zu fünf Ausstellungen pro Jahr gezeigt hat. Diese Erfolgsreihe endete im Jahr 2010 jäh mit dem Tod ihres Mannes. Chris Duncan und „seine einzigartige Kunst“, so Maria Faulhammer-Wiedemann, seien es gewesen, die sie 2013 unter anderem zur Wiedereröffnung der Galerie inspirierten. Jetzt steht die Galerie im Petrushof vor ihrem endgültigen Aus. Aus gesundheitlichen Gründen hat sich Maria Faulhammer-Wiedemann entschlossen die Galerie zu schließen und den Petrushof zu verkaufen. „Das war eine wunderbare Zeit, die mein Leben sehr bereichert hat“, sagte sie am Sonntag. „Die Kunst war für mich Lebenshilfe. Aber jetzt steige ich bewusst in eine neue Lebensphase ein.“ Es sei „etwas ganz Besonderes“, dass Werke von Chris Duncan in der letzten Ausstellung der Galerie im Petrushof zu sehen seien, sagte Maria Faulhammer-Wiedemann. „Denn er war der erste, der nach dem Tod meines Mannes hier im Petrushof ausgestellt hat. Übrigens damals unter dem gleichen Titel wie heute.“

Die Ausstellung „Sculpture & Painting“ mit Werken des US-Künstlers Chris Duncan ist bis zum 30. September in der Galerie im Petrushof zu sehen. Dann findet die Finnisage zur letzten Ausstellung im Petrushof statt. Außerdem gibt‘s derzeit ein „Flohmarkt von A bis Z“ im Petrushof, bei dem „alles zu finden ist, was der Petrushof hergibt“, sagt Galeristin Maria Faulhammer-Wiedemann.

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