Diese Schätze liegen verborgen im Obermarchtaler Kloster

Lesedauer: 5 Min

Architekt Ralf Schneider (rechts) vom Bauamt der Diözese Stuttgart-Rottenburg führte die Gäste durch das Depot im Kloster Oberm
Architekt Ralf Schneider (rechts) vom Bauamt der Diözese Stuttgart-Rottenburg führte die Gäste durch das Depot im Kloster Obermarchtal. (Foto: Johanens Nuß)

Eingetaucht in die Geschichte der Kirche und ihre Schätzen sind am Dienstagnachmittag im Zuge des Obermarchtaler CDU-Ferienprogramms rund 35 Teilnehmer. Gut anderthalb Stunden bestaunten sie unter der Anleitung von Architekt Ralf Schneider vom Bauamt der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Altardepot der Diözese im Obermarchtaler Kloster Schätze aus den vergangenen Jahrzehnten und -hunderten.

Es ist schier unglaublich, was sich an Schätzen hinter den Wänden der ehemaligen und nach einem Brand im Jahr 1976 wiederaufgebauten Wirtschaftstrakte des Obermarchtaler Klosters findet. Auf zwei Etagen und mehreren Räumen erstreckt sich der Fundus, den Architekt Ralf Schneider hier verwaltet. Oft zu sehen bekommt die Öffentlichkeit diese Gegenstände nicht mehr, entsprechend groß war am Dienstagnachmittag auch der Andrang. „Es ist schon eine Besonderheit, dass man sich das hier ansehen darf“, sagte Anton Röller, Ortsverbandsvorsitzender der Obermarchtaler CDU, zur Begrüßung der rund 35 Gäste. Sogleich leitet er über zu Architekt und Fachmann Ralf Schneider vom Bauamt der Diözese Rottenburg-Stuttgart, der das Obermarchtaler Altardepot betreut.

Führung mit Witz und Charme

Mit viel Witz, Charme und seinem sympathischen Pfälzer Dialekt führte Ralf Schneider die Besucher durch die Räumlichkeiten. Auslöser für die Gründung des Depots sei die Sichtung von Kunstgegenständen in den Kirchen und Kapellen der Diözese, ausgeführt durch das hauseigene Bauamt. In erster Linie sei es damals um die Sicherung von Kunstschätzen gegangen, berichtete Schneider. Vieles sei damals über Umwege illegal auf Kunstmärkte gelangt, wo sich entsprechend reiche Personen hätten eindecken können. Und so finden sich in den Räumlichkeiten nicht nur Altäre, sondern gleich auch ganze Beichtstühle. „Hier können wir jedem von Ihnen die Beichte abnehmen“, flachste Schneider gleich zu Beginn der Führung.

Vieles ist in gutem Zustand, vieles aber auch nicht. Das liege unter anderem daran, das nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960er-Jahren viele Kirchen geschlossen und abgerissen wurden. Häufig wurde mit dem Innenleben der Kirchen damals nicht gerade pfleglich umgegangen. „Oft wurden die Altäre mit Gewalt aus den Kirchen rausgeholt, zerschlagen und verbrannt“, so Schneider weiter. Das, was die Aktionen während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts überlebt hat und nicht mehr in den Kirchen der Diözese verwendet wird, findet sich in Obermarchtal. So ist unter anderem ein Altar – gestaltet von Otto Hajek – unter den Exponaten.

Sogar ganze heilige Leiber finden sich hier. Diese sogenannten Katakombenheiligen sind unbekannte Personen aus der Zeit des frühen Christentums, deren Gebeine zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert in großer Zahl aus den Katakomben in Rom entfernt wurden. Typischerweise wurden solche Reliquien später reich mit Gold, Edelsteinen und Stickereien verziert. In Obermarchtal findet sich so etwa der „Heilige Clemens“. Und zwar in ganzer Größe, was laut Schneider nicht mehr so häufig vorkomme. Oft seien diese „Ferraris des 18. Jahrhunderts“ über die Jahre in Einzelteile zerlegt und verkauft worden.

Kunstschaffen spiegelt sich wider

Die Vielfältigkeit des kirchlichen Kunstschaffens der vergangenen Jahrhunderte spiegelt sich letztlich auch im Obermarchtaler Depot wider. Aufnahmefähig sind alle Objekte, die in einem liturgischen Kontext stehen oder standen und einen weitgehend wiederverwendungsfähigen Zustand oder „kulturhistorisch bedeutsamen Dokumentationscharakter“ haben. Die Objekte werden so gut wie möglich nach Eigenart aufbewahrt. Überwiegend finden sich in Obermarchtal historische Altäre und Kanzeln, Chrorschranken und Chorgestühle, Skulpturen und Reliefs, Kruzifixe und Kreuzwege, Objekte des Totenkults, Altarleuchten, Reliquiare und Reliquien, Tabernakel und vieles mehr. Textile Objekte werden in der Paramentenkammer des Kloster Sießen aufbewahrt.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen