Bachs Johannespassion füllt das Münster in Obermarchtal

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 Die Johannespassion begeisterte in Obermarchtal die Zuhörer, die lange applaudierten.
Die Johannespassion begeisterte in Obermarchtal die Zuhörer, die lange applaudierten. (Foto: SZ- Hog)
Friedrich Hog

Johann Sebastian Bachs Johannespassion hat am Samstag für ein restlos gefülltes Münster in Obermarchtal gesorgt. Unter der Leitung von Münsterorganist und Kirchenchordirigent Gregor Simon waren der Konzertchor Oberschwaben, das Orchester Capella Novanta und fünf Solisten zu hören. Das zum Teil aus großer Ferne angereiste Publikum erlebte eine hochklassige Aufführung, die von schönen Stimmen und virtuoser Musik lebte, und von den letzten Stunden im Leben Jesu erzählte.

Dass Werke des lutherischen mitteldeutschen Kirchenmusikers Johann Sebastian Bach (1685-1750) in einer katholischen Kirche aufgeführt werden, reicht nur wenige Jahrzehnte zurück. Das Münster in Obermarchtal könnte als barockes Schmuckstück kaum weiter entfernt sein von der Philosophie von Bach, und war aufgrund seiner Akustik und der zeitlichen Nähe zu Bach doch extrem geeignet für das Zusammenwirken der Sängerinnen, Sänger und Musiker der beiden von Gregor Simon dirigierten Formationen. Ausgesucht hat Simon die vierte Fassung, wie sie unter Leitung des Komponisten selbst erhalten geblieben ist, mit Austausch der ersten zehn Nummern durch die Version von 1739.

Die Handlung spielt im unmittelbaren Vorfeld von Ostern, ebenso wie die Obermarchtaler Aufführung. Der Hohepriester Kaiphas rät den Juden, es wäre gut, dass ein Mensch würde umgebracht für das Volk. Das Volk hat Jesus ausgewählt, um ihn als Übeltäter vor Pilatus zu bringen, der keine Schuld an ihm finden kann. Die Juden fordern seinen Tod, da er sich selbst zu Gottes Sohn gemacht habe. Pilatus lässt Jesus gegen seine Überzeugung kreuzigen, mit der Inschrift „Jesus von Nazareth, König der Juden“. Er kommt der Forderung der Masse nicht nach, dies abzuändern in „er habe gesagt, er sei der König der Juden“.

In Vollendung brachte der 60-köpfige Konzertchor Oberschwaben, dem der Obermarchtaler Helmut Striegel angehört, die komplette Dramatik all jener Szenen bis zum Tode Jesu gesanglich zum Ausdruck. Tenor Goetz Phillip Körner fiel als Solist die gesangliche Hauptrolle zu, die Erzählung des Evangelisten, eine Rolle, die ihm erst drei Tage vor der Aufführung angetragen wurde, als Alexander Yudenkov krankheitsbedingt seine Teilnahme absagen musste. Teru Yoshihara schlüpfte als Bassist gesanglich in die Rolle Jesu, Hans Porten war Pilatus. Ryoko Wakatsuki sang Sopran, die Solistin für Alt war Ursula Eittinger. Die Solisten erfüllten insbesondere die Aufgabe der Reflexion. Die Capella Novanta hatte Violine 1 fünffach besetzt, Violine 2 vierfach, drei Mal war die Viola vertreten, zwei Mal Violincello, Flöte und Oboe. Hinzu kamen Kontrabass, Viola da Gamba, Fagott und Orgel.

Gregor Simon verstand es, in allen Phasen das Zusammenwirken der Künstler zu optimieren. Er sorgte für eine besonders ausdrucksstarke Interpretation der Johannespassion, die 1724 uraufgeführt worden war. So wurden die Seelen der Zuhörer für die absoluten Wahrheiten der Passion des Meisters empfänglich, für das Schöne und das Schlimme. Die Glocken des Münsters erklangen am Ende der Aufführung, dann erst wurden die Künstler mit gebührendem Applaus belohnt.

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