„Alles wirkt so unwirklich“: So lief der vorerst letzte Schultag in Obermarchtal ab

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Als am Montag um 12 Uhr in der Sixtus-Bachmann-Grundschule der Unterricht zu Ende ging, verabschiedeten sich Kinder, Lehrer und Schulleiterin von Herzen, aber in eine ungewisse Zukunft. Für die kommenden drei Wochen wurden den Kindern Wochenpläne mitgegeben, die sie täglich rund zwei Stunden am häuslichen Schreibtisch beschäftigen sollen. Der Kontakt bleibt erhalten über Emails, WhatsApp und Telefon.

Besondere Situationen erfordern besondere Maßnamen. So könnte man den Montag und die Tage davor an der Sixtus-Bachmann-Grundschule zusammenfassen, in denen Vorbereitungen für die kommenden drei Wochen getroffen worden sind. „Ich werde täglich an der Schule sein, mein Lehrerkollegium hat ebenfalls Dienstpflicht, aber keine Anwesenheitspflicht. Wir sollen uns ja nicht begegnen.“ So skizziert Schulleiterin Margot Frankenhauser die nächsten drei Wochen an ihrer Schule. Danach sind die regulären zwei Wochen Osterferien angesagt.

Viel eingekauft

„Corona ist da. Wir haben viel eingekauft, wie immer, aber viel mehr“, sagt Paul aus der zweiten Klasse. Weiter erzählt er: „Ich schütze mich viel und wasche dauernd die Hände.“ Emma ergänzt: „Heute haben wir in der Schule über Corona gesprochen und Wochenpläne erhalten.“ Schulleiterin Margot Frankenhauser ist die Klassenlehrerin in der zweiten Klasse und beschließt mit den Schülern, dass zunächst eine Essenspause eingelegt wird, ehe der rote Wochenplan durchgesprochen wird. Der gelbe und der grüne Wochenplan für die erste und zweite Woche der Zwangspause wurden von der Klasse bereits durchgearbeitet. „Ich habe am Samstag bis 22 Uhr an den Wochenplänen gefeilt“ sagt Margot Frankenhauser. „Heute Nachmittag bereiten die Schüler ihr Lernbüro zuhause vor, also ihren Arbeitsplatz für die kommenden Wochen“.

Freude über Bilder von daheim

Die Schulleiterin freut sich, von den Kindern zu hören, wenn etwa Fotos von den häuslichen Arbeitsplätzen bei ihr eingehen, und sie ist offen für alle Fragen. „Auch über das Lernprogramm Antolin können die Kinder mir über ihre Fortschritte berichten“ sagt Frankenhauser. Dann dürfen alle Schüler reihum die Aufgaben aus dem roten Plan für die dritte Woche der Zwangspause vorlesen. Was unklar ist, wird erklärt. Für jeden Tag bis einschließlich Freitag, den 3. April, finden sich im Wochenplan der Zweitklässler Aufgaben in Deutsch, Mathe und Sachkunde.

„Jetzt habt Ihr die Chance, das Einmaleins richtig gut zu lernen und auch das Addieren könnt Ihr nun gut üben, dazu habt Ihr ja einen Zahlenstrahl zuhause“, sagt Frankenhauser. Und am 1. April lautet eine Aufgabe: „Denkt Euch einen guten Aprilscherz aus und mailt mir diesen.“ Beim Abarbeiten herrscht freie Zeiteinteilung, dennoch empfiehlt die erfahrene Pädagogin, sich feste Arbeitszeiten am Vormittag einzurichten, mit Pausen, frischer Luft und genügend Getränken.

Empfehlungen der Schulleiterin

Besonders empfiehlt die Schulleiterin: „Wenn möglich, lernt in Familiengruppen und trefft keine anderen Leute. Besprecht die Aufgaben mit Euren Eltern, die Aufgaben sind machbar. Geht auch nicht Shoppen.“ Sie sieht einen Schatten über allem, was in den kommenden Wochen ablaufen wird, erkennt aber auch positive Aspekte des Coronavirus: „Alles wirkt so unwirklich. Aber man kann jetzt das Wesentliche von Unwesentlichem unterscheiden.

In Zeiten der Langeweile, die es zwangsläufig geben wird, können die Kinder ihre eigene Kreativität entdecken, und Ideen und Spiele daraus entwickeln“. Den wichtigsten Aspekt nennt sie ganz am Ende: „Was nicht passieren darf, sind Diskriminierungen, falls jemand an einem Ort war, der zum Sperrgebiet erklärt wurde. In jeder unserer vier Klassen fehlen heute bereits drei oder vier Schüler, da sie Geschwister haben, die am Gymnasium Riedlingen sind. Dort gibt es einen Coronaverdachtsfall. Ein Vater rief heute früh an, er war in der Schweiz. Ihm wurde empfohlen, zuhause zu bleiben. Ich habe seine Kinder sofort vom Unterricht befreit. Mir selbst ist das auch passiert. Ich war in den Fasnetsferien beim Skifahren in Südtirol. Am 6. März erhielten alle, die dort waren, ein Beschäftigungsverbot. Ich habe in dieser Zeit von 16 bis 20 Uhr gearbeitet, als keine Schüler und Kollegen mehr an der Schule waren.“

Lächeln, aber keine Berührung

In der Schule begrüßen sich alle seit Tagen nur noch mit einem Lächeln, von Herzen, aber ohne Berührungen. Türklinken werden nur noch mit den Ellenbogen geöffnet. „So optimieren wir die Sicherheitsmaßnahmen“, sagt Frankenhauser und ergänzt, „die Digitalisierung hilft uns, in Kontakt zu bleiben. Die Eltern zeigten sich bisher sehr entspannt. Für die Notgruppe hat sich noch niemand angemeldet. Wenn beide Eltern im Bereich kritischer Infrastruktur arbeiten, wie als Arzt, Polizist, Krankenschwester oder Pflegeberuf, oder bei Alleinerziehenden, können die Kinder am Vormittag zur Schule kommen. Besser ist es jedoch, mithilfe von Freunden, Nachbarn oder Verwandten eine Betreuung der Kinder zu gewährleisten, jedoch nicht durch die Großeltern.“

Ob nach den Osterferien der Unterricht wirklich fortgesetzt wird, ist noch offen. „Am ersten Schultag nach der langen Pause müssen die Kinder erzählen dürfen. Wir werden uns auf diese Weise gegenseitig abholen. Ich will auch abgeholt werden. Am Ende sollen alle das Gefühl haben, ich habe eine besondere Situation gemeistert“, so Frankenhauser.

Dann wartet eine weitere Überraschung auf die Schulleiterin und die Kinder. Die Turnhalle ist geschlossen, der Sportunterricht kann nicht stattfinden. Sofort lädt sie als Ersatz zum Spaziergang in die milde Frühlingssonne ein. Ein Geburtstagskind teilte nach dem Spaziergang noch Muffins aus, und es fand noch Kunstunterricht statt.

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