Wie öko ist Nellingen?

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 Auch Streuobstwiesen gelten als Ausgleich.
Auch Streuobstwiesen gelten als Ausgleich. (Foto: dpa)

Bei jedem Bau wird ein Eingriff in die Natur vorgenommen. Wenn eine Gemeinde also Wohn- oder auch Gewerbeflächen ausweist, gilt es, Ausgleichsflächen zu schaffen. Dieser naturschutzrechtliche Ausgleich wird seit einigen Jahren in Form von so genannten Ökopunkten ermittelt. Um zu schauen, in welcher Situation sich die Gemeinde Nellingen befindet, hat die Kommune das Planungsbüro Künster aus Reutlingen beauftragt, ein Ausgleichsflächenkataster zu erstellen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung gab es nun eine Information zum neuesten Sachstand.

Überblick verschaffen

„Das Büro Künster wurde beauftragt, die Flurstücke hinsichtlich der Lage im Biotopverbund, die Bodendaten und den Schutzstatus zu prüfen, den Ausgangszustand zu erfassen und Maßnahmen zu empfehlen“, sagte der Nellinger Bürgermeister Franko Kopp (CDU). Auch die Kommune habe Anregungen geschaffen und eigene Ideen eingebracht – beispielsweise prüfe der Fachdienst Forst- und Naturschutz im Rahmen der Betreuung des Gemeindewaldes, in wie weit ein Totholzkonzept bei der Waldbewirtschaftung ausgewiesen werden kann. Außerdem würden auch im Rahmen des derzeitigen Flurbereinigungsverfahrens auf der Gemarkung Aichen gemeindeeigene Flächen und Biotopmaßnahmen untersucht, die dann möglicherweise einem Ökokonto gutgeschrieben werden könnten. Letztlich gehe es darum, zu sehen, ob die Flächen ausreichen, um derzeitige und künftige Projekte in der Gemeinde umzusetzen.

Hannah Kälber vom Büro Künster nickte. Sie schilderte zunächst den Ablauf, der erfolgte. Um sich einen Überblick zu verschaffen, gab es vorweg eine Begehung. Jetzt fehlen noch eine Zuordnung sowie eine Feinbilanz.

Ein so genanntes Ökokonto ist ein Vorrat an Ausgleichsmaßnahmen, die wiederum zu einer Verbesserung des Naturhaushalts führen müssen. Es geht dabei um gemeindeeigene Flächen. 110 Hektar wurden laut Kälber insgesamt untersucht. Die erste Grobbilanz wurde Ende Juni an die Gemeinde Nellingen gemeldet und wird dort nun geprüft. Es muss geklärt werden, welche der Flächen tatsächlich zur Verfügungen stehen und nicht durch Laufzeiten oder Pachtverträge gebunden sind.

Im Gepäck hatte die Mitarbeiterin des Büro Künsters auch eine Flächenkarte. Sie zeigte auf, dass beispielsweise die ehemalige Grüngutsammelstelle in Nellingen über großes Potenzial verfüge, um eine Ausgleichsfläche zu bilden. „Die Fläche könnte entsiegelt werden. Samenpotenzial ist vorhanden“, erklärte Hannah Kälber exemplarisch. Feldlerchenfenster sowie das Anlegen von Blühstreifen seien zudem gute Möglichkeiten, um Ökopunkte zu erreichen. Streuobstwiesen hingegen stünden im Punktekonto schlechter da und seien nicht zu empfehlen. „Die Streuobstwiesen sind sehr aufwändig und verursachen hohe Kosten – trotz ihrer wertvollen ökologischen Funktion“, erklärte Kälber.

Eine Form der Währung

Wie es nun derzeit um die Währung „Ökopunkte“ für die Gemeinde Nellingen bestellt ist? Hannah Kälber machte eine Rechnung auf. Aus vorangegangenen Bebauungsplänen gebe es ein Ausgleichsdefizit von insgesamt 338 928 Ökopunkten. Das voraussichtlich ermittelte Ausgleichspotenzial liegt bei 696 743 Ökopunkten. Somit sei eine Kompensation der Maßnahmen möglich.

Kein Grund, sich auszuruhen: Die Gemeinde müsse stetig schauen, wo Ausgleichsflächen möglich werden. So sah das auch Ratsherr Werner Staudenmaier: „Es geht nicht um kleine Dinge, sondern um Maßnahmen, die helfen.“ Das Motto sei: Nicht kleckern, sondern klotzen.

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