Sie kommen, wenn der Tod vor der Tür steht

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Für sie ist der Tod kein Tabu-Thema: Bärbel Arndt (links) ist die Vorsitzende und Susanne Höfel-Schempp die Koordinatorin des H
Für sie ist der Tod kein Tabu-Thema: Bärbel Arndt (links) ist die Vorsitzende und Susanne Höfel-Schempp die Koordinatorin des Hospizvereins Eleison Ulmer Alb. (Foto: Scholz)

Mehr Informationen rund um den Hospizverein finden Interessierte im Internet unter www.hospizverein-eleison.de. Koordinatorin Susanne Höfel-Schempp und Einsatzleiterin Michael Leibing sind täglich von 8 bis 18 Uhr unter den Telefonnummer 01522 / 2180011 und 01522 / 2180111 zu erreichen.

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Es wird nichts beschönigt, die Situation ist klar. Manchmal wird einfach nur zugehört, ein anderes Mal ernst gesprochen und im nächsten Moment auch herzhaft gelacht. Die ehrenamtlichen Sterbebegleiter des Hospizvereins Eleison Ulmer Alb müssen sich auf immer andere Umstände und Situationen einstellen, doch ein Gedanke eint: Würdevolles Sterben soll ermöglicht werden.

Susanne Höfel-Schempp kommt gebürtig aus Esslingen. Doch seit 32 Jahren nennt sie Nellingen ihr Zuhause. Die 59-Jährige arbeitet hauptberuflich als Pflegefachkraft. Im Ehrenamt setzt sie sich mit aller Kraft für sterbende Menschen ein – als Koordinatorin des Vereins. An ihrer Seite weiß sie Michaela Leibing als Einsatzleiterin und Bärbel Arndt als Vorsitzende des Hospizvereins.

Der Hospizverein Eleison Ulmer Alb ist noch sehr jung. Die Gründung fand im Januar 2015 statt. „Wir wurden angesprochen, ob wir nicht auf der Alb Hospizarbeit anbieten können, da das Angebot unterversorgt war“, erzählt Arndt. Mit vier Frauen wurde gestartet, heute zählt der Verein etwa 40 Mitglieder, darunter auch Institutionen wie Sozialstationen und Kirchengemeinden. Ende Juli 2015 wurde mit der ambulanten Hospizarbeit begonnen – natürlich ganz mit Blick auf die Richtlinien des Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verbands. „Die Gruppe macht letztlich die Sterbebegleitung und der Verein trägt die Gruppe. Wir sind also Träger der ambulanten Hospizarbeit“, verdeutlicht die Vorsitzende. Heißt konkret: Die Ehrenamtlichen begleiten Sterbende und die Angehörigen dieser. Dabei handelt es sich um die spirituelle, psychosoziale Begleitung.

Vielfältige Aufgaben

„Dabei geht es wirklich um den Dienst am Menschen“, sagt Höfel-Schempp. Ihre Aufgabe als Koordinatorin: Sobald sich Personen an den Hospizverein wenden, übernimmt sie die Aufnahme und organisiert die Ehrenamtlichen, die je nach Bedarf dann eingesetzt werden. Zwischen Dornstadt und Amstetten sind die freiwilligen Helfer unterwegs. „Und wir haben eine tolle Kooperation mit der Hospizgruppe Blaubeuren-Laichingen“, sagt Arndt. Mit den Kolleginnen, der Koordinatorin Birgit Breuer und der Einsatzleiterin Silvia Stumpp, gebe es stets einen Austausch. „Letztlich machen sie genau das, was wir auch machen“, so Arndt.

Die Aufgaben einer Sterbebegleitung sind vielfältig und variieren von Person zu Person. Die Ehrenamtlichen sind zum Reden da, sie singen, sie lesen vor. Manchmal wird auch einfach nur geschwiegen. Das sei dann die größte Herausforderung. „Aber Schweigen kann auch sehr wichtig sein. Man ist einfach da. Denn wir beschönigen nichts und reden auch nichts vom blauen Himmel daher“, sagt Höfel-Schempp. Die Besuche sind bedarfsorientiert. Im Sterbeprozess kann dies engmaschiger sein. Manchmal dauert es wenige Tage, manchmal Wochen. „Der Tod ist nicht berechenbar“, meint Arndt.

Beziehungen aufbauen und netzwerken

In jedem Fall wird aber eine Beziehung aufgebaut – nicht nur zum Sterbenden. Die Sterbebegleiter können auch Stütze für Angehörige sein. „Angehörigen fällt es oft schwer. Sie fragen sich, ob sie mit dem Sterbenden über den Tod sprechen sollten. Aber ja, sie dürfen darauf eingehen“, sagt die Vereinsvorsitzende. Klar sei nämlich: Der Tod steht vor der Tür. „Manchmal sind es Gespräche über ganz konkrete Sachen: Meine Ohrringe möchte ich meiner Enkelin vererben. Aber man spricht auch darüber, ob es den Himmel wohl wirklich gibt“, zeigt Höfel-Schempp auf. Manchmal spreche es sich mit einem zunächst Unbekannten einfacher über Sorgen und Ängste.

Gerade das Sterben sei in der Vergangenheit oft totgeschwiegen worden. „Gerade nach den Weltkriegen, weil es einfach auch so viel Tod gab“, meint Höfel-Schempp. Doch die Gesellschaft wandele sich. „Problem auf Dörfern ist, dass wir nicht unbedingt gerufen werden, weil doch noch Viele vorurteilsbelastet sind“, meint die Koordinatorin und weist daraufhin: Die Sterbebegleitung der Ehrenamtlichen ist kostenfrei und religionsübergreifend. Sich Unterstützung zu holen, sei keine Schande.

„Wir wollen die würdevolle Begleitung der Sterbenden gewährleisten und zwar für alle“, macht Höfel-Schempp deutlich. Als Pflegefachkraft wisse sie, dass eine Hospizbegleitung beispielsweise in Seniorenresidenzen einfach nicht zu stemmen ist. Vieles habe sich durch gesetzliche Rahmenbedingungen nun aber verbessert.

Wandel in den Köpfen

Auch in den Köpfen finde eine Veränderung statt – so auch bei Susanne Höfel-Schempp und Bärbel Arndt. „Ich war dem Tod gegenüber hilfloser, weil man auch wenig mit dem Tod in Berührung kommt“, sagt die Vereinsvorsitzende. Doch es gelte, zu akzeptieren, dass Leben endlich sei. Wichtig ist den Beiden, dass die Hospizarbeit stärker bekannt wird. „Man kann bei uns beispielsweise jederzeit anrufen und ein Erstgespräch ausmachen. Manchmal geht es auch nur um eine Beratung“, zeigt Arndt auf. Außerdem gebe es einen weiteren Faktor. Der Hospizverein habe sich ein Netzwerk aufgebaut und könne so auch „Hilfe vermitteln“. Letztlich sei die Sterbebegleitung nur ein Teil des Ganzen. „Palliativ kommt von Mantel. Wir wollen den schützenden Mantel über die Sterbenden und deren Angehörigen legen“, sagt Arndt. Hausarzt, Seelsorger oder auch die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) seien weitere Bereiche, die greifen. „Wir arbeiten mit anderen Netzwerken. Das ist wichtig“, so Höfel-Schempp.

Im vergangenen Jahr wurden 21 Sterbebegleitungen gezählt. Die längste Begleitung läuft seit eineinhalb Jahren. Freude, Trauer, Angst, Mut: Bei der Sterbebegleitung ist die ganze Gefühlspalette erlaubt.

Mehr Informationen rund um den Hospizverein finden Interessierte im Internet unter www.hospizverein-eleison.de. Koordinatorin Susanne Höfel-Schempp und Einsatzleiterin Michael Leibing sind täglich von 8 bis 18 Uhr unter den Telefonnummer 01522 / 2180011 und 01522 / 2180111 zu erreichen.

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