Pfarrerin eingesetzt: Jetzt brechen neue Zeiten an

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 Heidi Knöppler ist in ihr Amt als Pfarrerin eingesetzt und gestaltet sogleich den Gottesdienst in der Andreaskirche.
Heidi Knöppler ist in ihr Amt als Pfarrerin eingesetzt und gestaltet sogleich den Gottesdienst in der Andreaskirche. (Foto: Fotos: Scholz)

Die Glocken läuten. Pfarrerin Heidi Knöppler schaut ganz kurz durch die Tür der Andreaskirche in Nellingen. Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht, dann ist sie wieder verschwunden. Doch als die Königin der Instrumente einsetzt, da ist Heidi Knöppler wieder da – an der Seite von Dekan Frithjof Schwesig zieht sie mit dem Kirchengemeinderat in das Gotteshaus ein. Es ist ihr Tag. Der Tag ihrer Investitur, also Einsetzung als Pfarrerin. Somit brechen neue Zeiten für die Kirchengemeinden Nellingen und Oppingen an. Von nun an teilen sich Pfarrerin Sandra Baier und Heidi Knöppler die Pfarrstelle.

„Es ist ein ganz besonderer Gottesdienst“, macht gleich zu Beginn Dekan Frithjof Schwesig klar. Die Einführung Knöpplers sei ein Grund zur Freude. Um mit dabei zu sein, hätten sich doch Einige auf den Weg durch den Tiefschnee gemacht. Noch ein weiteres Ereignis komme hinzu: „Es ist auch ein besonderer Sonntag, der im Griechischen Epiphanias – die Erscheinung Jesu in der Welt – genannt wird.“ Schwesig zeigt auf, dass das Licht Jesu scheine, Orientierung und Stärke gibt und er betet, dass Heidi Knöppler Treue und Mut haben wird, um ihre neue Aufgabe anzunehmen.

Weg zum Ziel ist weit

Manchmal, so der Dekan, ist der Weg zum Ziel weit. Das gelte nicht nur für die Weisen aus dem Morgenland, sondern auch für Heidi Knöppler. „Damit meine ich nicht den Weg vom Wohnort Ennabeuren nach Nellingen, sondern ihre berufliche Ausbildung mit dem Theologiestudium, dem Vikariat und der Zeit vor der Investitur“, erklärt Schwesig, der Heidi Knöppler als „fröhliche, engagierte und zupackende Pfarrerin“ kennengelernt habe. Ihre „Route“ sei unterbrochen gewesen – für die Gründung einer Familie mit sechs Kindern.

Ihren jetzigen Weg beschreibt der Dekan mit Hilfe eines Ruderboots. Ruderer würden immer mit dem Rücken zu ihrem Ziel, also der Zukunft, sitzen. Der Blick in die Vergangenheit gebe Orientierung. So habe auch der Mensch in der Bibel immer die Vergangenheit vor Augen. „Doch bei der Investitur wollen wir auch den Blick nach vorne werfen“, so Schwesig. Reiche die eigene Kraft aus, um den Erwartungen als Pfarrerin gerecht zu werden? Schwesig appelliert an Knöppler, auf Gott zu vertrauen, immer mal wieder also zurückzuschauen, was mit Gottes Hilfe schon alles an Aufgaben und Herausforderungen gemeistert wurde. Im Kreise des Kirchengemeinderates übernimmt Schwesig die Einsetzung von Heidi Knöppler.

Pfarrerin stellt sich vor

Heidi Knöppler darf sich dann noch einmal selbst vorstellen. „Ganz fremd bin ich ja nicht mehr“, sagt sie. 40 Predigten, drei Trauungen, sechs Taufen und 18 Beerdigungen: Seit August 2017 ist Knöppler im Dienst der Kirchengemeinden. Sie übernahm die Elternzeitvertretung von Sandra Baier. Die heute 47-Jährige absolvierte ihr Abitur in Nellingen auf den Fildern, studierte dann Theologie und erreichte im Jahr 2001 ihr erstes Examen. Ihr Vikariat begann sie 2002 in Crailsheim. Wichtig ist Heidi Knöppler ihre Familie. „Ohne sie wäre ich nicht, was ich bin“, sagt sie mit einem liebevollen Blick zu ihren Kindern und ihrem Ehemann.

Für den „Beruf brennen“

Während die Kirchengemeinde das Lied „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ singt, ist ein Leuchten auch in den Augen Knöpplers zu erkennen. Es ist sogar mehr. Heidi Knöppler scheint für ihren Beruf zu brennen und das zeigt sie auch in ihrer Predigt, in der sie sich mit dem Dreikönigstag, den Überlieferungen über Route und Geschenke und der fraglosen Hingabe der Weisen auseinandersetzt. Sie schlägt eine Brücke zum Erscheinungsfest (Epiphanias). „Es ist die Erscheinung Gottes in Jesus Christus, damit wir ihn erkennen können, wenn wir dazu bereit sind.“

Dass sie dazu bereit ist, die Pfarrstelle mit Sandra Baier auszufüllen, haben Beide in den vergangenen Monaten schon bewiesen. Dafür erhält die 47-Jährige bei ihrer Investitur eine ganz besondere Wertschätzung. Die Mitglieder des Kirchengemeinderats überbringen ganz persönliche Wünsche für die Zukunft samt Rosen und Glückwunschkarten als Erinnerung. Der Oppinger Chor wiederum umrahmt den feierlichen Gottesdienst.

Die „bärenstarke Albgemeinde“ mit nun zwei Seelsorgerinnen ist etwas ganz Besonderes, verdeutlicht Bürgermeister Franko Kopp (CDU) in seiner Glückwunschrede. Die bürgerliche und kirchliche Gemeinde verbinde viel – auch die unterschiedlichsten Projekte und Initiativen wie den Helferkreis für Flüchtlinge, den Seniorennachmittag oder auch die Bücherei. Es sei die so gute „menschliche Zusammenarbeit“, die Kopp sehr schätze.

Sandra Baiers und Heidi Knöpplers Blicke treffen sich im Gottesdienst immer wieder. Es ist ein Zwinkern hier und ein Lächeln dort: Die Frauen scheinen sich zu verstehen. In ihren Blicken lässt sich lesen: „Packen wir es gemeinsam an – als Team“. Beide besetzen nun 50 Prozent der Stelle. Wichtig ist Sandra Baier und Heidi Knöppler, dass sie beide Ansprechpartner sind und bleiben, sie dennoch aber auch aufgeteilte Bereiche habe.

Die beiden Frauen werden sich in den Bereichen Gottesdienste sowie Kasualien wöchentlich abwechseln. Taufen würden immer auf einen Sonntag fallen und somit im jeweiligen Gottesdienst stattfinden. Hochzeiten würden „aufgeteilt“. Mit Blick auf anstehende Besuche haben sich Baier und Knöppler ein neues System ausgedacht. Nellingen und Oppingen werden darin in zwei Bezirke aufgeteilt. Für einen zeichnet sich Baier, für den anderen Knöppler verantwortlich. Das sei wichtig, damit Beziehungen entstehen können. Zu Dekanats- und Distrikt-Sitzungen werden künftig beide Pfarrerinnen fahren. So sollen Beide stets gut informiert sein.

Dann wiederum gibt es weitere Aufteilungen. Heidi Knöppler wird den Bereich der Schule und Kinderkirche verantworten. Außerdem ist sie bei der Arbeit mit den Senioren und den Veranstaltungen für Frauen – beispielsweise Frühstück oder auch der Weltgebetstag – dabei. Knöppler übernimmt auch den Vorkonfirmanden-Unterricht in der dritten Klasse.

Aufgeteiltes Gebiet wichtig

Sandra Baier übernimmt den Konfirmanden-Unterricht sowie die Jugendarbeit. Sie ist zudem Leiterin des Kirchengemeinderats. Zuständig wird sie darüber hinaus für die komplette Geschäftsführung sein. Darunter fallen Thematiken wie Gebäude, Personal, Verwaltung, die Öffentlichkeitsarbeit oder auch die Absprache mit der Gemeinde Nellingen.

Die Beiden sind sich sicher, dass ihre Zusammenarbeit funktionieren wird. Beim anschließenden Empfang stoßen sie darauf an – auf eine gemeinsame Zeit mit vielen Ideen, Absprachen, Freude und Spaß sowie jeder Menge „Frauenpower“.

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