Die Zeiten sind nicht immer einfach, doch die Zeiten sind gut. In Nellingen und Merklingen lässt es sich gut leben. Dieser Meinung sind die beiden Bürgermeister der Kommunen: Franko Kopp (CDU) und Sven Kneipp (parteilos). Beim gemeinsamen Neujahrsempfang der Gemeinden sowie der Wirtschaftsvereinigung Nellingen und des Gewerbevereins Merklingen in der Nellinger Festhalle zeigen sie am Dienstagabend auf, was die Orte so lebens- und liebenswert macht, zollen dabei den Gewerbetreibenden und Vereinen ihren Respekt.

Beide Bürgermeister schauen auf das vergangene Jahr und anstehende Aufgaben in ihrer jeweiligen Kommune und stellen fest: Merklingen und Nellingen haben vieles gemeinsam. Gemeinsamkeiten, die es zu stärken gelte; eine Zusammenarbeit, die gefördert werden müsse – ob im Bereich Gewerbe, bei der Wohnort-Wahl oder auch in der Freizeit.

Runde Stehtische sind aufgebaut. Lichter flackern. Die gelbe Farbe der bärenstärken Albgemeinde ist überall zu erkennen. Stark präsentieren sich dann die Jüngsten Nellingens. Die Music Kids, der Kinderchor unter der Leitung von Brigitte Kölle, tritt auf. „Ich fühle mich leicht“ oder auch „Lets get loud“: Die Kinder wirbeln über die Bühne, die Füße der Gäste des Neujahrsempfangs wippen im Takt mit.

Zeichen für ein Miteinander

Dann wird es in der Festhalle ruhig. Ratsmitglieder, Gewerbetreibende und Vereinsmitglieder hören aufmerksam zu. Der Nellinger Bürgermeister Franko Kopp eröffnet den Reigen der Ansprachen und zeigt auf: „Dieser gemeinsame Neujahrsempfang ist ein Zeichen für das gute Miteinander der Kommunen.“ Nellingen und Merklingen hätten sich schon seit langer Zeit vom „Kirchturmdenken“ verabschiedet, machen Kommunikation statt Konfrontation zu ihrer Tagesordnung.

„In Nellingen dürfen wir mit dem vergangenen Jahr recht zufrieden sein“, sagt Kopp. Fortführung des Baugebiets Bruckäcker im sechsten Abschnitt, Grundstückserwerb für das Gebiet Geislinger Linde II, der viel diskutierte Breitbandausbau mit dem Antrag auf Förderung für die Backbone-Trasse: Es sei eine Menge in der Gemeinde passiert. So gehe es auch im neuen Jahr weiter. „Hoffnung verbinden wir mit dem Landessanierungsprogramm und dem Entwicklungsprogramm ländlicher Raum für Oppingen“, zeigt Kopp auf.

 Franko Kopp.
Franko Kopp. (Foto: Scholz)

Positiv schaut der Schultes auf die Änderung der Landesbauordnung, so dass künftig Entwicklung im Ortskern möglich werden könnte. Ungenutzte Stallungen beispielsweise könnten umfunktioniert, die Ortschaft aufgewertet werden. „Wir wollen unser innerörtliches Potenzial ausschöpfen“, merkt Kopp an.

Einen neuen Anlauf habe die Gemeindeverwaltung in Sachen eines finanziellen Zuschusses für ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeugs (HLF) 20 genommen. Freude schwingt in Kopps Worten beim geplanten Bau des AWO-Seniorenzentrums an der Römerstraße mit. Beschäftigen werde die Kommune die Ortsumfahrung, ist sich das Gemeindeoberhaupt sicher. Dazu habe es jüngst auch Gespräche mit Regierungspräsident Klaus Tappeser sowie dem CDU-Landtagsabgeordneten Manuel Hagel gegeben. „Wir gehen von einer großen Unterstützung aus“, so Kopp. 2046 Einwohner, 25 Vereine: „Der Gemeinde werden immer mehr Aufgaben aufgebürdet“, sagt Franko Kopp. Desto wichtiger sei, dass alle – vor allem auch die Bürger – an einem Strang ziehen und sich weiter so einbringen, wie sie das bisher tun. Nur so könne ein Ort lebenswert bleiben.

 Sven Kneipp.
Sven Kneipp. (Foto: Scholz)

Sven Kneipp, der Merklinger Bürgermeister, nickt zustimmend: „Die Gemeinden Merklingen und Nellingen haben ein verdammt hohes Niveau bei der Infrastruktur erreicht. Wir bieten nicht nur die Grundversorgung, sondern mehr“, macht er deutlich. Doch möglich werde das nur durch gewisse Kriterien. Darunter zähle Kneipp die gute Anbindung zur Autobahn, die Wohnsituation, die Einkommenssteuerzuweisung, die Grundsteuer B und auch die Gewerbesteuer: „Der Motor in Baden-Württemberg sind die Betriebe, insbesondere die mittelständischen Betriebe. Hier werden Arbeitsplätze geschaffen und es entsteht Wirtschaftskraft.“ Der Wohlstand beruhe darauf.

Arbeitsreiches Jahr

Das Jahr 2018 ist ein „arbeitsreiches und erfolgreiches Jahr gewesen“, sagt Kneipp. Die Eröffnung des Backhauses, der Ableitkanal und Retentionsbodenfilter, die Erschließung weiterer Gewerbeflächen im Gebiet Brühl oder auch der nächste Bauabschnitt im Neubaugebiet Lindenstraße sowie bepflanzte Kreisverkehre, der P+M-Platz und die umfangreiche Sanierung und Umgestaltung der Ortsmitte: „2018 haben wir viele unterschiedliche Projekte in Angriff genommen“, zeigt der Merklinger Bürgermeister auf und fügt an: „Kaum sind Herausforderungen gemeistert, stehen schon die nächsten an.“ Dazu zähle er vor allem auch den Breitbandausbau. Merklingen will diesen enorm vorantreiben, hat ebenso wie Nellingen einen Förderantrag für die Backbone-Trasse gestellt. Auch da zeige sich: Kommunen sind in einem solchen Projekt auch auf die Zusammenarbeit angewiesen. Macht eine Gemeinde nicht mit, platzt das Vorhaben, ein kreisweites Netz als „Datenautobahn“ aufzubauen. Sven Kneipp stehe für eine gemeinsame Entwicklung. „Dabei brauchen wir auch Mut, Dinge anzusprechen und Ideen voranzutreiben.“

 Martin Fink.
Martin Fink. (Foto: Scholz)

Zusammen Ziele anvisieren: Dazu steht auch Martin Fink, der Vorsitzende des Gewerbevereins Merklingen. Der Neujahrsempfang zeige, dass Austausch gewünscht ist: „Aus gegenseitigem Vertrauen schöpfen wir Kraft, uns Neuem zu stellen. Doch Vertrauen setzt gegenseitige Offenheit voraus.“ Sein Appell an die Bürgermeister – vor allem auch mit Blick auf das interkommunale Gewerbegebiet: „Informieren Sie uns auch weiterhin und nehmen Sie unsere Meinung ernst.“ Das bekräftigen Kopp und Kneipp. „Man kann erst die Menschen einbinden, wenn man weiß, um welche Flächen es geht. Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt der Nellinger Bürgermeister und erhält Zustimmung vom Kollegen der Nachbargemeinde: „Wir wollen keine Schnell-schnell-Entwicklung, sondern alles nach Maß und Ziel.“

Persönliche Worte

Austausch als Tradition: Diesen Punkt spricht Herbert Bühler, der Vorsitzende der Wirtschaftsvereinigung Nellingen, bei seiner Rede an. Er habe sich auf den Neujahrsempfang trotz vieler Termine sehr gefreut, schaut auf das Jahr 2018 in Nellingen zurück. Vor allem ein Event sei neben vielen weiteren Ereignissen wichtig gewesen: der Tag des offenen Betriebes im April. Über 50 Betriebe hätten ihre Leistungsstärke präsentiert. Das sei wichtig. Wegweisend sei das Projekt „lokaler Onlinemarktplatz“ mit Laichingen. „Nutzt es. Macht mit. Es ist eine tolle Sache. Wir müssen die Chance wahrnehmen, unsere Angebote und damit Stärken in dieser Form zu zeigen.“

 Herbert Bühler.
Herbert Bühler. (Foto: Scholz)

Während dieser Appell sehr bestimmt über seine Lippen geht, wird Bühlers Stimme dann zittrig. Im nun neuen Jahr werde sich vor allem für ihn persönlich einiges ändern. Bühler spricht von seinem Rückzug als Geschäftsführer seiner Firma „Autoteile Laichingen“. Schnell fängt er sich wieder und schaut ein weiteres Stück in die Zukunft: Er persönlich wolle sich stärker in der Gemeinschaft, gerade auch der Politik, engagieren. Dazu gehöre auch sein Einsatz für die Wirtschaftsvereinigung – sei es in der Planung für weitere kulturelle Veranstaltungen in Nellingen oder auch des Tages des offenen Betriebes im Jahr 2022.

Blick in die vergangene Zeit und auch auf neue Aufgaben: Nach dem offiziellen Teil sind es die Gäste, die ihre ganz persönlichen Themen ansprechen – im Hintergrund begleitet die neu gegründete Gruppe „Georg’s Finest“ mit Gisela und Jürgen Bollinger sowie Ulrich Scheifele den Austausch und sie bekräftigen: Jeder hat seine Wurzeln – sein Zuhause.

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