Lebensgroße Skulpturen sollen Ortsmitte verschönern

Lesedauer: 7 Min
 Gerold Jäggles Skulpturen könnten Platz in der Ortsmitte von Nellingen finden. Voraussetzung ist allerdings eine entsprechende
Gerold Jäggles Skulpturen könnten Platz in der Ortsmitte von Nellingen finden. Voraussetzung ist allerdings eine entsprechende Förderung aus dem Landessanierungsprogramm, um die Kosten zu stemmen. (Foto: Scholz)

Die Ortsmitte von Nellingen soll zum Verweilen einladen. „Seit Durchführung der Sanierungsmaßnahmen kam immer wieder aus der Mitte des Gemeinderates der Wunsch auf, hier am zentralen Ort eine Skulptur zu errichten“, erzählt der Nellinger Bürgermeister Franko Kopp (CDU) in der Sitzung des Gemeinderates am Montagabend. Jetzt sei es soweit: Zumindest erfolgt ein nächster Schritt. Der Künstler Gerold Jäggle stellt den Gremiumsmitgliedern vor, was er sich an Skulpturen für Nellingen erdacht hat.

Ein weiterer Schritt steht aus: die Umsetzung. Die soll nämlich erst in Angriff genommen werden, wenn die Kommune in das Landessanierungsprogramm aufgenommen und eine entsprechende Förderung für die Gestaltung der Ortsmitte denkbar wird. Erst dann soll überlegt werden, 70 000 Euro zu investieren. Das Problem: Dem Antrag der Gemeinde Nellingen auf Aufnahme in das Landessanierungsprogramm wurde dieses Jahr nicht entsprochen. Eine Entscheidung muss also vertagt werden. Trotzdem fassen die Mitglieder des Gemeinderates einen einstimmigen Grundsatzbeschluss.

Die „Vorgeschichte“: Ratsherr Werner Staudenmaier hatte bereits im Vorfeld mehrere Male Kontakt mit dem Künstler aufgenommen. Im November vergangenen Jahres fand im Nellinger Rathaus ein Gespräch zwischen Kopp, Jäggle und Staudenmaier statt. Der Künstler zeigte erste Entwürfe, die dem Gemeinderat laut Kopp im Dezember vergangenen Jahres weitergegeben wurden.

Die Idee des Künstlers: Der Gemeinderat hatte sich dafür ausgesprochen, ein Kunstwerk zu schaffen, das einen Bezug zur damaligen Molkerei – alternativ oder ergänzend auch zum Backhaus – herstellt. Entstanden ist eine Skulpturengruppe aus Bronze. In der kleinen Variante enthält diese zwei Kinder sowie eine Katze. „Ich war auch als Kind bei der Molke und mich hat auch immer der Weg dahin fasziniert“, erklärt Jäggle. Das Kunstwerk zeigt ein junges Mädchen, das auf der Mauer (bereits in Nellingen vorhanden) steht. Ein Junge möchte ebenfalls auf die Mauer klettern, nutzt dazu eine Milchkanne. „Und die Katze würde sich natürlich freuen, wenn die Milchkanne umfällt“, so Jäggle. Kosten: 42 000 Euro. Die zweite Variante – die große – wird durch eine Backfrau in Lebensgröße von 1,70 Metern samt „Krucke“ ergänzt. Kostenpunkt: 28 000 Euro für die Frau mit Arbeitsgerät. Die Gesamtkosten würden dann bei 70 000 Euro liegen.

 So sehen die Skulpturen aus.
So sehen die Skulpturen aus. (Foto: Scholz)

„Ich freue mich, dass ich mein Modell vorstellen darf“, sagt Jäggle und ergänzt: „Eine künstlerische Gestaltung ist auch immer eine Vertrauenssache.“ Ihm sei allerdings wichtig: „Ich habe kein Markenzeichen. Sie bekommen keinen typischen Jäggle, sondern ich überlege mir jedes Mal etwas Neues. Es soll zu Nellingen passen.“ Deswegen begrüße er auch, dass es kein Brunnen in der Ortsmitte werden soll. Wasser auf der Alb? Fehlanzeige. Deswegen passe auch kein solches Konstrukt; die beiden Motive Molkerei und Bäckerei hingegen schon.

Wie individuell Jäggle arbeitet, zeigt der Bildhauer aus Ertingen an einigen seiner Werke auf. Nach seinem Studium in Stuttgart kreierte er sein erstes Modell für seine Heimatgemeinde. Mittlerweile ist Gerold Jäggle seit 30 Jahren freier Bildhauer. Eine Erinnerung an den Ferkelmarkt in Riedlingen, der dortige Narrenbrunnen oder auch jener in Rottenburg mit insgesamt 72 Figuren sowie Figuren im Märchenpfad im hessischen Hanau sind Beispiele für seine Arbeit. „Man darf mit den Skulpturen auch spielen. Die Skulpturen sind so konzipiert, dass sich Kinder nicht verletzen und zum Spielen eingeladen werden.“

Es wäre eine Bereicherung. Die Molke-Geschichte finde ich toll.

Helmut Wörz

Die Meinungen der Ratsmitglieder: Das erste Wort hat Werner Staudenmaier. Er begründet, warum er die Initiative ergriff: „Mir fehlt die Möblierung in der Ortsmitte. Die Belebung ist mir wichtig. Diese Skulpturen sind nicht einfach quadratisch, praktisch, gut. Das wird man sehen, wenn man durch Nellingen fährt. Mir gefällt es. Es ist lebendig.“ So sieht es auch Helmut Wörz. „Es wäre eine Bereicherung. Die Molke-Geschichte finde ich toll“, sagt er. Zustimmung gibt es auch von Herbert Bühler: „Ich würde es unterstützen. Das passt zur ganzen Geschichte.“ Doch er schränkt ein: Eine Unterstützung nur, wenn die entsprechenden Bedingungen – also die Förderung im Rahmen des Landessanierungsprogramms – stimmen. „Der Zuschuss ist ein Muss, sonst würde ich nicht zustimmen“, verdeutlicht auch Roland Fink.

Einstimmig sprechen sich die Ratsmitglieder dafür aus, die Modelle zunächst zur Kenntnis zu nehmen und eine große oder kleine Variante zu realisieren, wenn eine Förderung gesichert ist. Der Künstler solle zudem für seinen bisherigen Aufwand „entschädigt“ werden. Bleibe noch die Frage, welchen Namen die Skulpturengruppe dann erhält, meint Ratsherr Hans Eberhardt. Doch dafür bleibe ja noch ausreichend Zeit. „Ich werde darüber nachdenken“, so Gerold Jäggle.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen