Bosbach füllt Nellinger Festhalle

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Erst ließ er die etwa 200 Menschen in der Nellinger Festhalle warten, dann ließ sich Wolfgang Bosbach (vorderer Tisch, rechts) f
Erst ließ er die etwa 200 Menschen in der Nellinger Festhalle warten, dann ließ sich Wolfgang Bosbach (vorderer Tisch, rechts) f (Foto: Scheiffele)
Brigitte Scheiffele

Im Plauderton mal eben die Sachlageder Republik ordnen: Das hat der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach am Dienstagabend in der Nellinger Festhalle vor etwa 200 Besuchern gemacht. Augenhöhe mit den Besuchernscheinen ihm wichtig und von Überzeugungsarbeit kann man nicht sprechen, denn bodenständiges Auftreten gepaart mit rheinländischem Naturell sind dem Christdemokraten einfach in die Wiege gelegt.

„Wenn es um Arbeit und Pünktlichkeit geht bin ich ein 100 prozentiger Preuße. Ich glaube der Bahn, dass 97 Prozent der Züge pünktlich fahren sollen, aber ich sitze immer in den anderen drei Prozent“, bekennt er. Bosbach kommt deswegen eine halbe Stunde zu spät nach Nellingen. Nellingens Bürgermeister Franko Kopp (CDU) hält allerdings einige Minuten vor Eintreffen des Politikers sein Plädoyer im Hinblick auf den nicht verständlichen Bestandschutz landwirtschaftlicher Flächen (wir berichteten). Denn eine ebenfalls am Dienstagabend bevorstehende Gemeinderatssitzung gibt ihm nur begrenzt Zeit.

Ronja Schmitt vom CDU-Kreisverband und ebenfalls Mitglied des Bundestags folgt als Rednerin und bittet schließlich Manuel Hagel, den Landtagskandidaten: „Du sprichst jetzt so lange bis Bosbach kommt.“ Hagel hätte damit zwar kein Problem, wird aber von donnerndem Applaus für den nun erscheinenden Bosbach unterbrochen, der die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich lenkt. Er sei „der Mann der CDU, der einen geradlinigen Weg“ gehe, heißt es seitens eines Zuschauers am Nachbartisch. Dass er seiner Linie treu bleibt und eine für die Kanzlerin unbequeme Wahrheit vertritt, bringt ihm in der nächsten Stunde stets frenetischen Beifall. In diese packt er Themen wie Politikverdrossenheit und Griechenland, holt weit aus von Ludwig Erhard zu Hartz IV, zieht zum Nato Doppelbeschluss, den Mauerfall und die 25-Jahr-Feier der Wiedervereinigung.

Weiter führt seine lockere Rede in die Ukraine über zu Putin bis hin zu einem nur „vier Flugstunden entfernten Agieren von Barbaren, die mittlerweile soviel Land beherrschen wie die Hälfte der Bundesrepublik“. Der Islamische Staat in Syrien. Die dortige Bevölkerung könne allerdings nicht mit Lichterketten und Resolutionen geschützt werden. Millionen Menschen seien wegen dieser Extremisten auf der Flucht.

Konflikt innerhalb des Islams

Doch Bosbach sieht in diesem Problem nicht die alleinige Auseinandersetzung Muslim gegen Christ, sondern im Kern eine innerislamische Auseinandersetzung, erinnernd an das Massaker im Oktober 1979 in Mekka. „500 militante Islamisten nahmen die große Moschee in ihre Gewalt und Pilger als Geiseln. Ich will nicht, dass dieser Konflikt nach Deutschland auf unsere Straßen transportiert wird“, sagt Bosbach. Er erinnert an die bitteren Erfahrungen mit Einzelschicksalen im Kampf der RAF und spricht im Vergleich dazu von heute „weichen Zielen, die immer Masse erreichen und spektakulär sein müssten“. Dabei handele es sich um „Täter-Typen, die wir aus der Vergangenheit nicht kennen.“ Alles Aussagen Bosbachs fanden Unterstützung durch wiederkehrenden Applaus. Er aber mahnt: „Zehn Anschläge sind in Deutschland fehl geschlagen. Es geht nicht um hier lebenden Muslime. Sie machen uns keinen Kummer. Es geht um über 40000 Islamisten unter ihnen, darunter 7000 Salafisten.“

Kritik mangelnder Solidarität unter EU-Mitgliedstaaten

Bosbach will nicht „an falscher Stelle tolerant sein und besonders nicht bei denen, die sowieso nicht tolerant sind“. Doch er mahnt: „Ein Muslim ist kein Ungläubiger, sondern ein anders Gläubiger.“ Wenn 80 Millionen Menschen friedlich und rechtstreu in einem Land leben wollten, gehe das nur mit der Rechts- und Werteordnung von Deutschland.

Weiter kritisiert er eine fehlenden Solidarität der EU-Mitgliedsstaaten, einer Verletzung von geltendem Recht und den angeblich 13 einzurichtenden Hotspots die bis auf drei nicht existierten. „Solidarität ist keine Einbahnstraße und die Länder, die sich weigern, Flüchtlinge aufzunehmen, erhalten die meiste finanzielle Unterstützung.“

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