Aus für Albi ist eine „Katastrophe“: Edeka macht Werk in Berghülen dicht

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Aus für Albi: Edeka schließt das Werk in Berghülen
Für die einen ist es ein Schock, andere haben es wohl zumindest schon länger befürchtet: Albi, der Fruchtsafthersteller in Berghülen, soll Ende März dicht gemacht werden. Eine entsprechende Meldung des Betriebsrates wurde inzwischen auch vom Besitzer Edeka bestätigt. Betroffen davon sind rund 70 Mitarbeiter. Erst vor einem knappen Jahr hatte Edeka den Betrieb übernommen – umso überraschender jetzt die Hiobsbotschaft.
Digital-Redakteur Alb-Donau-Kreis/Ulm

Das Aus für Albi auf der Laichinger Alb: Nach der Übernahme durch Deutschlands größten Lebensmittelhändler Edeka vor gut einem Jahr kommt jetzt der nächste Schock aus heiterem Himmel für die rund 70 übrig gebliebenen Beschäftigten des Fruchtsaftherstellers Albi mit Sitz in Berghülen im Alb-Donau-Kreis. Im ersten Quartal 2019 soll das Werk des einstigen Familienunternehmens laut einer Mitteilung geschlossen werden, die Marke Albi aber weiterleben. Die Produktion wird demnach schrittweise nach Rostock an den Standort einer weiteren Edeka-Tochter, dem Safthersteller Sonnländer, verlagert.

Die Zukunft der Mitarbeiter ist derzeit noch ungewiss. Die Gewerkschaft hofft, dass noch nicht alle Arbeitsplätze auf der Alb verloren sind. Edeka will sich nach eigenen Angaben „umgehend“ um die Zukunft der Beschäftigten kümmern und mit dem Betriebsrat die Gespräche über einen Sozialplan und Interessensausgleich aufnehmen. Weitergehende Beschäftigungsmöglichkeiten in anderen Gesellschaften des Edeka-Verbunds auch in der Region würden demnach derzeit geprüft, ebenso die Möglichkeit einer Transfergesellschaft: „Wir werden uns bemühen, Lösungen für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden“, so der Lebensmittelhändler.

Das zieht einen Rattenschwanz von Konsequenzen nach sich“

Für Berghülens Bürgermeister Bernd Mangold ist die Schließung des mit Abstand größten Arbeitgebers schon jetzt eine „Katastrophe“ – nicht nur für die Beschäftigten, sondern für die gesamte Gemeinde. Die komplette Infrastruktur sei auf Albi ausgerichtet: Wasserbedarf, Gebühren und vieles mehr. „Das zieht einen Rattenschwanz von Konsequenzen nach sich“, so Mangold.

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Stellenstreichung nach Übernahme:
Der Fruchtsafthersteller Albi mit Sitz in Bühlenhausen im Alb-Donau-Kreis ist im Dezember vom Lebensmittelhändler Edeka übernommen worden. Wie jetzt die „Schwäbischen Zeitung“ auf Nachfrage von Edeka erfahren hat, müssen nun doch Stellen von befristet angestellten Mitarbeitern gestrichen werden.

Bei einer Versammlung am Freitag ist die Belegschaft von der Geschäftsführung informiert worden. Der im Mai erstmals gewählte Betriebsrat hatte nach Informationen der „Schwäbischen Zeitung“ erst eine Stunde zuvor vom Albi-Aus erfahren. Damit sei so plötzlich nicht zu rechnen gewesen, heißt es aus Mitarbeiterkreisen. Ende Oktober sei noch besprochen worden, welche weiteren Investitionen am Standort getätigt werden sollen, berichtet Karin Brugger, Geschäftsführerin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Auch Berghülens Bürgermeister hatte so etwas nicht geahnt. „Mir gegenüber hat Edeka gesagt, sie wollen am Standort festhalten“, sagt er. Woher der plötzliche Sinneswandel kommt, teilte der Lebensmittelhändler auch auf Nachfrage nicht mit. Nur so viel: „Die intensive Prüfung aller Möglichkeiten in den letzten zwölf Monaten hat ergeben, dass sich der Betrieb des Standorts nicht wirtschaftlich aufrechterhalten lässt.“

Im Dezember 2017 hatte Edeka Albi mit rund 130 Beschäftigten übernommen. Dem damals von Imanuel Friedrich Rösch in der dritten Generation geführten Unternehmen drohte die Insolvenz. Nur durch die kurzfristige Übernahme durch Edeka konnte die Produktion aufrecht erhalten werden.

Doch auch danach scheint sich die Situation im 1928 gegründeten Unternehmen nicht gebessert zu haben. Discounter, die bis dahin Albi-Säfte in den Regalen stehen hatten, sprangen ab. Auch eine Rabattaktion bei der Edeka-Tochter Netto brachte offenbar nicht die erwünschten Effekte. Zwar habe Edeka in Berghülen investiert, aber nur so viel, dass der Betrieb aufrechterhalten und mit der Produktion von Sonnländer kompatibel gemacht werden könne, sagt Karin Brugger von der NGG. Sie will den Kampf um die Stellen in Berghülen noch nicht aufgeben und fordert von Edeka die Offenlegung der wirtschaftlichen Prüfung. „Und dann muss man sich unterhalten und schauen, ob nicht ein Teil der Mannschaft gerettet werden kann“, sagt sie.

Für Klaus Heitlinger, Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Fruchtsaft-Industrie (VdF), ist das Albi-Aus auf der Alb der nächste Schritt einer „logischen Entwicklung“. Die Marke Albi gehöre zu den Top 5 der Saftmarken – nicht nur in Deutschland. Auch wenn Berghülen für den europäischen Markt besser läge als Rostock, die Investitionen für einen profitablen Standort scheinen Edeka seiner Einschätzung nach dann doch zu hoch gewesen zu sein.

Edeka muss nun seiner Verantwortung nachkommen und eine gute Lösung für die Belegschaft finden.“

Die Ulmer CDU-Bundestagsabgeordnete Ronja Kemmer, die kurz vor der Übernahme durch Edeka das Albi-Werk in Berghülen besucht hatte, bedauert die Schließung. „Wir verlieren damit nicht nur einen Produzenten heimischer Lebensmittel, sondern auch ein Traditionsunternehmen“, sagt sie: „Edeka muss nun seiner Verantwortung nachkommen und eine gute Lösung für die Belegschaft finden.“

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Betriebsrat gewählt: Mitarbeiter von Albi hoffen auf mehr Mitsprache
Nach dem Verkauf des Berghülener Saftherstellers an Edeka hoffen die Mitarbeiter von Albi nun auf mehr Mitspracherecht.
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