Schultheater thematisiert Ausgrenzung

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Schultheater thematisiert Ausgrenzung
Schultheater thematisiert Ausgrenzung (Foto: Schule)
Friedrich Hog

Die Theater AG der Schule an der Donauschleife, Gemeinschaftsschule und Realschule Munderkingen, hat das Stück „Heinz-Hausmeister“ drei Mal in der Donauhalle aufgeführt. 17 Schüler auf der Bühne und das Schulorchester erhielten viel Applaus für ihre Leistungen, und sicher auch für ihr Thema, das aktuell ist, und angemessen behandelt wurde.

Nach einer Idee eines dänischen Videos haben Rektorin Jutta Braisch als Leiterin der Theater AG und die hieran teilnehmenden Schüler das Stück „Heinz-Hausmeister“ verfasst. Die erste Aufführung am Mittwoch war für die Grundschüler und Schüler bis zur 6. Klasse, am Donnerstag folgte während der Schulzeit die Aufführung für die Jahrgangsstufen 7 bis 10, und abends für die Eltern.

Die 17 Akteure aus den Klassen 6 bis 10 im Alter von 12 bis 16 Jahren hatten erst wenige Tage zuvor erstmals gemeinsam das Stück geprobt. Dennoch klappten die Aufführungen, deren Idee auf das Projekt „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ zurückreicht. Wie rasch Menschen in Schubladen gesteckt werden, und Ausgrenzungen ausgesetzt sein können, haben die Schüler in ihrem Stück dargestellt. In einer Schulklasse wird die neue Mitschülerin Tamara Romanov vorgestellt. Da sie einen Migrationshintergrund hat, anders aussieht, und anders gekleidet ist, hält sich die Begeisterung der Mitschüler in Grenzen. Aus der Angst vor dem Unbekannten erwachsen rasch Vorurteile, als einem Schüler der Geldbeutel geklaut wird.

In der Eisdiele treffen sich die Schüler. Zunächst herrscht der Tenor vor, man könne Tamara nicht trauen, sie müsse die Täterin sein. Jemand tritt dem entgegen mit den Worten „vielleicht solltest du mal deine Gehirnzellen lackieren, nicht nur deine Nägel“. Aus diesem Gedanken heraus entwickeln die Schüler den Plan, den Täter auf frischer Tat zu ertappen. Ein neues Handy als Köder muss herhalten, das im Klassenzimmer „vergessen wird“, zwei Schüler verstecken sich im Schrank. Tatsächlich geht ihnen die Täterin ins Netz, die Putzfrau der Schule, nicht Tamara. Tamara ist exkulpiert, das Interesse gilt der Putzfrau Marianna. Diese bittet innig, nicht die Polizei zu rufen, und berichtet, sie komme aus Rumänien, wo sie in Armut lebte, wo es keine Schule gab, und Mädchen verschwunden seien. Dort habe ihr eine Agentur freundlichst Arbeit in Deutschland versprochen, und ihr damit Hoffnung gemacht. Nun müsse sie Geld an die in Wahrheit unfreundliche Schleuserbande bezahlen, und habe Angst um ihre beiden kleinen Kinder.

In der Eisdiele arbeiten die Schüler einen Plan aus, die Erpresser zu überführen. Auch wenn Hausmeister Heinz es nicht fassen kann, schnappt die Falle zu. Zwischen den Szenen rappt Hausmeister Heinz jeweils, er ist die gute Seele der Schule. Das von Musiklehrerin Miriam Nagler geleitete Orchester mit Schlagzeug, Trompeten, Saxophonen und Klarinetten spielte am Anfang und Ende des Stückes, und untermalte den Rap.

In der Zeitung lautete sodann die Überschrift „Chaotenklasse der Schule schafft es - Schüler der Schule an der Donauschleife überführen osteuropäische Erpresserbande“. Die mutigen Schüler jagten die Menschenhändler mit einem in der Schule zwischengelagerten Bargeldköder von 10000 EUR aus einem Sponsorenlauf in die Falle. So hatte des Stück nicht nur der unschuldigen Tamara die ihr zustehende Anerkennung gebracht, sondern auch die Realitäten beleuchtet, die ein Europa mit einem extrem starken sozialen Gefälle beinhaltet. Trotz der kurzen Zeit zum Proben, und trotz des umzugsbedingten Ausfalls des ursprünglichen Rappers war der Unterhaltungswert ebenso beachtlich wie der inhaltliche Tiefgang. „Es ist leicht, Menschen in Schubladen zu stecken“, nach dem Stück verstanden alle, was Rektorin Jutta Braisch mit diesen einleitenden Worten sagen wollte.

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