Niemand kommt zu SPD-Infoveranstaltung: Das sagt Hilde Mattheis dazu

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Hilde Mattheis
Hilde Mattheis (Foto: Sebastian Gollnow)
Redakteur Politik

Hilde Mattheis ist eine der bekanntesten SPD-Politikerinnen im Südwesten. Am Montagabend lud die Bundestagsabgeordnete – und Vorsitzende des linken Forums DL21 – zu einer Infoveranstaltung mit ihr in Munderkingen (Alb-Donau-Kreis) ein. Das Ziel: Menschen für ein Engagement in der Kommunalpolitik zu gewinnen. Es kam kein einziger Besucher. Sebastian Heinrich hat mir ihr über den Vorfall gesprochen – und sie gefragt, was die SPD daraus lernen kann.

Frau Mattheis, eine SPD-Info-Veranstaltung, zu der gar niemand kommt: Ist Ihnen so etwas schon einmal passiert?

Das passiert einem im politischen Leben schon hin und wieder, aber ich kann mich jetzt nicht konkret daran erinnern. Das ist auch gar nicht der Punkt, der mich persönlich irritiert. Zumal wir unser Büro in Munderkingen ja auch seit nicht mal einem Jahr haben. Was mich irritiert: Dass es für uns als SPD so schwer ist, Menschen dafür zu gewinnen, sich aktiv in der Kommunalpolitik einzubringen.

Und woran liegt das?

In Munderkingen gibt es, wie in Oberschwaben allgemein, sehr starke schwarze Strukturen. In den Kreisen Biberach und Sigmaringen haben wir in der Regel einstellige Ergebnisse. Es ist also ein Stück weit ungewöhnlich, sich für die SPD in der Kommunalpolitik zu engagieren. Und es ist auch ungewöhnlich, dass die SPD so ein Angebot macht. Und natürlich muss man sich auch fragen, ob die Werbung ausreichend war oder der Zeitpunkt gut gewählt war.

Wie frustrierend war diese Veranstaltung ohne Besucher für Sie persönlich?

Gar nicht. Ich bin da persönlich sehr entspannt, es war ja trotzdem ein nettes Gespräch mit den SPD-Mitgliedern vor Ort.

Der Artikel zu der Veranstaltung wurde auf Schwäbische.de mit enormem Interesse gelesen - und manche Menschen haben auf sozialen Netzwerken gespottet, das sei eben ein weiteres Zeichen dafür, dass niemand mehr die SPD braucht. Haben diese Menschen recht?

Nein, auf gar keinen Fall. Wir haben in unserer fast 155-jährigen Geschichte vieles für dieses Land geleistet. Wir haben nicht nur Höhen und Tiefen gehabt, sondern auch als demokratische linke Partei wichtige Impulse gesetzt.

Sie sprechen, wie viele führende SPD-Politiker, über die Geschichte. Aber sagen Sie doch mal in einem Satz, warum es die SPD heute braucht.

Die Leute brauchen eine klare Botschaft für sich und ihre Kinder, dass es gerecht zugeht in dem Land, dass die Verteilung stimmt – und dass sie keine Angst haben müssen, dass die Verteilungskämpfe noch stärker werden.

Eine Info-Veranstaltung zu Kommunalpolitik – und keiner kommt. Das kann man auch als Alarmsignal dafür sehen, dass sich immer weniger Menschen für Kommunalpolitik interessieren. Beobachten Sie diesen Trend auch?

Nein, das sehe ich nicht. Und ich werbe auch vehement für Kommunalpolitik. Für mich ist das die Königsdisziplin, nirgends wird die direkte Entscheidung so spürbar wie auf kommunaler Ebene, von der Bauplatzerschließung zu den Kita-Gebühren. Ich kann nur allen Bürgern raten, sich dafür zu interessieren.

Sind so klassische Info-Veranstaltungen wie die in Munderkingen nicht auch einfach überholt?

Ich glaube, so ein Angebot muss man immer machen. Nirgends kann man sich so direkt austauschen wie in einem persönlichen Gespräch. Ich werde aber auch weitere Aktionen machen, etwa am Marktplatz.

Was haben Sie vor, um jüngere Menschen auf digitalen Kanälen anzusprechen?

Ich persönlich bin ja auf Facebook und Twitter aktiv, aber für mich sind das auch zu anonyme Instrumente. Das große Plus der Kommunalpolitik ist ja: Wer über den Marktplatz schlendert, ist eben leichter ansprechbar als jemand, der weit weg wohnt.

Von SPD-Kommunalpolitikern in der Region hört man immer wieder Sätze wie: ’Wir rackern uns hier vor Ort ab, und in Berlin machen sie uns alles kaputt’. Sehen Sie das auch so?

So pauschal teile ich die Aussage nicht, aber die medialen Botschaften aus Berlin überlagern schon die Arbeit der SPD-Politiker vor Ort. Ich sehe, dass wir starke Kommunalpolitiker haben – auch in Gegenden, die schwarz zu sein scheinen. Das finde ich gut und muss man unterstützen, deswegen setze ich mich ja auch für die Kommunalpolitik ein.

Sie sprechen sich ja stark für einen Linksruck der SPD aus, eine Rückbesinnung auf klassisch sozialdemokratische Positionen. Der Südwesten war aber – gelinde gesagt – nie eine linke Hochburg. Warum sollte ihre Strategie also ausgerechnet hier funktionieren?

Weil die Leute zunehmend das Thema Gerechtigkeit und Verteilung für sich entdecken. Wir haben noch nie die Entwicklung gehabt, dass breite Bevölkerungsschichten für ihre Kinder eine unsichere Zukunft sehen. Das Bedürfnis nach einer sicheren, guten Zukunft reicht bis weit in Kreise von bürgerlichen und FDP-nahen Wählern. Von daher glaube ich, dass unsere Themen durchaus Zuspruch haben würden – wenn wir sie richtig setzen. Das ist keine kommunikative Frage, sondern eine inhaltliche.

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