Neustart für den Artenschutz in Munderkingen

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Setzen sich für die Artenvielfalt in der Region ein (v.l.): Brigitte Schmid, Jens Wehner, Thomas Lehenherr
Setzen sich für die Artenvielfalt in der Region ein (v.l.): Brigitte Schmid, Jens Wehner, Thomas Lehenherr (Foto: SZ- hog)

Landeshauptstadt der Biodiversität ist Bad Saulgau. Damit verbunden sind die Umwandlung von Einheitsgrün in Artenvielfalt, Schaffung von Lebensraum für Insekten sowie eine Kostenersparnis für die Gemeinde. Das verdankt die Stadt zwei ihrer langjährigen Mitarbeiter, dem Umweltbeauftragten Thomas Lehenherr und dem Leiter ihrer Stadtgärtnerei, Jens Wehner. Gemeinsam stellten sie im VHS-Raum in Munderkingen ihre Arbeit vor.

Eingeladen hatten der BUND für Naturschutz und die Partei Die Grünen. Brigitte Schmid erinnerte an die Schmetterlingswiese, die vor zehn Jahren am Alten Brunnenberg angelegt worden war. Noch heute sei die entsprechende Fläche artenreicher als zuvor, so Schmid, die Insektensterben und Volksbegehren zur Rettung der Bienen ansprach. Sie wies auf die von der katholischen Kirche für den 4. Mai geplante „Aktion öffentliche Fläche“ zur Ausmagerung städtischer Flächen am Höhenblick hin. Den Vortrag über die Artenvielfalt bezeichnete sie als „Neustart für den Artenschutz in Munderkingen“.

Veränderung an vielen Stellen

Thomas Lehenherr freute sich über 18 Storchenpaare in Bad Saulgau, und erläuterte den Weg dahin. Hierzu gehören Naturlehrpfade und Erklärungstafeln bezüglich Tiere und Pflanzen. Zwei Lehrpfade „einheimische Gehölze“ zeigen die 100 bei uns vorkommenden heimischen Baum- und Straucharten, die die Eiszeit überlebt haben. Viele Kern- und Steinobstsorten präsentiert der Obstbaumlehrpfad. Auf dem Nistkastenlehrpfad kann man Vögel beim Brüten beobachten, die Vogelstimmentafel wird durch eine Photovoltaikanlage versorgt. Der Heckenschaugarten bei den Kliniken mit Liegewiese zur Inspiration wendet sich gegen Thujawüsten, Steingärten und englischen Rasen. „Hiervon haben Insekten nichts“, so der Referent. Hinzu kommen ausgeschilderte Rad- und Wanderwege, ein Georundweg mit 43 Kilometer Länge sowie ein Thermalwasserlehrpfad.

Von 58 Kilometer Fließgewässern waren in Saulgau 80 Prozent verschalt, verdohlt und begradigt. Durch Gewässerrenaturierung entstanden neue Lebensräume, wobei die Stadt die Maßnahme mit 70 Prozent bezuschusst bekam. Durch das Einbringen von Märanden in die Flussläufe habe man sogar Eisvögeln Brutplätze geschaffen. Zudem wurden in den letzten 25 Jahren über 100 Tümpel ausgebaggert, Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen. Auch dem Umdenken der Verwaltung und des Gemeinderats sei die naturnahe Begrünung der Stadt zu verdanken.

Umwelttouristen willkommen

Jens Wehner verdeutlichte am Beispiel von Rasenflächen die positiven Effekte der Umsetzung dieses Beschlusses. Rasen musste 25 Mal pro Jahr gemäht werden, die Blumenwiese werde nur zwei Mal gemäht. Anhand vieler Bilder zeigte er Beispiele, wie auch Verkehrsinseln oder Kreisverkehre zu lebendigen Biotopen wurden. Steppensalbei, Berg- und Katzenminze, Schnittlauch, Astern, Margeriten oder nicht gefüllte Rosen gehören zum Stadtbild, ebenso wie Wildäpfelbäume.

Die beste Zeit zum Säen von Blumenwiesen sei Ende August, nur sollte man nicht die „Mössinger Mischung“ verwenden, die standortfremde Blumen enthalte, und nur einjährig sei. Stein- oder Totholzhaufen auf Grundstücken seien optimale Lebensräume für Insekten. „Geht es der Wildbiene gut, geht es auch der Honigbiene gut“, so Wehner. Kontraproduktiv für die Artenvielfalt sei Mulchen und das Verwenden von Rasenrobotern. Bad Saulgau habe den Vorteil von kieshaltigen Böden, aber auch auf lehmhaltigen Böden könne man eine Fettwiese mit 30 Pflanzenarten einsäen. Auf „Umweltbildungstourismus“ freut sich Bad Saulgau am 17. Mai zur Eröffnung des Naturthemenparks, der auch für Kinder spannend ist. Die Biberburg sei tatsächlich von zwei Biberpärchen bewohnt. Durch regelmäßige Umweltberichterstattung werde das Thema auch in der Bevölkerung angenommen.

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