Munderkinger Munition wird gestopft

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Ordentlich mit Konfetti stopfen die Männer die Munition für die Fasnetsumzüge.
Ordentlich mit Konfetti stopfen die Männer die Munition für die Fasnetsumzüge. (Foto: Sz- eis)

Die Vorbereitungen für die aktuelle Fasnetssaison gehen bei der Munderkinger Trommgesellenzunft in die heiße Phase. So auch bei der Belagerung. Hier wurde am Donnerstag im Zunfthaus die Munition für die anstehenden Fasnetsumzüge gestopft. Das ist bei den Männern noch alles reine Handarbeit.

Durchschnittlich 200 närrische „Kanonenkugeln“ braucht die Munderkinger Belagerung pro Fasnetssaison. „In diesem Jahr werden es etwa 240 sein, weil die Saison lang ist und wir an mehr Umzügen teilnehmen“, erklärt Klaus Jäger. Beispielsweise werden sich Franzosen, Grenadiere und Bauern auch beim Tag-in-Nacht-Umzug der Munderkinger Spittl-Narren zeigen. Pro Umzug werden 40 Stück Munition, 20 pro Kanone, verschossen. Damit es dabei auch effektvoll knallt und das Konfetti schön umherfliegt, muss die Munition gut gestopft sein.

Kanonenschläge als Zünder

Sozusagen als Zünder und Sprengstoff verwendet die Belagerung Kanonenschläge. „Die bestelle ich immer schon weit vor Silvester, Ende Oktober“, berichtet Jäger. Die Böllerwerden mit zugeschnittenem Zeitungspapier umwickelt. In die Rolle stopfen die Männer anschließend ordentlich Konfetti, das während des Umzugs auf die Gegner abgefeuert wird. Der Ablauf des Kampfes, der auf die Belagerung Munderkingens durch die Franzosen im Jahr 1798 zurückgeht und in einem Gedicht des Munderkinger Mundartdichters Carl Borromäus Weitzmann beschrieben ist, läuft dabei immer gleich ab.

Die Franzosen laufen voraus, im Schlepptau ihre Kanone, gefolgt von den Munderkinger Grenadieren mit ihrer Kanone und zuletzt die Bauern. „Kommt der Umzug zum Stehen, gibt der Kommandant der Franzosen das Zeichen zum Angriff“, erklärt Florian Stöhr. Dann schießen Franzosen und Grenadiere je zwei Mal aufeinander. Anschließend stürmen die Bauern hervor und stürzen sich auf die Franzosen.

Häser leiden im Kampf

Klar, dass bei der handfesten Auseinandersetzung nicht nur die mutigen Kämpfer Blessuren davontragen, sondern auch die historischen Häser. „Diese sind im Besitz der Zunft, nicht der einzelnen Mitglieder und müssen natürlich regelmäßig gereinigt und auch geflickt werden“, erklärt Narrenrätin Claudia Brunner. Einzelne kleinere Ersatzteile wie Knöpfe hätten die Teilnehmer jedoch zuhause, um auch mal schnell eine Schönheitskorrektur vornehmen zu können. Gerade bei den Bauern sei jedes Häs ein Unikat, das die verschiedenen Handwerksberufe der damaligen Zeit wie beispielsweise Bäcker, Schmied oder Fischer darstellt. Ganz vorn dabei der Bürgermeister und Pfarrer. „Damit die wichtigen Einzelhäser möglichst auch bei jedem Umzug dabei sind, ist es sinnvoll, dass sie im Besitz der Zunft sind und nicht im Ernstfall mit ihrem Besitzer ausfallen“, erklärt die Narrenrätin. Dennoch würden langjährige Gruppenmitglieder natürlich in jeder Saison dasselbe angestammte Häs tragen. Auch wenn viele Mitglieder der Belagerung lange Jahre aktiv dabei bleiben, werden immer wieder Häser für junge Männer frei, die in der historischen Gruppe mitmachen wollen und auch gern gesehen sind, versichert Claudia Brunner.

So wichtig wie die Einzelhäser sind für die Belagerung natürlich auch die beiden Konffetti-Kanonen. „Das ist gerade bei Umzügen in der Schweiz ein Problem, denn dorthin dürfen wir die Kanonen nicht mitnehmen“, sagt Claudia Brunner. Dürfen die „Waffen“ nicht mit, wie zum Beispiel im vergangenen Jahr beim Narrensprung in Siebnen, bleibt auch die Belagerung daheim. „Wir waren ein Mal bei einem Umzug ohne Kanonen dabei, das ist wie ein Auto ohne Lenkrad, einfach sinnlos“, erklärt Marcus Leitte.

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