2018 ist für den Sportler Johannes Dalheimer ein denkwürdiges Jahr gewesen. Seit 2015 gehört der Munderkinger der deutschen Lacrosse-Nationalmannschaft an, war 2016 mit dem Team bei der Europameisterschaft und im vergangenen Jahr erstmals bei der Weltmeisterschaft. Für den 27-Jährigen, der sich seit 2012 der in Nordamerika populären, in Deutschland aber noch wenig bekannten Sportart verschrieben hat, soll die WM 2018 in Israel nicht der letzte Höhepunkt als Lacrosse-Spieler gewesen sein.

Vor kaum zehn Jahren wusste auch Johannes Dalheimer nicht viel über Lacrosse – ein Mannschaftssport, der indianischen Ursprungs ist und etwas von Hockey und Eishockey hat, wobei die Lacrosse-Spieler Schläger mit einem taschenartigen Netz am Ende einsetzen. Wie viele andere Jugendliche und junge Erwachsene in den 2000er-Jahren sah auch Dalheimer Lacrosse in der US-amerikanischen Filmreihe „American Pie“ – aber damals „habe ich mir nichts dabei gedacht“. Schon gar nicht kam ihm in den Sinn, dass ihn dieser Sport später in den Bann ziehen würde. Bis dahin „hatte ich Fußball beim VfL Munderkingen gespielt“, so Dalheimer. Bis er sich das Wadenbein brach in dem Jahr, in dem er dann auch zum Studieren nach Karlsruhe zog.

Erinnerung an Highschool-Jahr

Aufgrund der Verletzung fuhr Dalheimer nicht wie einige Kommilitonen jedes Wochenende nach Hause, um weiter für den Heimatverein zu spielen. „So ist der Kontakt lose geworden“, erinnert er sich. Wieder fit, wollte er wieder Sport treiben. Die Überlegung, sich in Karlsruhe einen Fußballverein zu suchen, verwarf er aber. Dalheimer versuchte es mit American Football, das er von seinem Highschool-Jahr in Erinnerung hatte, hörte aber nach einem Jahr auf. Eher zufällig stieß er auf Lacrosse. „Als ich an den Spielfeldern des Hochschulsports vorbeigekommen bin, habe ich Leute Lacrosse spielen sehen“, sagt Dalheimer. Später traf er einen der Lacrosse-Spieler, man unterhielt sich und der Munderkinger wurde eingeladen, beim Training vorbeizuschauen. Es war das Jahr 2012, als er seine Sportart fand.

Johannes Dalheimer schloss sich der Mannschaft des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) an, die sich überwiegend aus Studenten und ehemaligen Absolventen der Technischen Universität zusammensetzt und in der Bundesliga Süd spielt. „Viele wissen nicht, dass der Verein auch Nicht-Uni-Leuten offensteht“, sagt der Munderkinger. In den USA, in denen Lacrosse lange als Sport der Elite verrufen war, sei es heute eine der am schnellsten wachsenden Sportarten, so Dalheimer. In Europa, außer vielleicht in Großbritannien, ist dieser Sport jedoch nach wie vor in einer Nische – trotz der Bemühungen, ihn bekannter zu machen.

Zwar gibt es mittlerweile 60 Vereine in Deutschland, aber überwiegend in großen Städten, in denen auch die Konkurrenz groß ist. „Es ist schwierig, Kinder in die Vereine zu kriegen“, sagt Dalheimer. Im Bambini-Alter seien sie vielleicht noch etwas zu jung für Lacrosse, Schul-AGs gebe es für Kinder ab der sechsten oder siebten Klasse. „Aber dann ist das Problem, dass die meisten Kinder schon in einem anderen Verein sind und da nicht rauswollen.“ Am größten seien die Chancen, wenn Lacrosse in einem Verein beispielsweise neben Hockey angeboten wird und Kinder und Jugendliche erst mit Hockey beginnen und später zum Lacrosse wechseln.

Lacrosse ist kein Sport für Zartbesaitete, im Kampf um den Ball sind auch Checks erlaubt. Anders als beim Hockey tragen die Spieler Helme mit Schutzgitter, Handschuhe sowie Protektoren für andere Körperteile. Härter als andere Sportarten findet Dalheimer Lacrosse aber nicht. „Es gibt nicht mehr Verletzungen als in anderen Sportarten“, sagt der 27-Jährige. „Am meisten schmerzt es, wenn man in die Schussbahn des Balles gerät.“ Das Spielgerät ist etwa so groß wie ein Tennisball, aber aus Hartgummi und deutlich schwerer.

Das körperliche Spiel und die Athletik sind für Johannes Dalheimer Gründe, warum ihn Lacrosse so fasziniert. Dies in Verbindung mit Schnelligkeit und Technik im Umgang mit Schläger und Ball. Der Munderkinger entwickelte nach seinem Einstieg schnell ein Geschick für das Lacrosse-Spiel, wurde nicht nur Leistungsträger beim Bundesligisten Karlsruhe, sondern 2015 auch erstmals in die Nationalmannschaft berufen. Ein Jahr später nahm der Mittelfeldspieler mit Deutschland an der EM teil, im Sommer 2018 folgte die WM.

Das Weltturnier in Israel, das sich über zwei Wochen erstreckte, wird Dalheimer nicht vergessen. „Die WM war eine komplett andere Nummer. Mit fast 50 Mannschaften war es auch die größte Weltmeisterschaft, die es je geben wird. Ab der nächsten WM soll es eine Qualifikation geben.“ Bei der WM im Sommer 2018 in Israel wurden die Mannschaften abgeholt und zu den Spielen gefahren, in den Stadien erklangen die Nationalhymnen. „Das war ein richtig cooles Gefühl“, so Dalheimer. Gesteigert wurde das Hochgefühl noch durch die Erfolge, Platz neun belegte die deutsche Auswahl. Von ihren mehr als ein halbes Dutzend Spielen verlor Deutschland nur eines: gegen das mit US-Amerikanern gespickte Team aus Puerto Rico, als es um den Einzug in die Endrunde mit den Spitzenmannschaften ging. Doch gegen die Besten der Welt, USA, Kanada und das Team der Irokesen, aus deren Gebiet Lacrosse stammt, hätten die Deutschen wenig ausgerichtet.

Wechsel nach Stuttgart

Mit Platz neun „waren wir sehr zufrieden“, sagt Dalheimer. Damit qualifizierte sich das deutsche Team für die nächste WM 2022. Zuvor steht 2020 die EM in Polen an, die auch das Ziel für den Nationalspieler aus Munderkingen ist. In der Bundesliga wechselte der 27-Jährige, der derzeit an seiner Masterarbeit zum Abschluss des Maschinenbaustudiums arbeitet, kürzlich von Karlsruhe Storm zum Liga-Konkurrenten Stuttgart. Der ABV Stuttgart liegt in der Bundesliga Süd auf Rang drei hinter München und Erlangen – Rang zwei wollen die Schwaben in der im März beginnenden Rückrunde noch erreichen, um die Play-offs und damit die DM-Endrunde gegen die Top-Teams aus den anderen drei Bundesligen zu erreichen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen