Kartoffel, Käs und schwäbischer Dialekt in Munderkingen

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Friedrich Hog

Einen vielfältigen und vergnüglichen Samstagabend erlebten rund 80 Besucher des Gemeindehauses St. Michael. Zum sechsten Mal servierte die Kolpingsfamilie vom schwäbischen Buffet „Kartoffeln ond Käs“. Im Vorfeld und im Nachgang dazu gab es Akkordeonmusik, außerdem brachte Hermann Wax den Gästen den schwäbischen Dialekt näher.

2007 hatte Thomas Schartmann die Idee, das schwäbische Freitagsessen „Kartoffeln und Käse“ mit einer kulturellen Veranstaltung zu verknüpfen. Die Erstauflage brachte seinerzeit die Theater-AG der Realschule mit den Heiligen Drei Königen auf die Bühne. 2009, 2011, 2013 und 2015 folgten mit wechselnden Künstlern weitere Abende mit „Kartoffel ond Käs“.

Akkordeonmusik

Die sechste Auflage eröffneten Sonja Neumann und ihr Akkordeonlehrer Wilhelm Rudat mit einem musikalischen Aperitif auf ihren Akkordeons. Hermann Wax berichtete, dass die Kartoffel aus den Anden stammt, und von dort ums Jahr 1600 von den dort eingefallenen Spaniern nach Europa gebracht wurde. 1846 bis 1848 zwang die Kartoffelfäule viele Iren zum Auswandern. Da ein Name gefehlt habe, sei die Kartoffel in Oberschwaben aus gängigen Begriffen zum Erdapfel geworden.

Dann war das äußerst leckere Buffet mit verschiedenen Käsesorten, Radieschen, Tomaten, Gurken, Brot, Dips und gekochten Kartoffeln eröffnet. Das Akkordeonduo hatte noch einen nordischen Volkstanz und den Klarinettenmuckel auf Lager. Dann brachte der aus Schemmerhofen-Altheim stammende Hermann Wax dem Publikum mit hohem Unterhaltungswert wissenschaftlich erarbeitete Erkenntnisse über die schwäbische Sprache näher.

„Schwäbisch ist das größte Sprachengemisch Europas, denn von Nordafrika kam über Sizilien, Rom, Mailand und Bregenz ein großer Wortschatz in den Ulmer Raum, vom Schwarzen Meer kamen über Wien viele Begriffe zu uns.“ Im Kern sei das „Schwäbisch“ ein Nachfahre des 1050 bis 1350 von Köln bis Chur und bis hinter Prag gesprochenen Mittelhochdeutsch, und es sei 300 Jahre älter als das jetzige Hochdeutsch, das auch nur ein Dialekt sei. „Wir sind sehr multikulti“, lautete die Erkenntnis des früheren Gymnasiallehrers, „Nur 60 Prozent des Schwäbisch stammt aus Deutschland“.

Köstliche Beispiele

Köstlich waren seine Beispiele, wie Worte sich entwickelt haben. Aus Pasta wurden „Spatza“ und später „Spätzle“. Aus „ei“ wurde „eu“, mithin aus der Leiter eine „Leuter“. Ebenso wurde aus einem „w“ ein „b“, also aus Kirchweih die Kirbe. Auch vor derberen Wortentwicklungen verschonte der Experte seine Zuhörer nicht, was diese aber zu schätzen wussten. „Es besteht kein Grund, jemanden wegen seines Dialekts zu plagen“, so Wax. Und bei all den wissenschaftlich erarbeiteten Ableitungen mit durchaus hohem Unterhaltungswert sind doch die unwahren die besten Geschichten.

Dazu gehört die Geschichte vom Reh, das bekanntlich abgehangen verzehrt wird, und dann schon etwas Aroma angesetzt hat, „Hautgout“. Vereinfacht wurde dies „ho gu“ ausgesprochen, und versehentlich in „hu go“ vertauscht. Daher der Spruch „Hugo, stinkst Du so“. Alle weiteren wahren Geschichten sind hinterlegt im Buch „Etymologie des Schwäbischen: die Herkunft von mehr als 8000 schwäbischen Wörtern“ von Hermann Wax. Der Erlös des Abends kommt den Außenanlagen der Frauenbergkirche zugute.

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