In Munderkingen ist jetzt die Fasnet ausgegraben: Narren trotzen dem Regen

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 Schultes Michael Lohner und der Trommmeister bei der Ausgrabung.
Schultes Michael Lohner und der Trommmeister bei der Ausgrabung. (Foto: Escoto)

Zum zweiten Mal „a bissle andersch“, aber trotzdem nach dem strengen, traditionellen Ritual, und, laut Schultes Michael Lohner zum ersten Mal im strömenden Regen hat die Munderkinger Trommgesellenzunft gestern Abend die Wuselinger Fasnet ausgegraben. Obwohl kurz vor dem „Reizenda“ vom Obertorplatz heftiger Regen einsetzte, begleiteten heuer zum zweiten Mal viele „kloine Mäschgerla“ den Schäfer und die Narren auf ihrem Weg zum Rathaus.

Nicht nur die jüngsten Narren, sondern auch Regierungspräsident Klaus Tappeser, hatten Fasnetlaternen mitgebracht, um so den Trommlern und Pfeifern, den Wusele, Brunnenspringern, Trommgesellenpaaren, dem Adel und den Narrenräten, allesamt angeführt von der wuseligen Stadtkapelle und dem roten Stadtlöwen, „ins Städtle rei zu zenda“.

Am Rathaus begrüßte Zunftmeister Ralf Lindner den närrischen Zug mit kräftigen „Narro Hee“-Rufen und erklärte dem Narrenvolk, dass während der Fasnet „älle Großkopfete“, also auch der Bürgermeister und der Regierungspräsident, mit dem Wuselinger Ehrentitel „Des isch dr graischt Lump“ angesprochen werden dürfen. Prompt zeigte sich Michael Lohner am Rathausfenster, betonte, dass ihn die Rathaushexen noch nicht entdeckt hätten und wunderte sich über die vielen Leute vor dem Rathaus.

„Heit sich it Friday for Future, heit sich Donnerstag“, sagte Lohner. Als ihn die Rathaushexen kurze Zeit später auf’s närrische Podium geschleppt hatten, kam der Schultes seiner Narrenpflicht nach und gab als seine letzte Amtshandlung den närrischen Befehl: „Brunnasprenger grabet d’Fasnet aus“. Das ließen sich Simon Gassmann und Tobias Schartmann, die beiden diesjährigen Brunnenspringer, nicht zwei Mal sagen. Mit kräftigen Hieben ihrer Spitzhacken befreiten sie Trommmeister Gerhard Steiner aus seiner Versenkung.

Der begrüßte artig den Regierungspräsidenten, lobte den „frischgebackenen Munderkinger Schneller-Weltmeister“ und verkündete, dass er mit dem Rathausschlüssel auch die Herrschaft über Wuselingen übernommen habe. Traditionsgemäß verlas der Trommmeister dann die „Wuselinger Narrengesetze“.

Nach der Binsenweisheit „Dia Fasnet hot etz grad a’gfanga und hört am Fasnetszeischdig nachts om’a Zwölfe auf“, betonte der Obernarr, dass die Munderkinger Fasnet nach alten Traditionen gefeiert werde, dass „älle Mäschgerla“ unter seinem persönlichen Schutz und dem Schutz aller echten Narren stehen und dass „koin reachter Narr em Zoicha der Narrafreiheit“ anderen schade, sie beleidige oder belästige. Und bevor das Munderkinger Narrenlied gesungen wurde, betonte der Trommmeister, dass sich in Munderkingen bis Aschermittwoch mit „Narro-Hee“ gegrüßt werde und bekräftigte die Aussage de Zunftmeisters, dass „Des isch dr graischt Lomp“ zur Wuselinger Fasnetszeit keine Beleidigung, sondern ein Ehrentitel sei.

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