Im kulturellen Gedächtnis tief verankert

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 Pfarrer Rainer Köpf
Pfarrer Rainer Köpf (Foto: Hog)
Friedrich Hog

Es war ein Abend des Wiedersehens, zunächst für die Mitglieder und Gäste der evangelischen Kirchengemeinde mit ihrem ehemaligen Vikar Rainer Köpf.

Dieser ist inzwischen Pfarrer im Remstal, und er machte am Sonntag einen Mann wieder lebendig, der in seinen Liedern die Schöpfung preist und Trost spendet in schwierigen Lebenslagen, den Liederdichter Paul Gerhardt (1607-1676). Der Abend stand am Anfang einer Reihe von Veranstaltungen anlässlich des 60. Geburtstags der Christuskirche.

Pfarrer einer Stiftskirche

Paul Gerhardt hat zwar „nur“ 137 Lieder hinterlassen, von denen 36 im evangelischen Gesangbuch stehen, aber er schrieb in so guter Qualität, dass er 400 Jahre nach seiner Zeit immer noch zu Herzen geht, und der beliebteste Dichter in den evangelischen Kirchen ist. „Er ist im kulturellen Gedächtnis Deutschlands zutiefst verankert“, fasste Rainer Köpf Paul Gerhardt zusammen. Köpf selbst ist seit neun Jahren Pfarrer in der Stiftskirche Weinstadt-Beutelsbach, der Wiege Württembergs. Wie man ihn kennt, setzte er sich während seines Vortrags immer wieder ans Klavier, und stimmte mit den Zuhörern gemeinsam die Lieder von Paul Gerhardt an.

Keine erfreuliche Lebensgeschichte

„Gerhardt schöpft in seiner Sprache aus den Bildern der Psalmen“ beschreibt Köpf den Dichter, dessen Lebensgeschichte alles andere als erfreulich verlief. Vier seiner fünf Kinder und dann seine geliebte Frau hat er verloren. Dennoch schrieb er nicht nur über den Tod, der in seiner Zeit allgegenwärtig war, sondern von ihm kommt ein Lied wie „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“. Für Rainer Köpf begann das Interesse an Gerhardt in der Kinderkirche anhand des tröstlichen Liedes „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld“. Köpf stellt Gerhardt dabei in eine Reihe mit Luther und Bach, „das Dreigestirn des evangelischen Glaubens“.

In den Liedern Paul Gerhardts erleben wir die ganze Spannung, die die Menschen seiner Zeit ständig spürten. Obwohl Gerhardt selbst Pfarrer war, blieb seine Sprache volkstümlich und verständlich. Aufgrund der Gier der Fürsten begann, als Gerhardt 11 Jahre alt war, der schlimmste Krieg auf deutschem Boden, der Dreißigjährige Krieg, dem zwei Drittel der Bevölkerung zum Opfer fielen. Die Soldaten haben „die Frau vergewaltigt, den Mann erschlagen, die Kinder verjagt, die Vorräte aufgefressen“ beschreibt Köpf jene Zeit, „ein Jahr nachdem die Soldaten am Ort waren, folgte die Pest.“ Paul Gerhardt fasste das in „Wir gehen dahin und wandern“ zusammen.

Buch beschäftigt sich mit Gerhardt

Die Anekdoten von Rainer Köpf waren köstlich, Gestik und Mimik absolut bühnenreif, und in seinem Buch „Wir gehen dahin und wandern, eine Reise zu Paul Gerhardt“ hat er all sein Wissen über den Liederschreiber Paul Gerhardt leicht verständlich niedergelegt. Dazu gehören auch das Drama um Gerhardt und die Nikolaikirche in Berlin, und die letzten Jahre Gerhards als Pfarrer in Lübben, wo er an Tinnitus und Depressionen litt.

Wie aber Friedrich Hölderlin (1770-1843) so treffend formulierte: „Wo die Not am größten ist, wächst das Rettende auch“. So fasste Rainer Köpf das Leben von Paul Gerhard am Ende seines Referats in Munderkingen, seiner ehemaligen Stelle des Wirkens, zusammen, und machte mit seinem Vortrag diesen für viele bedeutenden Kirchenmusiker Paul Gerhardt für die zahlreich erschienen Zuhörer mehr als lebendig.

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