Hillu’s Herzdropfa begeistern in Munderkingen

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Hillu’s Herzdropfa sorgen für ordentlich Lacher.
Hillu’s Herzdropfa sorgen für ordentlich Lacher. (Foto: Sz- Friedrich Hog)

Auf Einladung des VfL Munderkingen, Abteilung Frauenfußball, haben Hillu’s Herzdropfa in der vollbesetzten Aula des Munderkinger Schulzentrums gastiert. Das urschwäbische Duo nahm in unterschiedlichen Szenen die schwäbische Mentalität aufs Korn und bewies auch in heiklen Situationen, dass mit gutem Ton verbal auch „gute Musik“ gemacht werden kann. Das Publikum spendete viel Szenenapplaus, sofern es vor Lachen überhaupt dazu kam. Am Ende mussten einige Zugaben gegeben werden.

Zugunsten sportlicher Aktivitäten wie Trainingslager, so Organisator Jürgen Batzer, habe er Hillu‘s Herzdropfa nach Munderkingen geholt. Der ehemalige Trainer des zweiten Frauenteams und jetzige Event Manager des VfL wurde locker in den Anfang des Bühnenprogramms eingebaut. Hiltrud „Hillu“ Stoll alias Lena und Franz Auber alias Maddeis aus Schelklingen/Justingen hatten fast ein Heimspiel, als sie zuerst überprüften, ob denn eine Bühne in der Munderkinger Aula vorhanden sei. Eigentlich hat Maddeis das überprüft, denn Hillu war zu diesem Zeitpunkt noch im „Kleid der Liebe“, das besser vor dem Auftritt hätte gebügelt werden sollen, wie Maddeis befand. So wurden die ersten Pflöcke gesetzt, denen in verschiedenen Szenen viel Leben eingehaucht wurde, wie es im „tief schwarzen Justingen“ oder auf der Alb auch heute noch gelebt wird. Bei der Einbeziehung des Publikums gabs besonders viele Lacher, aber die waren ohnehin nie Mangelware.

„Dobblet gmobblet“ hieß das Programm von Hillu’s Herzdropfa, das den Akteuren in diversen Szenen genügend Gelegenheit gab, schwäbische Umgangsformen auf die Schippe zu nehmen. Als „Pleonasmus“ würde man das bezeichnen, und rasch schenkten sie trockenen Kochwein ein, der beim In-den-Topf-Leeren verdunstet wäre. Nicht verloren gingen all die offensichtlichen und unterschwelligen Sticheleien, mit denen Albbäuerin Lena und ihr Maddeis seit 30 Ehejahren leben. Dass Lena ihn am Sonntagmorgen zum Apfelschälen verdonnert hat, kann auch Nachbarin Babette nicht verstehen, dennoch ist sie es, die die Schälmaschine am Tisch fixiert, und damit den Erfolg über ihre scheinbare Dussligkeit setzt: „Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss, und seine Frau muss ihm sagen, was das ist“. Dass Babette mit ihrem Otto bei der Hochzeit im siebten Himmel, und Maddeis und Lena bei ihrer Hochzeit im neunten Monat waren, wird gekonnt eingestreut.

Aber er zeigt sich immer wieder als versierter Erzähler von Gedichten, beispielsweis über den textilfreien Badeausflug im heißen Sommer 2018, der überraschend endet, als ein Mädchen bei seinem „Häs in der Wiese“ Platz nimmt und er mit einer Pfanne seine Blöße verhüllt, allerdings ohne Boden. Dass sie seit der Geburt permanent zugenommen hat, gibt sie gerne zu, schließlich gab es einen Tag in ihrem Leben, als sie nur vier Kilogramm gewogen hat. Das Problem relativiert sich ohnehin, bedenkt man, dass sie mit ihren 100 Kilogramm einfach auf dem falschen Planeten lebt, auf dem Mars wären das lediglich 38 Kilo.

Beim Geburtstagsgeschenk „Thermalbadbesuch“ wird bei Hillu’s Herzdropfa aus der Wellness rasch eine Fellnässe, und es wundert nicht, dass er ihr Bäsle Rosine gerne einmal als Weintraube kennengelernt hätte. Ach, was wäre die Welt ohne „Harley Davi(d)son“ und ohne zwei Motorradbräute, die ihre Intimitäten freizügig austauschen, zum Beispiel über diverse Ständer, die im ersten Ehejahr um die Vorherrschaft, im zweiten um Gleichberechtigung und im dritten um das nackte Überleben kämpfen, und das obwohl sie mit Beinen wie ein Reh aufwarten kann, so zart, nein so haarig. Und beim Schuhkauf trifft Lena auf einen feinfühligen Verkäufer, wobei die Charaktere in genial überzeichneter Weise die Unterschiede einer schwäbischen Bäuerin und eines hochdeutsch erzogenen Anzugsträgers auf die Bühne bringen.

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