Großer Andrang beim Donau-Open-Air in Munderkingen

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Die Band „Hellraisers & Beerdrinkers“ zusammen mit Organisator Manuel Berndt alias Big Daddy X nach dem gelungenem Auftritt.
Die Band „Hellraisers & Beerdrinkers“ zusammen mit Organisator Manuel Berndt alias Big Daddy X nach dem gelungenem Auftritt. (Foto: Sz-Fotos: hog)
Friedrich Hog

Das vor wenigen Wochen mit dem Förderpreis der Stadt Munderkingen ausgezeichnete Donau-Open-Air erlebte am Samstag von 18 Uhr bis in die Nacht seine sechste Auflage. Rund 500 Besucher waren gekommen, um im Bürgerpark am Donauufer zu feiern, zu tanzen und gemeinsam einen schönen Sommerabend zu verbringen.

Hip Hop, Rock, Singer-Songwriter und Folk waren geboten, insbesondere „Hellraisers & Beerdrinkers“ aus Schwäbisch Gmünd mit ihrem wilden Gaudi-Folk rissen zu später Stunde die Leute mit und sorgten für die positive Überraschung der sechsten Auflage dieser Freiluft-Veranstaltung.

Ohne kommerzielle Ambitionen

Bürgermeister Michael Lohner und Gattin Luise gehörten zu den ersten Gästen, die von Anfang an im Bürgerpark verweilten und mit vielen Menschen ins Gespräch kamen. Der Austausch in lockerer Atmosphäre gehört zu den wichtigen Begleiterscheinungen eines Festivals wie dem Donau-Open-Air. Wenige Wochen zuvor waren die Organisatoren um den Rapper Manuel Berndt alias DJ Big Daddy X und Philipp Stöhr mit dem Förderpreis der Stadt Munderkingen ausgezeichnet worden. Sie stellen dieses kulturelle Highlight ohne kommerzielle Ambitionen und ohne einen Verein im Hintergrund auf die Beine, können sich aber auf einen zuverlässigen Helferkreis verlassen.

Einige Kenner des Festivals waren mit Decken gekommen und saßen auf der Anhöhe neben der Donaubrücke, um gemütlich mit Überblick und bestem Sound das Festival erleben zu können. Für die anderen standen Biertische- und Bänke bereit, es gab Burger, Currywurst oder Rote sowie Bier, Softdrinks und eine Bar. Damit waren die Rahmenbedingungen gegeben, die zum Gelingen des Open-Airs beitrugen, das einen sehr friedvollen Verlauf nahm und durch kurze Umbaupausen überzeugte. Nicht nur junge Leute waren gekommen, zunächst füllten sich die Bänke nur langsam, während DJ Toast seinen Mix brachte, unter anderem mit dem bekannten Stück „Havana“.

Großer andrang im Bürgerpark

Es blieb lange sonnig, wurde vielleicht ein paar Grad zu kühl, als die fünf Musiker der Lokalmatadoren „Roundhouse“ den ersten Bandauftritt ablieferten. Ihre deutschen Texte haben sie meist gerappt. „Roundhouse – wir sind wieder da“ hieß es gleich zu Beginn. Wenn sie singen „Ich will ein Rockstar sein“, ist das vielleicht ein wenig ironisch gemeint, denn ihre Musik ist eher dem Crossover/NuMetal zuzuordnen, bei dem freilich andere Musikrichtungen immer wieder einfließen wie „Ring of fire“ von Johnny Cash. Lieder aus der neuen EP durften ebensowenig fehlen wie das trickreich arrangierte „Yes yes yes“. Und ja, inzwischen waren richtig viele Leute im Bürgerpark, überwiegend von außerhalb von Munderkingen.

Eher zum Entspannen geeignet waren die Lieder des der Liebe wegen in Biberach lebenden australischen Singer-Songwriters Rod Fritz. Mit seiner kräftigen dunklen Stimme und nur von seiner akustischen Gitarre begleitet, war er prädestiniert für den Johnny Cash-Klassiker „Hurt“, er sang aber auch eigene Stücke. Ein weiterer Höhepunkt war der Elvis-Klassiker „In the Ghetto“, den Mac Davis geschrieben hat. Seine Erinnerungen an eine USA-Tournee hat Rod Fritz in „Hollywood Hills“ verarbeitet, San Francisco, Los Angeles, eine ganz ausgelassene Stimmung.

Biografie in Liedern

Diese lockere Stimmung übernahm Manuel Berndt sodann für seinen eigenen Auftritt, Big Daddy X featuring DJ T-Rex, alias Timo Freudenreich, seines Zeichens im wahren Leben Geschäftsführer der Radio free FM gGmbH in Ulm. T-Rex spielte die Musik ein, dazu stellte Big Daddy X seine neuen HipHop-Songs vor, zu denen auch „Friedhofsgang Teil 2“ gehörte und ein „Endzeitszenario“ beklagt wurde. Er rappte in deutsch, und bezog sich und T-Rex immer gerne in die Texte ein, „X-Force“ zum Beispiel. „Eine Rapper-Karriere beginnt nach 15 Jahren“, sagte er und ergänzte: „Ich bin bereit.“ Dazu erzählte er im letzten Stück, wie es vor eineinhalb Dekaden für ihn angefangen hat. Langsam wagten sich die Leute vor die Bühne zum Mittanzen.

Die fünf Jungs von Voltkid aus Ulm präsentierten unverbrauchten alternativen Deutschrock, bauten aber auch ein wenig Rap in ihren Vortrag ein. Voller Tatendrang animierte Sänger Jorgo die Leute immer wieder zum Tanzen. Einmal schlich sich eine Ballade ein, und ein Lied hatte keinen Namen.

Überraschungsauftritt

Wie er als Moderator selbst in seiner Ankündigung sagte, wusste Manuel Berndt nicht, auf was er sich mit der Verpflichtung von „Hellraisers & Beerdrinkers“ eingelassen hatte. Nun, es war ein absoluter Überraschungsauftritt, der den Stimmungspegel zu später Stunde auf Anschlag nach oben katapultierte. Gaudi-Folk nennen die fünf jungen Herren aus Schwäbisch Gmünd ihre mit wild gespielter akustischer Gitarre, Akkordeon, Mandoline, Banjo, Kontrabass und Schlagzeug präsentierte Musik. Felix Schurr mit seinen langen Haaren und seinem langen Bart war nicht nur der Sänger, sondern auch der Unterhalter mit Bier-gegerbter Stimme, der nach jedem Lied den Spruch „Prost Publikum, Prost Band“ zelebrierte und damit für gesteigerten Bierkonsum sorgte. Klassiker wie „Whiskey in the jar“ oder „What shall we do with a drunken sailor“ wurden hier lautstark abgerockt, aber auch die Eigenkomposition „Home“, die eine Kneipentour in Schwäbisch Gmünd musikalisch nachvollzog.

„Jeff“ hat Bassist Gregor Kaißer ersetzt und mit Bravour seinen Einstand in der Band bestanden. Hier waren sehr viele Leute begeistert vor der Bühne, um zu tanzen und mitzuklatschen, die originelle Folk-Runde ging erst gegen halb eins nach drei Zugaben zu Ende, darunter „Those were the days“. Das war der Tag des sechsten Donau-Open-Air, das sich damit für eine glückliche siebte Auflage empfohlen hat.

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