Fulminanter Start mit Harfenkonzert

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Die Gäste, darunter Bürgermeister Michael Lohner, lauschten den Harfenklängen.
Die Gäste, darunter Bürgermeister Michael Lohner, lauschten den Harfenklängen. (Foto: SZ- Hog)
Friedrich Hog

Der Raum der im Juni 2018 restaurierten Martinskapelle ist am Dienstag optimal ausgefüllt gewesen. Das galt für die wunderbaren, unverstärkten Harfenklänge von Tatjana von Sybel und Angelika Häger ebenso wie für das Publikum, das für ein voll besetztes Haus sorgte. Die musikalische Bandbreite reichte von Bach und Vivaldi über keltische und irische Klänge bis zu südamerikanischen Rhythmen und erreichte im Handumdrehen das Herz des Publikums.

Bürgermeister Michael Lohner sprach nach dem ersten Walzer von Josef Molnar von einem vielversprechenden Auftakt. Auch im Namen des Fördervereins Martinskapelle und dessen Vorsitzenden Heribert Engst begrüßte er über 50 Gäste, die Harfenlehrerin der Jugendmusikschule Ehingen, Tatjana von Sybel, und deren Schülerin Angelika Häger.

Auftakt einer Veranstaltungsreihe

Das Harfenkonzert des virtuosen Duos war der Auftakt einer Reihe von Veranstaltungen in der aus dem achten Jahrhundert stammenden Martinskapelle. „Hier soll Kultur stattfinden“, formulierte es der Schultes, der von Konzerten, Gesang und bildender Kunst sprach. „Die Menschen sollen hierher finden in dieses Kleinod mitten in der Stadt“, so Lohner, der anlässlich der Eröffnung der Martinskapelle vor knapp einem Jahr die zwölfjährige Angelika Häger bereits zu einem Auftritt ins Rathaus geholt hatte.

„Die Eine ist schon richtig weit gekommen, die Andere erst recht“, so stellte Michael Lohner die Künstlerinnen vor. Für Angelika Häger war es das erste Konzert, das sie voll durchgespielt hat. Gleich das zweite Stück war ein Solo von ihr, „Präludium Nr. 1“ von Johann Sebastian Bach (1685-1750). Von großem Zauber war das Stück, das von ursprünglich 24 auf 35 Takte modifiziert wurde. Vom berühmten Zeitgenossen Bachs, Antonio Vivaldi aus Venedig (1678-1741), stammte das im Duett gespielte „Andante“. Dem Titel würdig, erklang das Stück langsam und ruhig und die erste Aufregung hatte sich längst in Wohlgefallen aufgelöst und in Spielfreude verwandelt. Mit Joseph Haydn (1732-1809) und seiner „Serenade“, also seinem Abendständchen, wechselten die Künstlerinnen vom Barock zur Wiener Klassik.

Tatjana von Sybel ließ hierauf solo das Lied der Nacht „Chanson dans la nuit“ von Carlos Salzedo (1885-1961) erklingen, jenem französischen Harfenisten und Komponisten, der ihr die Möglichkeit gab, viele unterschiedliche Spielvarianten der Harfe zu Gehör zu bringen. Im Duo wechselten die Harfenistinnen mit „Andro“ und „Planxty Brown“ zur keltischen Musik. Das südamerikanische Paraguay war für Angelika Häger die nächste Station auf ihrer musikalischen Reise durch die Welt und die Zeit. Solo brillierte sie in „Alfredo Ortiz‘ „Joropo 1“.

Irland rückt in Mittelpunkt

Auf der Flagge Irlands ist die Harfe zu sehen, das von Joyce Weaver bearbeitete Traditional „Irish Love Song“ rückte die grüne Insel von nun an musikalisch in den Mittelpunkt. Der alte keltische Folkloretanz „Princess Royal“, und die Klassiker „Danny Boy“ über Abschied und Wiederkehr und „Greensleaves“, komponiert für ein Mädchen im grünen Kleid, brachten die Schönheit irischer Folk Music zur Geltung, unterbrochen nur von Henry Mancinis „Pink Panther“, den Angelika Häger solo einflocht. Die jeweils 50 Kilogramm schweren Harfen mit je 47 Saiten und sieben Pedalen, die Saiten repräsentieren die weißen Flügeltasten, die Pedale die schwarzen, wurden von Tatjana von Sybel und Angelika Häger überzeugend in Szene gesetzt. Die Zugabe „Donauwalzer“ von Johann Strauß (Sohn, 1825-1899) musste zweimal gespielt werden, ehe das begeisterte Publikum und Bürgermeister Lohner die Künstlerinnen in Ehren entließen. „Das war ein fulminanter Start für das neue Kulturzentrum“, so Bürgermeister Lohner, der Wert auf die Meldung legte, dass es aufgrund der Baustelle in der Innenstadt heuer keinen Maibaum am Marktplatz gebe.

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