Fernsehteam setzt besondere Munderkinger Geschichte in Szene

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Sonja Schrecklein, Bruno Schmid und Thomas Pitour.
Sonja Schrecklein, Bruno Schmid und Thomas Pitour. (Foto: SZ- hog)
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Am Montag um 6 Uhr war für ungefähr 30 Wallfahrer vor der Stadtpfarrkirche in Munderkingen Abmarsch in Richtung Frauenbergkirche. Gemeinsam mit Pfarrer Thomas Pitour gestaltete die Gruppe im Vorfeld von Christi Himmelfahrt einen Bittgang. Betend kamen die Teilnehmer kurz nach halb sieben an ihrem Ziel an, wo sie von Mobil-Reporterin Sonja Schrecklein und ihrem Team empfangen wurden. Nach einem Gottesdienst holte sich „Frau Sonja“, wie sie oft liebevoll genannt wird, wertvolle Informationen von den Gläubigen, von Pfarrer Thomas Pitour und von Diakon Bruno Schmid.

Wenn Engel reisen – egal, ob das auf die Bittgänger oder die charmante SWR-Reporterin abgestellt ist, es war jedenfalls ideales Wetter für einen Fußmarsch zur Frauenbergkirche. Die Teilnehmer des Bittgangs baten um Gottes Segen für die Schöpfung, für ihre Arbeit in ihr und das Zusammenleben in Gemeinde und Kirchengemeinde. So kamen sie gut gelaunt und mit einem gemeinsamen Gebet auf den Lippen an der Frauenbergkirche an. Nach der Messfeier brachte Sonja Schrecklein etliches in Erfahrung.

Ausstieg aus dem Alltag

Zunächst wollte sie von den Gottesdienstbesuchern wissen, was ihnen diese Kirche und dieser Ort bedeuten, und ob es Überwindung kostet, zu dieser frühen Uhrzeit zu starten. Nachdem dieser Bittgang nur einmal im Jahr stattfindet, und in der Zeit des Umbaus der Frauenbergkirche sogar ausgefallen war, empfanden die Teilnehmer keine Last. Die Zeit des Umbaus sei eher eine Zeit der Enthaltsamkeit gewesen, so eine Bittgängerin. Die Lage der Kirche sei grandios, sie sei weit weg vom Schuss, und eigne sich daher zum Ausstieg aus dem Alltag.

Die Ankunft der Bittgänger, begleitet vom Fernsehteam.
Die Ankunft der Bittgänger, begleitet vom Fernsehteam. (Foto: SZ- hog)

Eine der Teilnehmerinnen wurde hier kirchlich getraut. „Zu Munderkingen gehört die Frauenbergkirche“ war eine Aussage, und sie wurde als Stätte gepriesen, an der man zu Gott, zu Maria und zu sich selbst eine intensive Beziehung aufbauen und pflegen kann. „Der Blick übers Städtle ist schön“ war auch zu hören, die Untermarchtaler Ordensschwester und Gemeindereferentin Sr. Maria Regina freute sich, dass die Kirche seit der Renovierung wieder schön hell sei. Zur Maiandacht am 1. Mai seien sehr viele Leute gekommen, nachdem diese das Gotteshaus vermisst hätten.

„Am Anfang stand vor zweieinhalb Jahren die Bekämpfung des Holzwurms durch Begasung“, berichtete Pfarrer Thomas Pitour, nachdem er den Sanierungsmarathon an der Frauenbergkirche inzwischen hinter sich hat. „Es war zunächst nicht sicher, dass wir die Kirche so weitgehend sanieren können“, sagte Pitour. „Zu Beginn der Arbeiten war die Kirche eine Woche mit schwarz-rot-gelber Folie eingehaust. Die Dachsanierung war wegen der Standsicherheit notwendig geworden, etliche Holzbalken mussten ersetzt werden. Das hat die Diözese Rottenburg-Stuttgart bezuschusst.“

Die Innensanierung und das Herrichten der Mesnerwohnung durch die Firma Kopp folgten. „Wir konnten die Kirche neu streichen und die Kunstwerke einer Grundreinigung unterziehen, insbesondere den Kerzenruß fachmännisch beseitigen. Verändert wurde nichts. Dieser Schritt wurde erst durch Spenden möglich“, so der Pfarrer. „Alleine beim Sponsorenlauf im September letzten Jahres haben wir 20 000 Euro erhalten. Da hat nicht nur die Kolpingsfamilie beigetragen, sondern auch andere Vereine. Und viele Munderkinger Bürger, die zum Teil gar nicht katholisch sind, haben gespendet, um dieses Wahrzeichen zu erhalten.“ Besonders gefalle ihm und den Leuten, dass man bei klarer Sicht bis in die Alpen sehen könne, ergänzte der Pfarrer, der auch zu berichten wusste, dass die Kirche eine lange Tradition als Rückzugsort hat.

Geschichte mit realem Hintergrund

Diakon und Bürgermeister a.D. Bruno Schmid hatte zahlreiche Geschichten um die Kirche auf Lager. Anhand eines Gemäldes an der Rückwand machte er die Vorgängerkapelle der Kamera zugänglich, die aufgrund eines Brandes in der Mesnerwohnung so sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde, dass sie unbrauchbar geworden war. 1722 wurde, so Schmid, an gleicher Stelle die heutige Kirche eingeweiht. Das Bild erzählt auch die Geschichte von „Ronda von Munderkingen“. Insoweit geht Schmid davon aus, dass sie wohl nicht frei erfunden ist, sondern irgendeinen realen Hintergrund haben müsse. Der Legende nach habe die Frau 1498 aus dem Brunnen, der die Mesnerwohnung versorgt, getrunken. Ihr sei ein großer Bauch gewachsen, weshalb sie Maria angebetet habe, um gesund zu werden. Sodann habe sie 62 Schlangen geboren.

Schmid glaubt nicht an die Legende, die Frau habe Schlangenlaich geschluckt. Eher vermutet er, das Wasser sei verunreinigt gewesen, weshalb die Frau eventuell an Wurmbefall gelitten haben könnte. Beim Säubern des Brunnens sei an dessen Grund jedoch tatsächlich eine sechs Meter lange Schlange gefunden worden, so die Legende. 1731 wurde der Brunnen mit einer Haube verschlossen. Das kleine Gebäude mit barockem Dach wurde in den 1950er-Jahren renoviert und mit einem Zierbrunnen versehen. Die Holzfassade beinhaltet eine geschnitzte Schlange.

Weiter berichtete Bruno Schmid davon, dass er als Diakon schon goldene und diamantene Hochzeiten auf dem Frauenberg gefeiert habe. Wenn Sonja Schrecklein bis einschließlich Mittwoch weitere spannende Orte wie die Frauenbergkirche und weitere kompetente Gesprächspartner wie hier findet, kommt ein ganz großartiger Film über Munderkingen zustande. Vierminütige Ausschnitte werden im SWR-Fernsehen vom 1. bis 5. Juli in der Landesschau gezeigt, jeweils kurz vor 19.30 Uhr. Die komplette Sendung „Landesschau Mobil“ läuft am Samstag, den 6. Juli von 18.15 bis 18.45 Uhr.

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