Einwanderung in Munderkingen ist Thema bei der VHS

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Raffael Penna (l.) und Heinz Grube (r.) sprachen mit VHS-Leiter Erich Pöschl über Einwanderung.
Raffael Penna (l.) und Heinz Grube (r.) sprachen mit VHS-Leiter Erich Pöschl über Einwanderung. (Foto: Sz- khb)
Schwäbische Zeitung
Karl-Heinz Burghart

„Einwanderungsstadt Munderkingen“ ist der Titel einer Veranstaltung der Munderkinger Volkshochschule am späten Sonntagnachmittag gewesen. Mehr als 70 Zuhörer kamen, um von Heinz Grube und Raffaele Penna zu erfahren, wie sie vor vielen Jahren nach Munderkingen kamen.

Erich Pöschl, gemeinsam mit Simone Bertsche Leiter der Volkshochschule, betonte einleitend, dass die Geschichte der Bundesrepublik „eine Geschichte der Einwanderung“ sei und spannte den Bogen von Heimatvertriebenden über die Gastarbeiter und „Binnen-Migranten“ bis zu den „heutigen Flüchtlingen“. Durch Zuwanderung sei die Einwohnerzahl Munderkingens von rund 1900 Personen im Jahr 1939 auf rund 4500 Einwohner im Jahr 1970 angewachsen.

Heinz Grube stammt aus Heiligenbeil in Ostpreußen, war Soldat im Zweiten Weltkrieg, kam in russische Kriegsgefangenschaft und erfuhr nach seiner Entlassung, dass er nicht in die Heimat zurück kann. Mit seinen Eltern gelangte er schließlich über Berlin, Halle und Halberstadt nach Unterwachingen. Später baute die Familie ein Haus in Munderkingen. „Mit der schwäbischen Sprache hat es zwar gehapert, aber wir konnten uns verständigen“, erzählte Grube am Sonntag und betonte: „Aber wir waren evangelisch“. Mit den Jahrzehnten habe er aber auch Kontakt zu Katholiken bekommen, so Grube. „Das war früher nicht so einfach“.

Raffaele Penna ist katholisch und kam als elfjähriger Sohn einer Gastarbeiter-Familie nach Munderkingen. „Einmal im Monat kam Don Guiseppe aus Ulm nach Munderkingen, um hier italienischen Gottesdienst zu halten“, erinnert er sich und ergänzt: „Wir haben hier am Anfang kein einziges Wort verstanden“. Mit drei anderen Männern sei sein Vater aus der Nähe von Salerno nach Munderkingen gekommen, weil die Firma Neuweg Arbeitskräfte suchte. „Die anderen drei sind schnell wieder zurück nach Italien und auch mein Vater wollte nur zwei oder drei Jahre bleiben“, so Penna. Trotzdem holte er die Familie nach, fand eine Wohnung in der Munderkinger Vorstadt und Pennas Mutter bekam Arbeit in Rottenacker.

Einig waren sich Heinz Grube und Raffaele Penna, dass Vereine zu ihrer Integration beigetragen haben. Grube trat zunächst in die Unterwachinger Feuerwehr ein und war später Musiker der Stadtkapelle. „Die Musik hat mich in Kontakt mit den Munderkingern gebracht“, sagte er am Sonntag. „Fußball, Turnverein und die Narrenzunft“, nennt Penna. „Ich war 1974 der erste nicht schwäbische Brunnenspringer“, erzählte er. In Munderkingens Fasnetsgeschichte ging sein „Hoch auf meine Gastarbeiter“ ein. „Die Fasnet hat uns zu Munderkingern gemacht“, ergänzte Pennas Sohn Vincenzo, der selber, wie sein Bruder, ebenfalls Brunnenspringer war.

„Spätzle haben mir von vornherein geschmeckt, nur mit dem schwäbischen Kartoffelsalat hatte ich Probleme“, antwortete Heinz Grube auf die Frage nach veränderten Essgewohnheiten. Bei Familie Penna seien Spaghetti und Spätzle mit Linsen auf den Tisch gekommen, erzählte Raffaele Penna, „aber wenn wir in Italien waren, haben wir jede Menge Lebensmittel im Koffer mitgebracht“. „Ich bin längst Munderkinger geworden“, sagte Heinz Grube. „Ich auch, aber im Herzen bin ich immer noch Italiener“, ergänzte Raffaele Penna.

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