Den Stadt-Geschichten auf der Spur: SWR dreht weiter in Munderkingen

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Mit vielen Munderkingern kam Sonja Schrecklein (Mitte) ins Gespräch.
Mit vielen Munderkingern kam Sonja Schrecklein (Mitte) ins Gespräch. (Foto: Hog)
Friedrich Hog

Am Montag wird der Dreh um 6.15 Uhr an der Frauenbergkirche fortgesetzt. Am 6. Juli von 19.15 bis 19.45 Uhr wird die Sendung im SWR Fernsehen ausgestrahlt, vom 1. bis 5. Juli kommen bereits vierminütige Filme von 18.45 bis 19.30 Uhr in der Landesschau.

Der SWR hat am Freitag seine Dreharbeiten in Munderkingen fortgesetzt. Mobil-Reporterin Sonja Schrecklein kam mit Menschen auf dem Wochen- und dem Krämermarkt ins Gespräch. Im Café Melber half sie beim Servieren der Mittagessen. Am Nachmittag war sie mit Bürgermeister Michael Lohner in der Martinskapelle verabredet.

Die Sonne trug zum Gelingen des dritten Drehtags des SWR bei, der in Munderkingen von Mittwoch bis Dienstag eine Folge von „Landesschau Mobil“ produziert. Nachdem der erste Drehtag den Müllsheriffs der Stadt gehörte, war das Team am Donnerstag an den warmen Quellen bei Algershofen. Dort trafen sie auf amerikanische Rotwangenschildkröten, die sich dort wohlfühlen, aber nicht einheimisch sind.

Einheimisch ging es hingegen auf den Munderkinger Freitagsmärkten zu. Die Fragen an die Frau vom Schneckenstand waren rasch erledigt, nachdem diese kein Interview geben wollte. Da sie Sonja Schrecklein aber auf Schwäbisch ihre Absage erteilte, war rasch die Welt wieder in Ordnung.

Was gefällt Euch in Munderkingen

wollte Sonja Schrecklein wissen

Bei den Marktbesuchern war zunächst auch keine große Auskunftsfreude zu erkennen, doch bald schon ist der Knoten geplatzt, und die Reporterin bekam Antworten auf ihre Fragen. „Was gefällt Euch in Munderkingen“, wollte Sonja Schrecklein wissen, und die Palette der Antworten reichte von der Nähe zur Donau, der Donauschleife und dem Inselbad über die Frauenbergkirche und das schöne Rathaus bis zum Wochenmarkt.

Dort lieben die Besucher die frischen Lebensmittel aus der Region, und die Möglichkeit, mit anderen Marktbesuchern ein Schwätzle zu halten. Glücklich zeigten sich viele, da sie den Markt zu Fuß erreichen können. Die Geschichte der einst vorderösterreichischen Donaustadt war für eine Marktbesucherin erwähnenswert, die Marktfrau vom Fischhandel Zeller freute sich über die stetige Laufkundschaft, die die Frische ihrer Waren schätze.

Die Geschichte vom Bratwurstessen

Und dann kam die Geschichte vom Bratwurstessen aufs Tablett, als einer der Besucher sagte: „I gang zum Brotwurschtessa.“ Dieses findet noch heute für einige am Donnerstag statt, früher der Tag des vierwöchig stattfindenden Krämermarkts. Dieser wurde vor zwei Jahren aus Rentabilitätsgründen auf den Freitag verlegt.

Unterwegs mit Bürgermeister Michael Lohner.
Unterwegs mit Bürgermeister Michael Lohner. (Foto: Hog)

Da sich einige Leute von der Stadt den Bratwursttag nicht vorschreiben lassen, kommen sie am Vorabend des Krämermarkts in die Gasthäuser zum Bratwurstessen. Am Freitag waren ebenfalls Bratwürste und Kartoffelsalat auf den Tellern, speziell ab 12 Uhr. Im Café Melber angekommen, verschaffte sich Sonja Schrecklein einen Einblick in die Küche. Heraus kam sie mit zwei Bratwursttellern, die sie den im Freien sitzenden Gästen servierte. Niemand hatte zu hoffen gewagt, von einer so bekannten Fernsehredakteurin bedient zu werden.

Belohnt wurde die erfahrene TV-Frau mit weiteren Antworten auf ihre Fragen. Hier beklagten sich die Gäste über die vielen Geschäfte, die im Laufe der vergangenen Jahrzehnte verschwunden sind. Ein Gast war über den Wegfall des Kopfsteinpflasters in der Baustelle entsetzt, das durch spanischen Granit ersetzt werde solle. Auch das Sterben der Gasthäuser wurde beklagt. Selbst der Erhalt des alten Krankenhauses sei einer Bürgerinitiative zu verdanken, denn der Gemeinderat habe zuvor einstimmig den Abriss beschlossen. Ein Jahrgängertisch bereitete sich schon auf die dreitägige Feier vor, die das 70er-Treffen von Freitag bis Sonntag mit einem Grillabend und einer Fahrt ins Blaue verbindet. Dort war zu erfahren, dass man früher in der Metzgerei beim Kauf mehrerer Paare Bratwurst ein Paar obendrein bekommen habe.

Wie die Landesschau gemacht wird

In der Mittagspause erläuterte Sonja Schrecklein, wie die Landesschau Mobil zustande kommt. Der Macher ist Michael Kost, der alle Regionen von Hohenlohe bis ins Allgäu, von der Kurpfalz bis Lörrach, und alle Sprachlandschaften berücksichtigt. Die Munderkinger Sendung sei von Wolfgang Nentwig vorbereitet worden, dessen erste Mobil-Sendung überhaupt. Im Vorfeld werde erkundet, wer und was in der Stadt angesagt ist. Dann bekomme sie die Stadt per Dienstplan zugewiesen. Die Sendung habe sich in ihren über 28 Jahren gewandelt, seit 2006 gäbe es die Städteportraits. Diese drehten sich um die Geschichten ihrer Menschen. „Wir sollen erleben im Sinne des Zuschauers. In den Städten gibt es viele Geschichten. Ich höre genau hin, und greife diese auf“, so Schrecklein, die mit ihrem Esslinger Dialekt und ihrem Charme raschen Zugang zu ihren Interviewpartnern findet.

„Wie viel Lust und Last macht eine schöne Altstadt“, lautete die Frage an Bürgermeister Michael Lohner, mit dem Sonja Schrecklein in der Martinskapelle verabredet war. Dieser war gerade beim Ausmessen der Kapelle, für die Bestuhlung bei der Kunstausstellung am 14. Juni. Lohner berichtete vom Förderverein Martinskapelle, der 15 Jahre lang Spenden gesammelt hat. Die Leader-Förderung habe schließlich die Renovierung ermöglicht. Auf den Grundmauern einer romanischen Kirche der Ureinwohner aus dem achten Jahrhundert steht nun eine gotische Kapelle aus dem Mittelalter, gotische Fresken wurden sichtbar gemacht.

Als er die Kapelle erstmals sah, sei sie als Scheuer genutzt worden, so der Schultes. Am Beispiel des nahegelegenen Löwen erläuterte er, dass verlassene Häuser in Privatbesitz seien, aber sie gehörten auch zum Stadtbild, weshalb er bei der Suche nach Investoren behilflich sei. „Das ist das Salz in der Suppe. Es geht über persönliche Bindungen. Man braucht einen langen Atem“, so der Schultes auf die drängenden Fragen der Reporterin, weshalb es viele Häuser in der Altstadt gäbe, die verfallen aussähen. „Das Herz von Munderkingen ist die Altstadt, hierum kümmern wir uns zuerst. Ich will, dass sich die Menschen hier mischen“, so Bürgermeister Lohner.

Am Montag wird der Dreh um 6.15 Uhr an der Frauenbergkirche fortgesetzt. Am 6. Juli von 19.15 bis 19.45 Uhr wird die Sendung im SWR Fernsehen ausgestrahlt, vom 1. bis 5. Juli kommen bereits vierminütige Filme von 18.45 bis 19.30 Uhr in der Landesschau.

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