Auf diese bewegende Geschichte blickt der Albverein Munderkingen

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 Die Ortsgruppe bei einem Ausflug in den Archeopark im Lonetal.
Die Ortsgruppe bei einem Ausflug in den Archeopark im Lonetal. (Foto: Albverein)
Friedrich Hog

Der Arzt Valentin Salzmann gründet 1888 den Schwäbischen Albverein. Nur sechs Jahre später gründen acht Munderkinger die Ortsgruppe in ihrer Heimat. Seit dem Tag hat der Verein in Munderkingen Höhen und Tiefen durchlebt. Mit aktuell 195 Mitgliedern feiern sie in diesem Jahr ihren 125. Geburtstag und blicken auf ihre Geschichte zurück.

„Ich bin kurz nach meiner Pensionierung dem Albverein beigetreten. Für mich ist das Wandern ein Element der Gesunderhaltung im Alter“, sagt Ludwig Walter von der Ortsgruppe. Er hat für das Jubiläum ausführlich im städtischen Archiv zur Vereinsgründung recherchiert und hält regelmäßig Vorträge für seinen Verein.

Acht Gründungsmitglieder

Mit der Erstellung einer Satzung gründeten acht Munderkinger 1894 die heute noch bestehende Ortsgruppe als Verein: Vertrauensmann Edel, Verwaltungsaktuar Fischer, Posthalter Mayer, Buchhändler Mussotter, Brauer und Gastwirt Peter, Stadtschultheiß Rapp, Kupferschmied Scheible und Aufsichtslehrer Speck. Ludwig Walter schließt aus der Mitgliederliste, dass der Verein von Anfang an im städtischen Leben von Bedeutung war, denn die Gründungsmitglieder gehörten alle acht zu den Honoratioren der Stadt.

In den Anfangszeiten des Vereins, also noch zu Zeiten von Kaiser Wilhelm II. in Berlin und König Wilhelm II. in Stuttgart, wuchs der Verein bis 1904 auf 16 Mitglieder an. Dem Ersten Weltkrieg und der nachfolgenden Arbeitslosigkeit und Inflation war es geschuldet, dass der Verein kaum aktiv war. „Das mangelnde Engagement der Mitglieder ist einem Pressebericht aus dem Jahr 1923 zu entnehmen“, verrät Walter.

Mehr Mitglieder ab 1924

Ab 1924 jedoch ging es mit der Ortsgruppe Munderkingen wieder aufwärts, das Programm hatte immer mehr zu bieten. Die Maiwanderung führte 1924 durchs große Lautertal nach Rechtenstein. Im September stand ein Tagesausflug ins obere Donautal auf dem Plan. „Stadtpfarrer Schmid hielt außerdem einen Vortrag über unser liebenswertes Städtchen“, so Walter. Bei einem Unterhaltungsabend wurden Lichtbilder gezeigt, eine Besonderheit zur damaligen Zeit, zumal der Abend umrahmt war mit Orchester- und Gesangsbeiträgen.

1929 übernahm der Kaufmann Xaver Braun die Vereinsleitung, ihm folgte 1931 Oberbahnhofvorsteher Vincenz Traub. Der Verein zählte zu dieser Zeit 33 Mitglieder, Ludwig Walter entnimmt der Vereinschronik die Anmerkung: „Der Vertrauensmann bemängelt, dass die geplanten Wanderungen nicht durchgeführt werden konnten, wegen der geringen Beteiligung“. Er habe anhand weiterer Notizen in der Vereinschronik festgestellt, dass der Vorsitzende schon damals eine Wandermüdigkeit in der hiesigen Ortsgruppe festgestellt hat. Als Grund wurde bereits damals der Mangel an Nachwuchs festgehalten, und dass die älteren Mitglieder größere Wanderungen nicht mehr unternehmen konnten. „Auch diese Klage klingt heute wieder sehr vertraut, ein auf und ab bei den Mitgliederzahlen und Teilnehmern an den Wanderungen hat es auch früher schon gegeben“, erzählt Walter. „Das Positive ist, dass es den Albverein auch heute noch gibt und vermutlich auch noch in der Zukunft, da das Ziel, die Liebe zur Natur und die Freude am Wandern zu fördern, in Zeiten des Klimawandels wieder höchst aktuell ist“.

Nazis schalteten Vereine gleich

1934 übernahm Studienrat Franz Sauter die Leitung der Ortsgruppe Munderkingen und führte den Verein bis 1947. Neben dem fehlenden Nachwuchs kam für die Ortsgruppe ein weiteres großes Problem hinzu: Der Nationalsozialimus. Der gefährdete nämlich die Eigenständigkeit aufgrund seiner Gleichschaltung von Vereinen. Während des Zweiten Weltkriegs gab es nur noch wenige Wanderungen. Aber zwei Jahre nach Kriegsende nahm unter der Leitung von Weinhändler Erhard Miehle das Interesse am Albverein deutlich zu, die Mitgliederzahl stieg auf 133 an. 1950 übernahm Franz Sauter mit viel Engagement wieder das Amt des Vertrauensmanns. 1968 wurde er von seinem Stellvertreter Eugen Kreutle abgelöst. Sein Vertreter wurde Vereinsrechner Wolfgang Ertle. Der wirtschaftlichen Entwicklung war es zu verdanken, dass nun auch mehrtägige Fahrten in entferntere Wandergebiete unternommen wurden.

Zu einem weiteren Höhepunkt des Vereins entwickelte sich ab 1977 die Wanderwoche, hinzu kam ab 1984 die Wanderfahrt ins Blaue, zu der sich die Mitglieder ohne Zielankündigung treffen. Der Wanderführer gibt erst unterwegs das Ziel bekannt, 2019 war das der Archeopark im Lonetal. Adolf Fröhner, Schriftführer, Wegwart und stellvertretender Vorsitzender, berichtet, dass der Ortsgruppe 50 Kilometer Albvereinswege zur Pflege und Beschilderung obliegen. Besonders schön findet er Streifzüge durchs Wolfstal, wenn die Märzenbecher blühen.

Am 17. September 1994 wurde der Verein 100 Jahre alt. Das Jubiläum, so ist es dem damaligen Donauboten zu entnehmen, wurde in der vollbesetzten Donauhalle unter Mitwirkung der Stadtkapelle gefeiert. 2000 folgte Wolfgang Ertle auf Eugen Kreutle als Vorsitzender. Fritz Pilger wurde Beisitzer, der 2016 bei 219 Mitgliedern die Nachfolge von Wolfgang Ertle antrat. Sie alle haben auch nach 125 Jahren die Möglichkeit, Wanderungen zu unternehmen, die man alleine wohl nicht angehen würde, egal ob mit Rucksackvesper, Einkehrmöglichkeit oder bei mehrtägiger Ausfahrt. Jeden Monat findet zumindest eine Wanderung statt, die Wanderführer werden meist in der Hauptversammlung für ein Jahr im Voraus festgelegt.

Trotz eines Altersdurchschnitts von über 60 Jahren blickt die Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins positiv in die Zukunft, und hofft auf viele neue Wanderfreunde.

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