Wurde zu viel gedüngt? Landwirte fühlen sich angegriffen und wehren sich

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 Bei der Informationsveranstaltung ging es auch um das Ausbringen von Gülle.
Bei der Informationsveranstaltung ging es auch um das Ausbringen von Gülle. (Foto: Pleul)

Es sind viele Zahlen, Daten, Termine und Richtlinien für einen Abend. Die Informationen sorgten für reichlich Diskussion. Gut 200 Landwirte sind am Donnerstagabend in der Gemeindehalle in Merklingen zusammengekommen und somit der Einladung des Landratsamtes Alb-Donau-Kreis und des landwirtschaftlichen Ortsvereins Merklingen gefolgt. Das Thema: Das Wasserschutzgebiet Zweckverband Wasserversorgung Ulmer Alb/Lautern mit der Nummer 425-101 wurde zum 1. Januar dieses Jahres vom bisherigen Normalgebiet zum Problemgebiet hochgestuft. Die Gründe dafür sowie entsprechende Auswirkungen auf und für die Landwirtschaft sollten erläutert werden.

Betroffen sind Landwirte aus den Gemeinden und Teilorten Asch, Berghülen, Bermaringen, Herrlingen-Wiedach, Machtolsheim, Merklingen, Nellingen, Oppingen, Scharenstetten, Temmenhausen, Tomerdingen und Wippingen. Dementsprechend wurde es in der Merklinger Gemeindehalle auch voll – und die Diskussion hitzig.

Wasser aus dem Tiefbrunnen

Diplomingenieur Helmut Reichelt als Fachdienstleiter Umwelt beim Landratsamt sowie der Wasserschutzberater Wolfram Moll gingen auf Hintergründe ein. Primär ging es um die Vorgaben der Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung (SchALVO) sowie jene der Düngemittelverordnung. 70 Prozent der Flächen im Alb-Donau-Kreis sind Wasserschutzgebiete. Aus dem Tiefbrunnen Lautern werden 68 Prozent des Wassers entnommen. Bei der Beprobung wurde festgestellt: Die Nitrat-Belastung ist zu hoch. Bisher lag diese bei unter 25 Milligramm pro Liter Rohwasser im Mittel von zwei Jahren.

 Helmut Reichelt.
Helmut Reichelt. (Foto: Scholz)

Somit galt die Norm eines Normalgebiets. Die Belastung sei gestiegen – auf bis zu 40 Milligramm Nitratkonzentration pro Liter. Somit erfolgt die Hochstufung zum Problemgebiet. „Je höher die Konzentration, desto kritischer“, verdeutlichte Reichelt. Er zeigte ein Diagramm, auf welchem seit dem Jahr 2015 ein starker Anstieg zu sehen ist. Eine erste Konsequenz: Während jährlich sonst zwei Proben gezogen wurden, wird die Anzahl nun auf vier erhöht.

Einschränkungen für die Landwirtschaft

Außerdem gibt es Einschränkungen für die Landwirtschaft. Die Nitrateinträge müssen minimiert werden, um eine schnellstmögliche Sanierung des nitratbelasteten Grundwasservorkommens durch Bewirtschaftungsmaßnahmen zu erreichen. Zudem greifen besondere Bestimmungen in der SchALVO. Bei der Düngung sind das beispielsweise zusätzliche Sperrfristen und besondere Vorgaben zur Stickstoffdüngung. Hinzu kommt eine Begrünungspflicht mit dem Ziel eines ganzjährigen Pflanzenbewuchs. Konsequenzen gibt es auch mit Blick auf die Bodenbearbeitung, der Bewässerung und eben der Kontrolle auf Nitratreste im Boden.

Die SchALVO gibt es nun seit 30 Jahren. Eine Novellierung fand im Jahr 2001 statt. Die Verordnung des Ministeriums für Umwelt und Verkehr dreht sich um eben mögliche Schutzbestimmungen und auch um Ausgleichsleistungen in Wasser- und Quellschutzgebieten. Ziel ist der Schutz des Grundwassers vor Stoffeinträgen aus der Landbewirtschaftung. Außerdem sollen vorhandene Belastungen beseitigt und nitratbelastete Grundwasservorkommen schnellstmöglich saniert werden. Deswegen werde die ordnungsgemäße Landbewirtschaftung zum Schutz des Grundwassers eingeschränkt.

Verordnung in der Kritik

Diese Einschränkungen zeigte wiederum Wolfram Moll auf. Die SchALVO benötige Veränderungen und auch die Düngeverordnung stehe in der Kritik. Das Wasserschutzgebiet Lautern war ab 2005 Normalgebiet. Damals fand eine Rückstufung statt. 2004 war dieses noch Problemgebiet. Eine Rückstufung erfolgt dann, wenn in mindestens drei aufeinander folgenden Jahren die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind.

Moll zeigte auch auf: Während im Jahr 2017 insgesamt 2000 Bodenproben genommen wurden, wurde diese Anzahl deutlich zurückgefahren. 2018 waren es 1060 und zwar auf insgesamt 2866 Hektar beprobter Fläche. Moll ging in seinem Vortrag auf die Einteilung von Böden ein, er erklärte, dass Flurbereinigungen schlecht für Schätzungen sind und wo künftig weitere detaillierte Einschränkungen für die Landwirte liegen. Vor allem ging es dabei um das Ausbringen von Gülle, die Düngung sowie die Bodenbearbeitung und entsprechende zeitliche Fristen, die gesetzt sind. Nicht immer sinnig, gab Moll zu.

 Wolfram Moll.
Wolfram Moll. (Foto: Scholz)

Es gebe die Möglichkeiten auf Befreiung. Die Untere Wasserbehörde könne Ausnahmen erteilen, doch das seien immer Einzelfallentscheidungen. Wichtig dabei: Die Befreiung kann Auflagen enthalten, führe zur Ausgleichskürzung und sei vor allem gebührenpflichtig. Ein Blick auf die Ausgleichsleistungen verheiße außerdem nichts Gutes: Bisher liegt der Pauschalausgleich bei 165 Euro pro Hektar. Momentan wird laut Moll an einer Anpassung gearbeitet. „Diese wird wahrscheinlich dazu führen, dass der Betrag reduziert wird. Zahlen liegen aber noch nicht vor“, sagte er.

Wo gesetzliche Regelungen, da auch Kontrollen: Es gibt Betriebskontrollen, Flächenkontrollen und die entsprechenden Bodenproben im Herbst.

Landwirte fühlen sich angegriffen

Landwirte bekommen immer den „schwarzen Peter“ zugeschoben, meinte ein Teilnehmer und fragte nach, inwieweit beispielsweise undichte Passagen im Ableitkanal für Abwasser zur Kläranlage Steinhäule in Neu-Ulm beeinflussen. Reichert dazu: „Die angestiegene Kurve ist nicht auf Abwasser zurückzuführen, sondern auf die Wetterlage.“ Das sahen einige Landwirte anders – zumal es im vergangenen Jahr wenig Niederschläge gegeben habe. „Ich gebe oben rein und was unten raus kommt, daran ist die Landwirtschaft schuld. Das ist auch nicht richtig“, meinte ein weiterer Teilnehmer an der Informationsveranstaltung in der Merklinger Gemeindehalle.

Das ist schon eine kontroverse Geschichte.

Wolfram Moll, Wasserschutzberater 

Dr. Claus-Ulrich Honold, Fachdienstleiter Landwirtschaft beim Alb-Donau-Kreis, dazu in die Runde: „Wer an den steigenden Werten schuld ist, weiß keiner, aber nur Sie können es richten.“ Raunen ging durch die Gemeindehalle.

Niederschläge, Witterung, Bodenbeschaffenheit, Lage, Anbau oder auch Bakterien: Es gebe doch viele Faktoren, die eine Rolle spielen – nicht nur die Düngung. Moll dazu: „Das ist schon eine kontroverse Geschichte.“ Fest stehe aber: Es muss gehandelt werden und zwar rechtskonform.

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