Sie gibt „ihre Bücherei“ in neue Hände

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Frau sitzt einem Kind gegenüber. Sie lesen ein Buch, das auf dem Tisch zwischen ihnen liegt.
Brigitte Mang-Hagmeyer stempelt den Comic „Asterix in Italien“, den sich Moritz Ober ausgesucht hat. (Foto: Schneider)
Schwäbische Zeitung

Brigitte Mang-Hagmeyer ist seit 40 Jahren die gute Seele der Merklinger Gemeindebibliothek. Die frühere Verwaltungsangestellte ist zwar längst im Ruhestand, kümmert sich aber weiterhin ehrenamtlich um Bücher und Medien. Weil sich die 71-Jährige nun aber ganz zurückziehen möchte, sucht die Gemeinde einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin. Redakteur Christoph Schneider hat mit Mang-Hagmeyer über ihre Zeit als Gemeindebibliothekarin gesprochen.

Frau Hagmeyer, Sie haben die Merklinger Gemeindebücherei aufgebaut. Wie kam es dazu?

1977 habe ich angefangen, als Verwaltungsangestellte für den damaligen Bürgermeister Peter Seyfried zu arbeiten. Anfang 1979 sagte der Bürgermeister: „Ich habe einen Anschlag auf Sie vor. Sie könnten doch die Bücherei wieder aufleben lassen.“ Die Gemeindebücherei war damals ein kleiner Raum im ersten Stock des Rathauses, im dem es nur wenige alte und verstaubte Bücher gab. Es schien also eine größere Aufgabe, daraus eine gute Bücherei zu machen. Aber ich liebe Bücher und arbeite gerne mit Kindern und Erwachsenen. Da habe ich dem Bürgermeister gesagt, dass ich’s versuchen werde.

Hatten Sie denn irgendwelche bibliothekarischen Vorkenntnisse?

Nein. Ich habe eine Verwaltungsausbildung und war, bevor ich zur Gemeinde Merklingen ging, im kaufmännischen Bereich. Das Bibliothekarische habe ich mir im laufenden Betrieb angeeignet. Und ich hatte Hilfe.

Wer hat Ihnen geholfen?

Meine erste große Aufgabe war es, einen Grundstock an Büchern zu beschaffen – für den Neustart der Gemeindebibliothek. Bei der Auswahl dieser Werke, die in keiner Bibliothek fehlen dürfen, hat Astrid Huber sehr geholfen. Sie war Lehrerin an der Grundschule und kannte sich sehr gut aus.

Welche Bücher haben Sie gekauft?

Die ganzen Kinderbuch-Klassiker wie „Räuber Hotzenplotz“ von Otfried Preußler oder Astrid Lindgrens Werke wie „Die Kinder aus der Krachmacherstraße“ oder „Wir Kinder aus Bullerbü“.

Und wie ging’s dann weiter?

Neben dem Grundstock und einigen zu Bücherregalen umfunktionierten alten Aktenschränken hatten wir nichts. Deswegen haben wir uns der Einkaufszentrale (EKZ) für öffentliche Bibliotheken in Reutlingen angeschlossen. Die Mitarbeiter der EKZ haben uns beraten und bei der Ausstattung der Bücherei unterstützt. Aus dem EKZ-Katalog habe ich zum Beispiel die Regale herausgesucht, die heute noch in der Bücherei stehen. Die roten Metallkonstruktionen mit den hellen Buchenbrettern wirken freundlich und sich alle noch intakt.

Sie durften viel entscheiden?

Ich hatte vonseiten der Bürgermeister und des Gemeinderats immer freie Hand in „meiner Bücherei“.

Wenn Sie auf die vergangenen vier Jahrzehnte zurückblicken – was war die größte Herausforderung für Sie?

Die Bücherei ist in den vergangenen 40 Jahren vielfach umgezogen, zunächst innerhalb des Rathauses. Dann waren wir eine Zeit im neuen Kindergarten neben der Grundschule und später in der Gemeindehalle. Es waren viele Übergangslösungen, bis wir hier ins Erdgeschoss des Rathauses einziehen konnten. Es war immer ein Riesenaufwand, die Regale zu leeren, die Bücher in Kisten zu packen und alles am neuen Ort wieder auszupacken und einzuräumen. Zum Glück haben uns die Mitarbeiter des Bauhofs immer unterstützt.

Aber jetzt sind Sie ja schon länger wieder im Rathaus ...

Ja, das sind auch helle, schöne Räume in der Mitte von Merklingen. Ich komme gerne her und die Leute kommen auch gerne her.

Wer zählt denn zu Ihren Kunden?

Ich habe viel Stammkundschaft und es kommen auch viele Neuzugezogene. Das sind ja oft junge Familien. Ich glaube, dass ich fast alle Kinder aus unserem Ort kenne und auch weiß, wo sie hingehören. Das wird mir schon fehlen, wenn ich mich zurückziehe. Aber ich hab’s ja auch lange genug gemacht.

Warum ziehen Sie sich jetzt zurück?

Ich bin 2008 mit 60 als Verwaltungsangestellte in Ruhestand gegangen, weil ich mehr Zeit für unsere Enkel haben wollte. Aber meine Bücherei habe ich trotzdem weitergeführt und dienstags und donnerstags jeweils zwei Stunden geöffnet. Und ich mache es ja nicht alleine. Seit rund 20 Jahren ist Elisabeth Schneider mit im Boot und wir harmonieren gut. Brigitte Burghardt unterstützt uns schon seit mehreren Jahren mit von ihr initiierten Mal- und Bastelaktionen. Es läuft also. Aber ich bin jetzt 71, und es wird Zeit für mich, die Bücherei in neue Hände zu geben.

Was sollte die Person mitbringen, die künftig die Merklinger Gemeindebücherei mit gestaltet?

An erster Stelle natürlich die Freude am Lesen. Die Buchauswahl muss breit gefächert sein, damit möglichst alle etwas finden. Viele von den Büchern, die wir anschaffen, lesen wir durch oder zumindest an. So bleiben wir informiert. Außerdem sollte man Freude daran haben, mit Kindern und Erwachsenen zu arbeiten, die in die Bücherei kommen.

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