Jetzt reicht’s – Anwohner wehren sich gegen immer mehr Verkehr

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 Manfred Ruhland in der Scharenstetter Straße, die einen Teil der Merklinger Ortsdurchfahrt bildet. Im Hintergrund ein Kleinbus.
Manfred Ruhland in der Scharenstetter Straße, die einen Teil der Merklinger Ortsdurchfahrt bildet. Im Hintergrund ein Kleinbus. Normalerweise sei der Verkehr viel höher, so Ruhland. Er gehört einer Bürgerinitiative an, die die Ortsdurchfahrt beruhigen möchte. (Foto: Rauneker)
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Anwohnern der Merklinger Ortsdurchfahrt reicht’s. Sie beklagen immer mehr Verkehr und in der Folge Gestank und Lärm. Sie haben sich zu einer Bürgerinitiative zusammengetan und am Dienstag Bürgermeister Sven Kneipp eine Liste mit 133 Unterschriften übergeben. An Ideen, wie die Straße beruhigt werden kann, mangelt es ihnen nicht. Unklar ist derzeit aber, welche tatsächlich umgesetzt werden können. Das Problem: Für die Straße ist das Land zuständig.

„SchaLaLi“ – die Abkürzung der neuen Merklinger Bürgerinitiative klingt nach einem Schlachtruf von Fußballfans im Stadium. Dahinter verbergen sich aber die Scharenstetter Straße, die Langgasse und die Lindenstraße. Sie bilden die Merklinger Ortsdurchfahrt, deren Anwohner die Nase gestrichen voll zu haben scheinen. Was ihnen genau stinkt, erläuterte am Dienstag während der Ratssitzung Manfred Ruhland. Der Rentner ist selbst betroffen, wohnt in der Scharenstetter Straße, wo er auch aufwuchs.

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„Die Wohnqualität wird immer schlechter“, trug Ruhland den Merklinger Räten und Bürgermeister Sven Kneipp vor. „Unerträglich“ sei in den Straßenzügen der Ortsdurchfahrt (L1234) mittlerweile das Verkehrsaufkommen. Die Folge: „Lärm, Dreck und Gestank“. In einem extra verfassten offenen Brief heißt es weiter, dass es zeitweise auch kaum mehr möglich sei, die Straße sicher zu überqueren. Autos und Laster würden vor allem „für Kinder und ältere Mitbürger“ eine Gefahr darstellen.

Die SZ trifft Manfred Ruhland am Mittwochvormittag vor seinem direkt an die Straße angrenzenden Haus. Wie es der Zufall will, lassen sich kaum Autos blicken. Die meiste Zeit sei allerdings des Gegenteil der Fall. Ruhland erklärt: Man könne fast die Uhr nach der Blechlawine stellen. Schlimm sei es vor allem am Wochenende. Von Freitagnachmittag bis Sonntagabend rollten die Fahrzeuge nahezu durchgehend an seinem Haus vorbei. Darunter seien in erster Linie Auswärtige, die die Autobahn meiden; weil es sich dort wieder einmal staut, oder weil Speditionen keine Maut zahlen wollen.

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Bei Merklingens Bürgermeister scheint die Bürgerinitiative auf offene Ohren zu stoßen. Am Dienstag präsentierte Sven Kneipp Zahlen zur Verkehrssituation in der Ortsdurchfahrt, zeigte Schaubilder. Von 2015 bis 2017 nahm die Zahl der gezählten Fahrzeuge um rund 1000 pro Tag zu, auf 2570 (Mittelwert). Neu ist die Verkehrsbelastung der Merklinger Ost-West-Durchfahrt nicht. Auch eine Verkehrsschau hatte schon stattgefunden.

Kneipp: „Wir sind dran“

Doch jetzt muss was passieren – fordern die Anwohner. Schon im Dezember tauschten sie sich mit dem Bürgermeister aus, besprachen erste Konzepte und Ideen. Das Hauptproblem: Als Landesstraße ist die Gemeinde gar nicht zuständig, ihr sind die Hände gebunden. Deshalb fordert die Bürgerinitiative eine Umwidmung, beziehungsweise die Einleitung eines solchen Verfahrens. Die Durchfahrt soll zur Gemeindestraße werden, im Gegenzug die derzeitige Nord-Ost-Umfahrung zur Landesstraße. Doch das kann dauern. Kneipp versprach am Dienstag: „Wir sind dran.“ Aber bat gleichzeitig um Geduld.

Warten will die Initiative „SchaLaLi“ eigentlich nicht mehr. Sie fordert auch Maßnahmen, die kurzfristig umgesetzt werden können. Smiley-Schilder zum Beispiel, die anzeigen, ob man sich an die Geschwindigkeit hält. Auch eine neue Beschilderung, die den Verkehr auf die Umgehung lenkt, könne man doch schon in Angriff nehmen. Und dann müssten größere Maßnahmen kommen: Fahrbahnverengungen, ein Durchfahrtsverbot für den Schwerlastverkehr, Blitzer. Das ganze Programm. Dazu sei es aber nötig, die Beruhigung der Ortsdurchfahrt in die Projekt- und Prioritätenliste der Gemeinde aufzunehmen. Damit die nötigen Gelder dann auch verfügbar sind.

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Mit den geforderten Tempo-Anzeigen – zumindest einer davon – konnte sich Sven Kneipp schon am Dienstag anfreunden. Alles Weitere soll nun zeitnah gemeinsam erörtert werden, zwischen Gemeinde, Anwohnern, Polizei, Landratsamt und GVV. Rätin Brigitte Burghardt lobte das geplante Vorgehen: „Das ist ein guter Weg, im Dialog.“

Klaus Danzer gab zu bedenken, dass beschlossene Maßnahmen nicht nur Auswärtige treffen, sondern alle, auch Bürger. Dies müsse man immer im Hinterkopf behalten. Betroffen von „Stauungen“ in ihrer Gemeinde dürften alle Merklinger schon demnächst sein. Der Landkreis will die Ortsdurchfahrt 2019/2020 erneuern lassen, so Bürgermeister Sven Kneipp. Ein genaues Datum stehe hier aber noch nicht fest.

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