Fünf Millionen Euro wert - dennoch sind rund 80 Mercedes in Merklingen völlig wertlos

Lesedauer: 5 Min

Das sind die Geländelimousinen GLS 350 Diesel des Autokonzerns Daimler, die in Merklingen einen Zwischenstopp vor ihrer Wiederv
Das sind die Geländelimousinen GLS 350 Diesel des Autokonzerns Daimler, die in Merklingen einen Zwischenstopp vor ihrer Wiederverwertung einlegten. (Foto: Dunz)
Franziska Dunz

Tuscaloosa ist das Zuhause von knapp 100 000 Einwohnern im westlichen Alabama in den USA. Es gibt ein Amphitheater, einen See, die Universität von Alabama – und ein Fertigungswerk von Daimler. Laut der Mercedes Benz-Homepage fertigen hier seit 1995 die 3700 Mitarbeiter SUV-Geländelimousinen für den amerikanischen Markt. Bis 2016 auch Dieselfahrzeuge. Doch damit ist erst mal Schluss: „Wie bereits kommuniziert lassen wir den Zertifizierungsprozess für Diesel-PKW in den USA derzeit ruhen“, so Daimler auf SZ-Anfrage. Einige der damals noch produzierten Fahrzeuge sind jetzt in Merklingen gelandet.

Auf dem Parkplatz der Merklinger Niederlassung der Firma Gross standen vergangene Woche etliche Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz. Alle noch ohne jegliche sichtbare Gebrauchsspuren und mit dem Glanz, den nur Neuwagen haben. Was die Wagen hier sollen, das ist zunächst noch unklar. Die Firma Gross will keinen Kommentar zu den Fahrzeugen geben. Klarheit schafft am Ende der Hersteller selbst.

Laut Daimler und Pressesprecher Johannes Liefert handelt es sich bei den Autos um rund 80 Fahrzeuge des Typs GLS 350 Diesel, die noch vor dem Verkaufsende für den amerikanischen Markt angefertigt wurden. In einer aktuellen Preisliste von Mercedes-Benz kostet ein Fahrzeug der Marke GLS 350 d 4MATIC ohne Mehrwertsteuer 67 005 Euro. Rechnet man mit diesem Marktwert um, kommt man bei 80 Wagen auf einen Wert von mehr als fünf Millionen Euro – eine Menge Geld, und trotzdem ist das Produkt in seinem Zustand wertlos. Denn in den Vereinigten Staaten kann das Auto nicht verkauft werden. Laut Unternehmen sind die Fahrzeuge – trotz gleicher Modelle hierzulande – für den US Markt konzipiert und somit für den deutschen Markt nicht ohne weiteres tauglich.

In Deutschland beliebter

Viele Optionen bleiben dem Unternehmen am Ende nicht. Mercedes-Benz hat sich für einen Schritt entschieden, der zunächst fernab von Logik zu liegen scheint. Die Fahrzeuge werden von Alabama aus zu einem Schiff gefahren, dort verladen und nach Deutschland geschickt, hierzulande erneut verladen und per LKW nach Merklingen befördert. Warum gerade Merklingen? Das liegt vor allem an der freien Parkfläche bei der Firma Gross. Hier verweilen die Wagen solange, bis sie weitergefahren werden können, voraussichtlich nach Stuttgart. Dieser ganze Aufwand wird laut Unternehmen betrieben, um die Fahrzeuge „wiederzuverwenden“, wenn auch nur in Einzelteilen. Dabei gibt es, laut Daimler, eine Wiederverwendungsquote von über 95 Prozent.

Der Marktanteil der Dieselfahrzeuge im Verhältnis zum Gesamtabsatz beträgt in den USA weniger als ein Prozent.“

Warum das gerade in Deutschland Sinn macht, liege vor allem am Markt. „Die Beliebtheit des Dieselmotors variiert von Region zu Region und von Modell zu Modell. In Europa hat der Diesel einen hohen Stellenwert und wird nach derzeitiger Einschätzung auch in Zukunft wichtig sein. In vielen Ländern Europas liegt der Dieselanteil bei über 50 Prozent. In den USA war der Diesel schon immer ein Nischenprodukt“, so Daimler-Pressesprecher Liefert, der ergänzt. „Der Marktanteil der Dieselfahrzeuge im Verhältnis zum Gesamtabsatz beträgt in den USA weniger als ein Prozent.“

Mit dieser Begründung schicken die Verantwortlichen von Daimler also die 80 Fahrzeuge auf eine Reise um die halbe Welt. Es ist ein Versuch, das Beste aus der Situation zu machen, auch wenn es sich bei den Wagen um einen minimalen Bruchteil der Daimler-Produktion handelt.

Diesel Zulassungen in der Region

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen