Durchbruch: Land übernimmt Mehrkosten für Bahnhof Merklingen

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Redaktionsleiter

Erst der Schock, nun die Erleichterung: Die Fraktionsspitzen von Grünen und CDU haben sich am Dienstag darauf geeinigt, dass das Land die für den Bahnhof Merklingen (Schwäbische Alb) anfallenden Mehrkosten übernimmt. Im Gespräch sind bis zu zehn Millionen Euro. Freude darüber herrscht bei Klaus Kaufmann vom Bahnhofverband. Auch Ministerpräsident Kretschmann (Grüne) hatte sich eingeschaltet.

Es mache keinen Sinn, den Bahnhof wegen der steigenden Baupreise nun nicht weiterzubauen und eine „Bauruine“ in der Landschaft der Alb zurückzulassen. Mit dieser unmissverständlichen Weisung hatte am Dienstagvormittag Landesvater Winfried Kretschmann klar gemacht: Der Bahnhof kommt. Punkt. Bei einer Pressekonferenz war er am Vormittag von einem Journalisten auf die offene Frage der Finanzierung der Bahnhofs-Mehrkosten angesprochen worden. Eine Lösung im Detail präsentierte Kretschmann da zwar noch nicht. Dies ließ aber nicht lange auf sich warten.

 Baustelle am künftigen Bahnhof Merklingen: Der Bau wird zehn Millionen Euro teurer als veranschlagt.
Baustelle am künftigen Bahnhof Merklingen: Der Bau wird zehn Millionen Euro teurer als veranschlagt. (Foto: dpa)

In einer am Nachmittag verbreiteten Mitteilung des Verkehrsministeriums wird Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz mit den Worten zitiert: „Der Bahnhof Merklingen kommt.“ Und er erklärt auch wie: „Dank günstiger Ausschreibungen im Schienenverkehr, die Minister Hermann abgeschlossen hat, kann das Verkehrsministerium die Mehrkosten aus Regionalisierungsmitteln finanzieren“, so Schwarz, der abermals die Wichtigkeit des Infrastrukturprojekts für den ländlichen Raum und für die Schwäbische Alb betonte. Und auch, dass angesichts der nun gefundenen Lösung weder andere Projekte leiden werden, oder es Einschnitte bei Fahrplänen geben wird. „Es gibt keine negativen Auswirkungen.“ Auch dies war befürchtet worden, sogar das Ministerium selbst hatte diese Möglichkeit zumindest nicht ausgeschlossen bei einem Treffen vergangene Woche im Stuttgarter Verkehrsministerium, an dem auch Bürgermeister der Region teilnahmen.

Eine lange Hängepartie wollten wir unbedingt vermeiden. Thomas Dörflinger (CDU)

Regionalisierungsmittel sind Gelder, die der Bund den Ländern zum Ausbau oder den Erhalt des Regionalverkehrs überweist. Da passe der Bahnhof Merklingen doch prima rein, fand am Dienstag dann auch der Ulmer Landtagsabgeordnete Jürgen Filius (Grüne). Und auch die CDU-Fraktion zeigte sich erfreut über die Lösung. „Das war uns ganz wichtig“, sagte der verkehrspolitische Sprecher Thomas Dörflinger (CDU). „Eine lange Hängepartie wollten wir unbedingt vermeiden.“

Grund: steigende Baukosten

Statt 43 soll der Bahnhof wegen steigender Baukosten bis zu 53 Millionen Euro kosten. Mit der nun gefundenen Lösung zahlen das Land 40 und die Region der Laichinger Alb 13 Millionen Euro. Festgeschrieben werden soll die nun vereinbarte Finanzierungsform in einer Verpflichtungsermächtigung. Noch ist laut Grünen-Politiker Jürgen Filius nicht klar, wann die zusätzlichen zehn Millionen Euro abgerufen werden. Wovon er sich im Gespräch mit dieser Zeitung aber überzeugt zeigt: Dass es weiter nun keine Meldungen mehr geben wird über Mehrkosten. Die nun zur Verfügung stehenden gut 50 Millionen Euro sollten und würden ausreichen.

Ich bin sehr froh. Klaus Kaufmann, Verbandsvorsitzender

Und was sagen die Gemeinden der Alb? Immerhin steuern diese, gemeinsam mit dem Alb-Donau-Kreis, 13 Millionen Euro bei. Klaus Kaufmann: „Ich bin sehr froh, dass unsere grün-schwarze Landesregierung und besonders das Verkehrsministerium mit Herrn Minister Hermann an der Spitze zu einer, wie ich meine, guten Lösung, gefunden haben. Und ich danke allen an dieser Lösung Beteiligten im Namen meiner Bürgermeisterkollegen und unserer Bevölkerung, dass die sich breit machende Unsicherheit bezüglich der Finanzierung der Mehrkosten so schnell beseitigt werden konnte.“

Eine Unsicherheit, die Befürchtungen bis hin zu einem Baustopp hatte aufkommen lassen. Geäußert nicht offiziell, aber von dem ein oder anderen hinter vorgehaltener Hand. Nun kann die Bauherrin des Bahnhofs – die Deutsche Bahn – ohne Bedenken weiterbauen. Planmäßig in Betrieb gehen soll der Bahnhof 2021/22. Ende des kommenden Jahres sollen die beiden Bahnsteige sowie die Fußgängerüberführung fertig sein.

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