Ab sofort landet Merklingens Dreckwasser in Bayern

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 Das Abwasser wird nach Neu-Ulm geleitet.
Das Abwasser wird nach Neu-Ulm geleitet. (Foto: Scholz)

Die Kläranlage Steinhäule ist laut Stefan Tluczykont, dem Dezernenten für Kreisentwicklung, Bauen, Land- und Forstwirtschaft des Alb-Donau-Kreises, eine der modernsten Kläranlagen Deutschlands – mit der so genannten vierten Reinigungsstufe. Ihn beeindrucke die Zusammenarbeit im kommunalen Verbund. Der Bau des Ableitkanals Merklingen sei auch eine technische Herausforderung gewesen. „Am Ende gelang es, zusammen als eine Stimme zu sprechen“, freute sich Tluczykont, der auch an die Verbraucher appellierte, genau darauf zu achten, was ins Abwasser fließt. Ableitkanal Heroldstatt in Richtung Ach, die vierte Reinigungsstufe in Laichingen und Westerheim sowie jene im Bau befindliche in Lonsee: Tluczykont zeigte weitere vergleichbare Projekte auf.

Berghülen, Blaubeuren, Blaustein und Dornstadt: Der Ableitkanal läuft über mehrere „Territorien“ und mit Baden-Württemberg und Bayern über zwei Bundesländer. Absprachen seien notwendig gewesen und auch Veränderungen wie beispielsweise eine Kanalauswechslung im Lautertal, damit das Vorhaben Merklingens überhaupt möglich wird.

9,2 Kilometer lang, 4,3 Millionen Euro teuer: In Merklingen ist am Freitagmorgen der Ableitkanal zum Klärwerk Steinhäule in Neu-Ulm offiziell in Betrieb genommen worden. Dazu hatte Bürgermeister Sven Kneipp (parteilos) zunächst in das Backhaus in der Ortsmitte geladen. Später ging es dann aber an den Ort des Geschehens – zur Kläranlage Merklingen, die nun stillgelegt wird.

Ein Projekt, viele große Herausforderungen, die letztlich gemeinsam gemeistert werden konnten: Das ist das Fazit der Beteiligten. Gleich zu Beginn machte Regierungspräsident Klaus Tappeser klar: „Wasser ist das Lebensmittel schlechthin. Die Gemeinde hat sich richtig entschieden. Es ist eine Investition in die Zukunft.“

Auf Fels und Gestein getroffen

Gerade im Karst- und Dolinengebiet sei es wichtig, auf die entsprechende Reinigung von Wasser zu achten. „Um den Kanal zu bauen, musste man sich durchbeißen“, zeigte Tappeser auf und verwies auf Fels und Gestein. Dann schaute der Regierungspräsident auf die „tolle Entwicklung Merklingens“. Bahnhof Merklingen, Autobahnanschluss: Das seien Indizien dafür, dass Verkehrswege prosperierende Lebensadern seien. Sonst, so stellte Tappeser fest, hätte es für Merklingen einen solchen Aufschwung nicht gegeben.

Man sieht in Merklingen, wie gut Fördergelder eingesetzt werden können. Regierungspräsident Klaus Tappeser

Für das Ableitkanal-Vorhaben gab es seitens des Regierungspräsidiums Tübingen einen Fördersatz von 80,3 Prozent. „Man sieht in Merklingen, wie gut Fördergelder eingesetzt werden können.“

Abwasser werde heute anders als noch zu früheren Zeiten behandelt. Es gehe darum, mehr Rückstände – beispielsweise auch Medikamentenrückstände – herauszufiltern. „Wir brauchen die neue Form der Reinigung, weil Wasser einfach unverzichtbar ist“, zeigte Klaus Tappeser auf. Klar sei aber auch: Es bedürfe einer guten Zusammenarbeit, denn eine Kommune könne nicht alles alleine schultern.

Dankesworte vom Bürgermeister

Das sieht auch das Merklinger Gemeindeoberhaupt so. Von ihm gab es viele Dankesworte für alle am Projekt Beteiligten. „Nach 50 Jahren ist Schluss“, sagte er. Das klinge zwar so, als würde jemand in Rente gehen, doch letztlich sei es bei der Merklinger Kläranlage ein ähnlicher Fall. Diese besteht seit 1968 und wird nun stillgelegt. „Es hat sich vieles entwickelt“, zeigte Kneipp den geladenen Gästen – darunter Landtagsabgeordnete, Gemeinderat sowie beteiligte Firmen und Büros – im Backhaus auf. Bei der Inbetriebnahme der Kläranlage Merklinger habe die Kommune 1396 Einwohner gezählt. Jetzt seien es 2000. Auch in Sachen Abwasserreinigung habe sich einiges getan. „Heute schützen wir unser Grundwasser und unsere Gewässer deutlich stärker und besser“, meinte der Bürgermeister. Die Inbetriebnahme des Ableitkanals sei ein historischer Tag. Eines der größten Projekte der vergangenen zehn bis 15 Jahre sei nun abgeschlossen.

 Sie legen den Schalter um (von links): Bürgermeister Sven Kneipp und Regierungspräsident Klaus Tappeser nehmen den Ableitkanal
Sie legen den Schalter um (von links): Bürgermeister Sven Kneipp und Regierungspräsident Klaus Tappeser nehmen den Ableitkanal offiziell in Betrieb. (Foto: Scholz)

Der hohe Fördersatz sei für die Kommune „enorm wichtig gewesen“. Sonst wäre das Vorhaben in Merklingen nicht zu stemmen gewesen. „Diese Fachförderung zeigt auch, wie wichtig es dem Land Baden-Württemberg ist, unser Grundwasser und auch die Natur zu schützen“, erklärte Kneipp.

Naturschutz ist Thema

Naturschutz sei ein wichtiges Stichwort. Thomas Scherraus vom Ingenieurbüro Wassermüller in Ulm sowie Manfred Rauh von der Landschaftsarchitekten GmbH verdeutlichten auch die Gründe dafür. Der Ableitkanal sei nicht nur ein Meilenstein für die Gemeinde Merklingen, sondern vor allem auch ein Meilenstein aus wasserwirtschaftlicher Sicht, so Scherraus. 20 Liter pro Sekunden werden abgeleitet. Das eingebaute Rohr könne 40 Liter ableiten. „Wir haben also noch Kapazitätserweiterungsmöglichkeiten“, stellte der Diplomingenieur heraus und fügte an: „Naturschutzgebiete haben uns sehr beschäftigt.“ Der Aushub der Arbeiten oder auch Material durfte teilweise nicht vor Ort gelagert werden.

An allen Ecken und Enden hatten wir Einschränkungen. Manfred Rauh

„An allen Ecken und Enden hatten wir Einschränkungen“, stimmte Manfred Rauh zu. Er sowie seine Kollegin Susanne Bischoff erstellten den landschaftspflegerischen Begleitplan und zeichneten für die ökologische Baubegleitung verantwortlich. Es galt, – als ein Beispiel – auf Pflanzen wie die Silberdistel und auf Tiere wie den Uhu zu achten. Immer wieder wurden Informationen gegeben, Konfliktlösungen kommuniziert, Maßnahmen überwacht und dokumentiert. Das Ziel: Landschaft und Erholungsfunktion zu erhalten. Das sei nun der Fall und so waren es Sven Kneipp und Klaus Tappeser, die vor Ort bei der Kläranlage dann die Schalter umlegten. Währenddessen überzeugten sich die Gäste davon: Das Abwasser fließt – nun zum Klärwerk Steinhäule in Neu-Ulm.

Die Kläranlage Steinhäule ist laut Stefan Tluczykont, dem Dezernenten für Kreisentwicklung, Bauen, Land- und Forstwirtschaft des Alb-Donau-Kreises, eine der modernsten Kläranlagen Deutschlands – mit der so genannten vierten Reinigungsstufe. Ihn beeindrucke die Zusammenarbeit im kommunalen Verbund. Der Bau des Ableitkanals Merklingen sei auch eine technische Herausforderung gewesen. „Am Ende gelang es, zusammen als eine Stimme zu sprechen“, freute sich Tluczykont, der auch an die Verbraucher appellierte, genau darauf zu achten, was ins Abwasser fließt. Ableitkanal Heroldstatt in Richtung Ach, die vierte Reinigungsstufe in Laichingen und Westerheim sowie jene im Bau befindliche in Lonsee: Tluczykont zeigte weitere vergleichbare Projekte auf.

Berghülen, Blaubeuren, Blaustein und Dornstadt: Der Ableitkanal läuft über mehrere „Territorien“ und mit Baden-Württemberg und Bayern über zwei Bundesländer. Absprachen seien notwendig gewesen und auch Veränderungen wie beispielsweise eine Kanalauswechslung im Lautertal, damit das Vorhaben Merklingens überhaupt möglich wird.

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