5-Euro-Schein im Briefumschlag: Kirchengemeinde verschenkt Geld, obwohl sie selbst keines hat

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Pfarrer Cornelius Küttner mit einem 5 Euro-Schein.
Pfarrer Cornelius Küttner mit einem 5 Euro-Schein. (Foto: Scheiffele)
Brigitte Scheiffele

760 Umschläge hat die evangelische Kirchengemeinde Merklingen in diesem Monat in die Briefkästen ihrer Gemeindemitglieder gesteckt. Wer auch dieses Mal an einen Bettelbrief dachte, hat sich schwer geirrt: In jedem Umschlag lag Geld: ein Fünf-Euro-Schein.

Kein Druck, kein Spielgeld, sondern ein echter Fünf-Euro-Schein im Briefumschlag. Was soll das? Eine Aktion, die Erstaunen bei vielen Mitgliedern der evangelischen Kirchengemeinde hervorrief und sofortige Anrufe im Pfarrbüro mit sich brachte: „Warum verteilt ihr Geld?“ Auf die Frage, was damit zu tun sei, antwortete Pfarrer Cornelius Küttner: „Ausgeben.“ Eine Kirchengemeinde, die Geld verschenkt, obwohl sie aktuell finanzielle Unterstützung zur Renovierung des Gemeindehauses braucht, sorgt freilich zunächst für Verwirrung. Ergänzend erklärt Küttner aber allen Zweiflern: „Ausgeben. Gewinnbringend.“ Aha, das also ist der Hintergedanke.

Manches Kuvert im Müll

„Nicht wegwerfen. Wertvoller Inhalt!“ stand auf dem Kuvert mit dem Absender der Merklinger Kirchengemeinde, das trotzdem einige nichts Ahnende nicht öffneten und sogar in den Müll beförderten. Pech gehabt. Andere wiederum fanden die Aktion „völlig blöd“ und meldeten das ebenso, wie die, die den Fünfer einfach wieder ins Pfarramt zurückbrachten. Vielen ist bis heute unklar, wie sie fünf Euro Gewinn bringend vermehren sollen.

Küttner appelliert mit der Fünf- Euro-Aktion an die Kreativität der Gemeindeglieder. Er hofft dadurch, an gute Ideen zu kommen, wie aus dem kleinen Betrag ein noch größerer werden kann, der dann in den Umbau des Gemeindehauses fließt. Er regt außerdem an, sich mit anderen Menschen zusammenzutun oder im Pfarramt nachzufragen, welche Aktionen sich bereits ergeben haben und wo Beteiligungen möglich sind. „Es gibt ein paar Menschen, die mit dem Betrag etwas anfertigen und zum Verkauf anbieten“, verrät Küttner. Andere hätten sich bedankt und versprochen, das Geld bei einer der vielen Aktionen im Jahr dann einzusetzen. Wieder andere haben den Fünf-Euro-Schein gleich zurückgebracht und sogar noch einen Schein oben drauf gepackt.

Mensch gibt, wenn er was bekommt

Grundansatz des Merklinger Pfarrers: Ein Mensch gibt am liebsten, wenn er etwas bekommt. „Wir haben von den Menschen in Merklingen für den Gemeindehausumbau schon einiges gefordert. Dabei ist die Idee aus der biblischen Geschichte von dem ,anvertrauten Pfund’ entstanden: Wir geben etwas, das die Leute einsetzen können.“

Die Idee, so Pfarrer Cornelius Küttner weiter, hatte vor zwei Jahren ein Gemeindemitglied. Ein vierstelliger Geldbetrag floss in die Kasse der Kirchengemeinde zum Abruf durch Menschen, die damit eine Idee zur Vermehrung des Betrages umsetzen konnten. Grundlage waren eben genau die „anvertrauten Pfunde“ aus der Bibel. Nun bleibt abzuwarten, was die Gemeinschaft der Kirchengemeinde aus dem Einsatz von rund 3800 Euro stemmt.

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