Physiotherapie für das Tier: Wenn dem Vierbeiner der Rücken schmerzt

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Brigitte Walk liebt es, mit Tieren zu arbeiten.
Brigitte Walk liebt es, mit Tieren zu arbeiten. (Foto: Hog)
Friedrich Hog

Mit Pferden, Hunden und Kleintieren beschäftigt sich Brigitte Walk in ihrer tierphysiotherapeutischen Praxis in Lauterach. Seit November 2018 praktiziert sie und fährt im Umkreis von rund 50 Kilometern zu ihren Patienten.

Die geprüfte Tierphysiotherapeutin ist auch Dorntherapeutin. Auf beiden Fachgebieten wird sie tätig, wenn Tiere bei orthopädischen, neurologischen oder altersbedingten Erkrankungen Hilfe brauchen. Hinzu kommen vorsorglich Ernährungsberatung sowie Huf- und Sattelberatung bei Pferden.

Ursprünglich ist Brigitte Walk Altenpflegerin, zuvor war sie Wirtschafts- und Fremdsprachenkorrespondentin in Englisch und Spanisch. Ihre Ausbildung hat sie nebenbei absolviert, an Wochenenden, zwei Jahre lang. Es war eine private Ausbildung an der Akademie für Dornmethode und Tierheilkunde, die sie mit der Verbandsprüfung beim damaligen Deutschen Physiotherapeutenverband (DPTV) abgeschlossen hat.

Ich habe ultra viel Spaß mit den Tieren, arbeite gerne mit den Händen und möchte das in Vollzeit machen

Brigitte Walk

Gerade hat sie eine zweijährige Ausbildung zur Hufschmiedin begonnen, was sie neben ihren normalen Öffnungszeiten bewältigt. „Ich habe ultra viel Spaß mit den Tieren, arbeite gerne mit den Händen und möchte das in Vollzeit machen“, sagt die 41-Jährige. Zusätzlich zu gesundheitlichen Behandlungen von Tieren bietet sie auch Spaß und Spiele an wie Hundeschwimmen oder Welpenschwimmen.

Tierphysiotherapie ist Krankengymnastik für Tiere, Aktivierung der Selbstheilungskräfte, Behandlung von Bewegungseinschränkungen und Fehlspannungen. Durch Massagen lockert die Therapeutin verspannte Muskeln, insbesondere bei Sportpferden.

Die Behandlung kann auch vor von Sportveranstaltungen erfolgen. Dabei spricht sie insbesondere Dressurreiten an. Die Pferde benötigen hierfür eine passive Dehnung der Muskulatur zur Vorbeugung von Zerrungen und Muskelkater. Nach ihrem Einsatz werden die Pferde von Brigitte Walk nochmals massiert, damit Milchsäure abtransportiert wird.

Auch Lymphdrainage kann erforderlich sein – eine Therapie, die auch bei Huferkrankungen hilft, etwa bei Hufrehe behandelt der Tierarzt die Entzündung, der Hufschmied sorgt für den Rehebeschlag, die Tierphysiotherapeutin begleitet den Halter bei den Hausaufgaben mit den Tieren. Bei Kastration beseitigt sie Schwellungen, die die Wundheilung behindern. Narbenbildung begegnet sie durch kinesiologisches Taping.

Solange das Tier eine Schonhaltung einnimmt, um das betroffene Glied nicht zu belasten, ist die Therapie erforderlich

Brigitte Walk

Bei Hunden sei dies ähnlich, ebenso bei Kühen, Ziegen und Schweinen, hier aber seltener. Hunde kommen meist nach Verletzungen zu ihr in die Therapie, in der Regel nach der Operation einer Fraktur. „Solange das Tier eine Schonhaltung einnimmt, um das betroffene Glied nicht zu belasten, ist die Therapie erforderlich“, so Walk.

Sie erklärt, dass mit der Schonhaltung ein Muskelabbau einhergeht, die überlasteten Strukturen bekommen Verspannungen. Schließlich führe das zu einem Schiefstand durch ungleiche Belastung der Muskeln, beim Pferd sagt man, es „überbaut“.

Die tierphysiotherapeutische Behandlung sorgt für die Lockerung verspannter Muskeln im Wege der Dehnung und myothensiven Massage. „Ich bringe bei dieser Massage die Muskulatur unter Zug, wodurch sie angeregt wird, wieder selbst zu arbeiten“.

Bei Notfällen wird der Tierarzt informiert

Eine Tierphysiotherapie findet bei Verletzungen und Erkrankungen in Abstimmung mit dem Tierarzt statt. Brigitte Walk erläutert: „Ich kläre in Akutfällen mit den Tierärzten ab, ab wann das Tier bewegt werden darf. Immer muss zunächst der Tierarzt eingeschaltet werden, bei mir geschieht die Nachbehandlung. Hierzu fordere ich den Tierarztbericht mit Diagnose und Röntgenbildern an. Bei chronischen Krankheiten kann das Tier von Anfang an von mir behandelt werden“.

In der Regel kommen die Tiere nicht in die Praxis, sondern Brigitte Walk kommt zu den Tieren. Wärmelampen zum Entspannen, Fangoplatten und Heilschlamm zum Auflegen gehören zum Handwerkszeug.

In der Praxis möchte Brigitte Walk ein Unterwasserlaufband einrichten. Dann kann sie dort gelenkschonende Gymnastik für Hunde anbieten. Das lindert zum Beispiel bei Schäferhunden zuchtbedingte Hüftprobleme wie Arthrose. Auch kann so dem Gelenkverschleiß vorgebeugt werden. Die Anwendung kann sogar als Sterbebegleitung eingesetzt werden. Großwüchsige junge Hunde mit Wachstumsstörungen profitieren ebenfalls.

Eine besondere Therapie, die auch an Menschen angewandt wird, will sie mit der Dorntherapie bieten. Dabei geht es um die Statik der Tiere, um Becken, Wirbelsäule, Beine und Schulter.

„Durch Unfälle oder falsches Reiten kann die Statik des Körpers schief werden. Das Dornen ist eine sanfte Methode, um die Statik des Tieres wiederherzustellen“, erklärt die Expertin. Das geschehe durch gezieltes Drücken, Schieben und Ziehen an der Wirbelsäule, beginnend beim Becken, über die Wirbelsäule nach oben bis zum Atlas, also dem ersten Wirbel, dann weiter zur Schulter, zu den Vordergliedmaßen und Hintergliedmaßen.

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