Wurde Laichinger Firmenchef Opfer seines eigenen Angestellten?

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Wie wird das Augsburger Amtsgericht entscheiden: zugunsten des Laichinger Geschädigten?
Wie wird das Augsburger Amtsgericht entscheiden: zugunsten des Laichinger Geschädigten? (Foto: Peter Steffen)

Einen Fall möglicher Wirtschaftskriminalität in nicht unerheblichem Umfang verhandelt das Amtsgericht Augsburg an diesem Mittwoch. Einer der Hauptzeugen, und gleichzeitig Geschädigter, wohnt in Laichingen. Von Neu-Ulm aus hat er sich einen florierenden mittelständischen Servicebetrieb für die Industrie aufgebaut. Das Gericht will nun herausfinden, ob einer seiner leitenden Angestellten ihn systematisch hintergangen hat mit dem Ziel, eine eigene Firma in derselben Branche aufzubauen. Eine solche existiert mittlerweile in Schelklingen.

Wie schmutzig in der Wirtschaft teils agiert wird, wird womöglich ein Prozess zeigen, der am Mittwoch, 24. Januar, am Amtsgericht in Augsburg eröffnet wird. Als einer der Betroffenen steht Jürgen Reutlinger im Mittelpunkt, er wohnt in Laichingen und ist Geschäftsführer der Firma Schuk, die ihren Hauptsitz in Neu-Ulm hat, aber auch einen Ableger in Laichingen. Mittlerweile 160 Mitarbeiter beschäftigt Reutlinger, gegründet hat er die Firma vor 16 Jahren. Noch immer scheint er es kaum fassen zu können, was ihm widerfahren ist.

98 Anklagepunkte, so Reutlinger, weise die Anklage auf. Er selbst ist als Zeuge geladen. Angeklagt sind zwei Männer, ein 50-Jähriger und ein 61-Jähriger. Sie sollen gemeinsame Sache gemacht haben. Der Jüngere der beiden war lange ein Kollege von Reutlinger und leitete bis vor zwei Jahren einen der Geschäftsbereiche bei Schuk. In der Anklageschrift des Strafverfahrens heißt es, die beiden sollen sich des gewerbsmäßigen Verrats von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen schuldig gemacht haben. Jürgen Reutlinger sagt der SZ: Ein Jahr hätten die Beschuldigten ihren vermeintlichen Coup vorbereitet, um dann systematisch Daten der Firma Schuk zu entwenden. Ihr Ziel sei es gewesen, in der Branche selbst Fuß zu fassen mit einer eigenen Firma. Aber nicht nur: Gleichzeitig hätten sie die Firma Schuk „vernichten“ wollen. Diese Zielsetzung, so der Schuk-Geschäftsführer, habe er sogar schwarz auf weiß. Weil sein einstiger Bereichsleiter nicht sehr clever vorgegangen sei.

Sauberkeit ist sein Job

Nach der Firmengründung konzentrierte sich Reutlinger mit Schuk zunächst auf den Verkauf von Arbeitskleidung für die Industrie. Mittlerweile sei dies das kleinste Standbein. Ertragreicher und stärker nachgefragt seien heute die Bereiche „Bauteilsauberkeit“ sowie „Teile und Reinigung“. Reutlinger ist – vereinfacht gesagt – auf die Prüfung von Einzelteilen spezialisiert, die von Industrieunternehmen hergestellt werden. Und auf deren Reinigung von Restschmutz. Kunden kämen unter anderem aus der Automobilbranche, und wenn man bedenkt, dass ein Auto aus bis zu 10 000 Einzelteilen besteht, kann da schon was zusammenkommen, was gereinigt oder geprüft werden muss. Reutlinger arbeitet aber auch beim Kunde vor Ort, außerdem gibt es nicht nur ein stationäres Prüflabor in Neu-Ulm, sondern auch ein mobiles, in einem Van. Die Laichinger Schuk-Niederlassung befindet sich in der Widmannstraße.

Und die Beschuldigten? Der SZ sagt der 50-Jährige, beim Gros der Vorwürfe handele es sich um „Humbug“, deutet aber an, dass an dem ein oder anderen Punkt schon etwas dran sein könne. Urteilen müsse nun aber das Gericht. Für ihn und seinen ebenfalls angeklagten Kompagnon steht eine Strafe im Raum über einen hohen fünfstelligen Betrag. Was den beiden, mit welcher Hilfe auch immer, aber gelungen zu sei scheint: Sie haben eine Firma in Schelklingen gegründet, die dasselbe Gebiet beackert wie Schuk. Im Portfolio: ein Sauberkeitsprüflabor sowie der Service „Bauteilreinigung“. Firmenvertreter ist der zweite Angeklagte.

Außerdem involviert sein soll die Commerzbank, so Reutlinger. Die Angeklagten sollen versucht haben, sich einen sechsstelligen KfW-Kredit zu erschleichen, für die Gründung ihrer Firma – als Sicherheit sollte unter anderem Eigentum der Firma Schuk dienen. Die Bank habe bereits Konsequenzen gezogen, Leute seien entlassen worden, so Reutlinger.

Der Schuk-Chef ist sich sicher, dass er Recht bekommt, beziehungsweise, dass die Beschuldigten verurteilt werden. Zu Gute kommen könnte ihm, dass sein Ex-Angestellter schlampig vorgegangen ist (anders als es die Branche verlangt, nämlich die penible Reinigung von Industrieteilen). Statt sich einen privaten Laptop zu kaufen (aus Geiz?), habe der Angeklagte den Datendiebstahl auf Firmengeräten dokumentiert, das penibel. Angesichts eines Gehalts von mehr als 10 000 Euro brutto, das der 50-Jährige monatlich eingestrichen haben soll, kann Reutlinger nur den Kopf schütteln. Und freut sich gleichzeitig. Ohne dieses „Glück“ würde der Prozess so nicht stattfinden.

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