WOG blickt nach Georgien

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 Zeitgenössisches Kunstwerk in der georgischen Hauptstadt Tiflis.
Zeitgenössisches Kunstwerk in der georgischen Hauptstadt Tiflis. (Foto: afp)
Schwäbische Zeitung

Neben allen sonstigen Aktivitäten in Weißrussland und Russland stand bei der Mitgliederversammlung der West-Ost-Gesellschaft Baden-Württemberg jüngst in Laichingen das Land Georgien im südlichen Kaukasus im Mittelpunkt. Dort konnte in der Hauptstadt Tbilissi (Tiflis) die Kinderkrebsklinik mit rund 4000 Euro unterstützt werden. Ausgangspunkt für diese Hilfe war die Heimkehr eines Deutschlehrers, der die 3800 Kilometer von der dortigen Schwarzmeerwasserscheide des Lichi-Gebirges via Wasserscheide auf der Schwäbischen Alb auf Rollerskates zurücklegte.

Begleitet und „vermarktet“ hatte diese humanitäre Aktion der Journalist Rainer Kaufmann, welcher als „einer der besten deutschen Kenner“ des kleinen Landes an der Nahtstelle zwischen russischen Interessen und dem Nato- Einflussgebiet gilt, so die WOG. Die schwierigen diplomatischen Verhältnisse tun der Begeisterung Kaufmanns für das reizvolle Land mit dem 5000 Meter hohen Elbrus-Gebirge und der mediterranen Schwarzmeerküste keinen Abbruch. Er gibt dort seit Jahren, so die WOG weiter in ihrer Mitteilung, eine deutschsprachige Zeitung heraus und organisiert Reisen. In Georgien wurden, „lange vor unseren Neandertalern“, Skelette der ersten eurasischen Menschen gefunden, die schon vor über einer Million Jahren dort lebten. Gleichzeitig entstanden um das 11. Jahrhundert erste christliche Gemeinden in Höhlendörfern mit beeindruckenden Zeugnissen aus dieser Vergangenheit.

Überrascht wurden die Anwesenden in Laichingen von Kaufmann mit einigen kulinarischen Spezialitäten des Landes. Zum Beispiel servierte er zwei kräftige Weine und in Brühe gegartes Putenfleisch –„Tsatsivi“ mit Walnüssen. Ein kräftiger Hauch von Koriander durchzog den Veranstaltungsraum. Spontan brachte der Vorsitzende der Laichinger WOG-ler Joachim Claus seinen Wunsch zum Ausdruck, doch einmal dorthin zu reisen.

2020 könnte dies realisiert werden. Angedacht ist auch ein Informationsabend zu Georgien mit Kaufmann.

Trotz des Weins wurde aber auch gearbeitet. Mehrere Berichte beschrieben die Aktivitäten und künftige Planungen. Dies betrifft natürlich auch Neswish, ein Schwerpunkt der WOG-Gruppe Schwäbische Alb mit ihrer Hilfe für Kinder und Behinderte. Auch das Laichinger Stadtfest mit Gästen aus Weißrussland ließ man nochmals Revue passieren. Vor allem die medizinisch-humanitäre Zusammenarbeit will man, so Claus, als „echten Beitrag zur Völkerverständigung“ mit Osteuropa im Rahmen der personellen und finanziellen Möglichkeiten fortführen.

Mit Sorge wurde im Rahmen der weiteren Diskussion bedauert, dass vor allem ein wieder erwachender kalter Krieg die Länder derzeit entfremdet. Auch die deutsche Außenpolitik sei hieran nicht völlig unschuldig. Schon deshalb seien solche regionalen Partnerschaften und „Volksdiplomatie von unten“ um so nötiger, betonte Jörg Tauss, Vorsitzender der baden-württembergischen WOG.

Schatzmeisterin Rosl Gebhardt (Feldstetten) unterstrich dies im finanziellen Bereich. Sie verwies auf Einnahmen und Ausgaben über 100 000 Euro für Ärzteaustausch und Hospitationen im abgelaufenen Jahr quer durchs Land. Diese betrafen den Erfahrungsaustausch von Kinderhospizen bis hin zu Fachkonferenzen zum Thema Mukoviszidose und Lungenerkrankungen. Erstmals gab es für diese Aktivitäten eine kleine Förderung durch das Bundesministerium für Gesundheit in Berlin.

Unverändert sei man zur Finanzierung der Arbeit aber im wesentlichen auf Beiträge und Spenden von Mitgliedern angewiesen. Dankenswerterweise könne man auf zwei Nachlässe zugunsten der WOG zurückgreifen. Mit großem Dank wurden Gebhardt wie der gesamte Vorstand entlastet.

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