"Wir konnten nicht anders handeln"

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Schwäbische Zeitung

Ausschlaggebend für die überraschende Entscheidung am vergangenen Freitag war eine Rechtsauskunft von Dr. Jens-M. Kuhlmann, dem Rechtsanwalt des Pflegezentrums. "Für mich ist die Rechtslage eindeutig", so Dr. Kuhlmann. "Die Anästhesisten haben anscheinend Geschäftsführer Uwe Molnar am Donnerstag, 29. Oktober, darüber informiert, dass sie den Bereitschaftsdienst in der bisherigen Form nicht mehr leisten können. Insbesondere die Alarmierungszeit von zehn Minuten konnten sie nicht garantieren. Damit waren wir gezwungen zu handeln."

Handeln hieß in diesem Fall, wie auch Dr. Kuhlmann klarstellt, vorläufig die Geburtshilfe zu schließen: "Wenn klar ist, dass kein Anästhesist in der von der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfohlenenen Zeit von zehn Minuten im OP sein kann, dann besteht ein hohes Risiko, dass der Krankenhausträger und die Belegärztin, Dr. Ute Mayer-Weber, haften, falls Mutter oder Kind etwas zustößt. Deshalb gab es aus unserer Sicht keine andere Möglichkeit als eine vorläufige Schließung."

Schnell siebenstellige Summen

"Die meisten Schadenersatzfälle treten im Bereich der Chirurgie und der Geburtshilfe auf", sagt Dr. Kuhlmann, Partner in der Kanzlei Quaas & Partner, die unter anderem auf Medizinrecht spezialisiert ist. Und: "Gerade in diesen Bereichen werden schnell siebenstellige Summen fällig." Zudem stelle sich, selbst wenn die Haftpflichtversicherung bezahle, die Frage nach strafrechtlichen Konsequenzen für die Ärzte und die Verantwortlichen beim Krankenhausträger.

Wobei Geschäftsführer Molnar klar macht, dass es in erster Linie nicht um die Angst vor einem Versicherungsfall geht, sondern um die Sicherheit der Frauen und ihrer Kinder. Wann und ob die Geburtshilfe am Laichinger Krankenhaus wieder geöffnet wird, war gestern noch unklar. "Wir arbeiten wirklich mit Volldampf an einer Lösung", sagt Molnar.

Eine Lösung, auf die auch Dr. Mayer-Weber wartet. Sie konnte sich gestern vor Telefonanrufen kaum retten. Die Angst der Anruferinnen: Sie könne ihre Praxis aufgeben. "Nein, meine Praxis läuft uneingeschränkt weiter", stellt sie klar.

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