Wie Laichinger Hilfe in Togo zum Tragen kommt

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 Bei der Aktion „Schultüte“ in Kpegolonou mit Julia Stadelmaier (links).
Bei der Aktion „Schultüte“ in Kpegolonou mit Julia Stadelmaier (links). (Foto: PR)
Schwäbische Zeitung

Verein erhält Förderung

26 Organisationen erhalten Landesmittel für Projekte der Entwicklungszusammenarbeit aus dem Förderprogramm „bwirkt!“ der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ). Darunter ist auch der Laichinger Verein Charité Togo.

 

Das Förderprogramm „bwirkt!“ der SEZ aus Mitteln des Landes Baden-Württemberg ist für das laufende Jahr mit einer Million Euro ausgestattet. Neben Projekten im Ausland werden laut Mitteilung auch Projekte im Inland und im Partnerland Burundi gefördert. Im Sommer erhielten bereits 19 Organisationen Gelder der SEZ aus Landesmitteln für Inlandsprojekte. Im vergangenen Jahr wurden laut Mitteilung über das Förderprogramm „bwirkt!“ 27 Auslands- und 18 Inlandsprojekte gefördert. 

Im vergangenen Monat besuchte Julia Stadelmaier, Vorstand des Laichinger Vereins Charité Togo, die Projekte im westafrikanischen Togo. Mit vielen schönen, aber auch nachdenklich stimmenden Eindrücken kehrte sie nach Deutschland zurück und sieht sich in der Arbeit des Vereins bestätigt.

„Auch wenn ich seit neun Jahren nach Togo komme, bewegen mich noch immer die vielen Gesichter der Armut. Insbesondere in ländlichen Regionen dominiert der fehlende Zugang zu sauberem Trinkwasser, (Schul-)Bildung und medizinischer Versorgung.“ Stolz blickt Julia Stadelmaier auf die Früchte der Arbeit des Togo-Vereins. „Wir arbeiten an der Basis und setzen uns für Projekte in den Bereichen Trinkwasser, Bildung und Gesundheit ein.“

Es ist erschreckend zu sehen, aus welchen Pfützen und Gruben Menschen Wasser schöpfen müssen – aus Mangel an Alternativen.

Julia Stadelmaier

Ein zentrales Anliegen des Vereins ist die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung in sehr ländlichen Gebieten Togos. „Es ist erschreckend zu sehen, aus welchen Pfützen und Gruben Menschen Wasser schöpfen müssen – aus Mangel an Alternativen.“ Der nächste Trinkwasserbrunnen sei oftmals weit entfernt oder könne insbesondere in der Trockenzeit nicht genügend Wasser für das ganze Dorf zur Verfügung stellen.

In der Region Agou, im Südwesten des Landes, erschwere zudem die Bodenbeschaffenheit den Zugang zu Trinkwasser. Aufgrund des felsigen Untergrunds könne in vielen Dörfern kein Brunnen von Hand gegraben werden. Teure Maschinen müssen für Brunnenbohrungen herangeschafft werden.

In den Dörfern Tatoé und Tové Agbessia hat der Verein Charité Togo in diesem Jahr laut Mitteilung den Bau zweier Trinkwasserbrunnen realisiert. Gleichzeitig wurden im Rahmen der Reise zusammen mit den Partnern vor Ort weitere Dörfer ohne Trinkwasser besucht und Anfragen geprüft. Neben der Notwendigkeit eines Brunnens werden dabei auch das Interesse und das Engagement der Dorfbevölkerung betrachtet. Die Mithilfe beim Bau des Brunnens und später bei der Instandhaltung ist Voraussetzung, um als Projekt in die engere Auswahl zu kommen.

Stolz auf das Projekt

Voller Stolz berichtet Julia Stadelmaier auch von ihrem Herzensprojekt, der Krankenstation St. Augustin. „Es ist schön zu sehen, wie positiv das Angebot von der Bevölkerung angenommen wird. Immer mehr mittellose Patienten haben den Mut vorbeizukommen und sich behandeln zu lassen.“ St. Augustin wurde 2014 als Anlaufstation für die medizinische Grund- und Notfallversorgung der ländlichen Bevölkerung in Tové Agbessia und Umgebung gegründet.

Das Team um Krankenpfleger Komi Amekoulafe kümmere sich insbesondere um den ärmsten Teil der Bevölkerung, die sich eine Behandlung in einem staatlichen Krankenhaus oder Krankenstation nicht leisten kann. Pro Monat würden etwa 40 medizinische Behandlungen für mittellose Patienten ermöglicht, darunter vor allem Malariabehandlungen für Kinder. Die Patienten oder ihre Angehörigen haben die Möglichkeit, nach ihrer Genesung die Behandlungskosten in Raten zurückzuzahlen oder als Arbeitsleistung zu erbringen.

Eine Kooperation eingegangen

In Kooperation mit der Ein-Zehntel-Stiftung wurde laut Mitteilung zudem eine Kampagne zur Prävention von Malaria- und Durchfallerkrankungen gestartet. Ziel ist die Aufklärung der Bevölkerung und ihnen einfache Tipps an die Hand zu geben, wie sie mit den vorhandenen Mitteln oder einfachen Änderungen zur Gesundheit ihrer Familie beitragen können.

Etwa 250 Menschen nahmen an der Auftaktveranstaltung teil, die von einem Fanfarenzug und einem Kinderchor feierlich mitgestaltet wurde. Bereits bei der Planung und später bei der Durchführung wurde auf die Nähe zur Bevölkerung geachtet. So wurden die Vorträge und Übungen in der Stammessprache Ewe abgehalten. Als Referenten und Übungsleiter konnten zwei erfahrene Krankenpfleger gewonnen werden, die sich ehrenamtlich in der Krankenstation St. Augustin einbringen.

Neue Aktion eingebracht

Ein großes Thema während der Reise war der Schulanfang in Togo. Dieser stellt für viele Eltern eine große finanzielle Herausforderung dar – Schuluniform und Schulmaterial muss gekauft werden, Schulgebühren für weiterführende Schulen müssen aufgebracht werden. Viele Familien können dies ihren Kindern nicht ermöglichen, sodass als Folge viele die Schule noch in der Grundschulzeit abbrechen.

Der Verein Charité Togo habe daher in diesem Jahr das Projekt „Schultüte“ ins Leben gerufen. In Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort wurden Taschen mit Schulmaterial für jede Klassenstufe zusammengestellt und an mittellose Kinder verteilt. Zudem wurden Schulstipendien für besonders begabte Schüler vergeben.

Uns ist der Kontakt und die Nähe zu den Menschen wichtig. Projektideen sollen direkt aus der Bevölkerung kommen, gemeinsam erarbeitet und umgesetzt werden.

Julia Stadelmaier

Die Reise nach Togo nutzte Julia Stadelmaier, neben der Besichtigung und Einweihung bestehender Projekte, um Projektanfragen zu prüfen und mögliche Projektideen für 2020 zu sammeln. Sie war laut Mitteilung viel in den Regionen Agou und Yokele, im Südwesten Togos, unterwegs, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und sich einen Eindruck von den Problemen und Missständen zu verschaffen, aber auch um Vereine, Vereinigungen und Gruppierungen kennenzulernen. „Uns ist der Kontakt und die Nähe zu den Menschen wichtig. Projektideen sollen direkt aus der Bevölkerung kommen, gemeinsam erarbeitet und umgesetzt werden.“

Verein erhält Förderung

26 Organisationen erhalten Landesmittel für Projekte der Entwicklungszusammenarbeit aus dem Förderprogramm „bwirkt!“ der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ). Darunter ist auch der Laichinger Verein Charité Togo.

 

Das Förderprogramm „bwirkt!“ der SEZ aus Mitteln des Landes Baden-Württemberg ist für das laufende Jahr mit einer Million Euro ausgestattet. Neben Projekten im Ausland werden laut Mitteilung auch Projekte im Inland und im Partnerland Burundi gefördert. Im Sommer erhielten bereits 19 Organisationen Gelder der SEZ aus Landesmitteln für Inlandsprojekte. Im vergangenen Jahr wurden laut Mitteilung über das Förderprogramm „bwirkt!“ 27 Auslands- und 18 Inlandsprojekte gefördert. 

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