Wenn es das Herz zerreißt

Dieses Bild entstand beim Brunnenbau in der Region Agou. Alle Fotos wurden vor der Corona-Pandemie aufgenommen.
Dieses Bild entstand beim Brunnenbau in der Region Agou. Alle Fotos wurden vor der Corona-Pandemie aufgenommen. (Foto: PR)
Maike Scholz
Redaktionsleiterin

Fluchtursachen bekämpfen, menschenwürdiges Leben ermöglichen: Diesen Schwerpunkt setzen wir, die „Schwäbische Zeitung“, auch in diesem Jahr mit unserer Weihnachtsspendenaktion „Helfen bringt Freude“. Die Spenden kommen der Hilfe für Menschen im Nordirak, ehrenamtlichen Initiativen und Caritas- und Diakonieprojekten in Württemberg sowie in Lindau zugute. Dazu zählt auch der Verein Charité Togo in Laichingen.

Aus Helferwille wurde Verein

Sie hat Dinge gesehen, die ihr förmlich das Herz zerreißen. Sie hat Erfahrungen gemacht, durch die sie schnell begriff, wie gut es ihr geht. Sie hat Eindrücke gesammelt, nach denen für sie klar war: Sie möchte helfen. Aus dem Willen ist ein Verein geworden: Charité Togo. Julia Stadelmaier ist die Vorsitzende. Die 30-Jährige sowie die weiteren Vereinsmitglieder haben sich wichtige Ziele gesetzt.

Die drei Säulen

Der Verein fußt auf drei Säulen: Bildung, Gesundheit und Wasser. Bildung, so Stadelmaier, ist der Schlüssel für Entwicklung. So geht es beispielsweise um die Ausstattung von Schulen mit Lern- und Lehrmaterial, um die Einrichtung von Hausaufgabenzentren. Im Bereich der Gesundheit liegt der Schwerpunkt auf der medizinischen Grund- und Notfallversorgung für den ärmsten Teil der Bevölkerung, insbesondere für Kinder. Außerdem kümmert sich der Verein um Trinkwasser und die so wichtige Hygiene mit dem Bau von Brunnen und Zisternen, Hygiene-Schulungen und der Sensibilisierung der Bevölkerung für das Thema.

Wir wollen das gemeinsam mit der Bevölkerung erreichen.

Julia Stadelmaier

Wichtig ist dem Verein dabei: „Wir wollen das gemeinsam mit der Bevölkerung erreichen“, zeigt die Vorsitzende auf. Heißt: Ziel des Vereins Charité Togo ist es, mit den Projekten einen Beitrag zur Förderung der Entwicklungszusammenarbeit im westafrikanischen Togo zu leisten. Das Motto: „Chancen ermöglichen, Hoffnung schenken.“

Die Idee dahinter

Die Idee für die Hilfe durch den Verein entstand schon vor einigen Jahren. „Ich hatte schon immer die Idee, nach meinem Abitur nach Afrika zu gehen“, erzählt Julia Stadelmaier, die in Schwäbisch Gmünd aufwuchs und jetzt in Freiburg lebt. Sie arbeitet als Gesundheitswissenschaftlerin an der dortigen Uniklinik. Ihre Idee verwirklichte sie damals, ging nach Togo, knüpfte dort Kontakte, die sie beibehielt.

Dann habe sie Silvia Bayer, die heutige Kassiererin des Vereins, kennengelernt. „Auch sie war schon in unterschiedlichsten Ländern“, sagt Stadelmaier. Man habe sich ausgetauscht, Reisen zusammen angetreten. So 2018 auch nach Togo. Es entstanden durch private Kontakte schon Hilfsangebote und Unterstützung. „Das wollten wir weiterführen“, so die Vorsitzende. Die nächste Idee war geboren: die Gründung des Vereins Charité Togo im Jahr 2018 – mit Sitz in Laichingen.

Verein zählt 25 Mitglieder

Gut 25 Mitglieder zähle der Verein derzeit. Von 24 bis 81 Jahren: „Jeder, der sich einbringen möchte, ist willkommen“, sagt Julia Stadelmaier. Alle arbeiten ehrenamtlich, damit jeder gespendete Euro tatsächlich vor Ort in Togo ankommt. Vor Ort gibt es wiederum ein Projektteam von fünf engagierten Togoern, die Anfragen prüfen, umsetzen und abwickeln. Auch sie seien ehrenamtlich für den Verein tätig – allen voran Kodjo Mèmè Djossou, zu dem Stadelmaier eine besondere Verbindung hat: „Er ist der Neffe meiner damaligen Gastmutter in Togo. Er war auch schon in Deutschland zu Besuch, bei mir dann in der Gastfamilie und so waren wir immer in Verbindung.“

Impressionen von der Präventionsaktion zum Händewaschen sowie der Aktion Schultüten.
Impressionen von der Präventionsaktion zum Händewaschen sowie der Aktion Schultüten. (Foto: PR)

Das Engagement des Vereins wuchs und wächst weiter – sowohl in Togo als auch in Laichingen. Krankenstation Sank Augustin in Tové, Ausstattung von Grundschulen, die Aktion Schultüte für Kinder aus mittellosen Familien, Bildungspatenschaften, Licht für die Erledigung von Hausaufgaben (Elektrifizierung), Müllprojekt in Kpegolonou mit einer Landschaftsputzete sowie der Bau von Trinkwasserbrunnen in Tové Agbessia und Agou Tatoe: Es gebe so viele Ansatzpunkte, zu helfen. „Im Krankenhaus beispielsweise gibt es Fälle, die ans Herz gehen. Manche – darunter viele Kinder – kommen einfach zu spät. Manchmal kann nur noch palliativ gearbeitet werden“, erzählt Julia Stadelmaier. Zugang zur medizinischen Versorgung sei in Deutschland selbstverständlich – so auch zu sauberem Wasser. Dort nicht.

Impressionen von der Präventionsaktion zum Händewaschen sowie der Aktion Schultüten.
Impressionen von der Präventionsaktion zum Händewaschen sowie der Aktion Schultüten. (Foto: PR)

Hinzu kommen die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Es fehle unter anderem an ausreichender Ausstattung; Preise für Lebensmittel und Medikamente steigen. Trotz Widrigkeiten arbeitet der Verein weiter, möchte weiter helfen. Für das Jahr 2021 soll beispielsweise die Trinkwasserversorgung im Dorf Sandale Copé aufgebaut werden. Die gut 1300 dort lebenden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, schöpfen Regenwasser derzeit aus einer Art künstlich aufgebautem Stausee.

Das gibt Motivation, weiterzumachen.

Julia Stadelmaier

„Wir wollen einen Brunnen bauen, was nicht so einfach wegen des sehr felshaltigen Bodens wird. Um eine Wasserader anzuzapfen, kann es sein, dass die Bohrung 40 oder 50 Meter in die Tiefe gehen muss. Es ist also ein großes Projekt, das wir uns vornehmen. Wir mussten es aufgrund der Corona-Pandemie schon verschieben“, berichtet Julia Stadelmaier. Zu sehen, wie Projekte realisiert und direkt vor Ort geholfen werden könne, das sei ein großes Glücksgefühl. „Das gibt Motivation, weiterzumachen.“

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