Warum teure Leerrohre verlegen, wenn 5G-Funk bald Standard wird?

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 5G-Antenne auf einem Testgelände in Nordrhein-Westfalen.
5G-Antenne auf einem Testgelände in Nordrhein-Westfalen. (Foto: dpa / Berg)
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Selbst ist die Stadt. Auch Laichingen beteiligt sich am Backbone-Netz für schnelle Internetleitungen, welches irgendwann die Bewohner der gesamten Region mit hoher Bandbreite surfen lassen soll. Doch dazu muss jede Kommune Hausaufgaben erledigen und Leerrohre vor der eigenen Haustüre verlegen. In diese soll später einmal Glasfaser eingezogen werden.

Der Laichinger Rat zeigte sich skeptisch. Die Frage kam auf: Ist die Technik später überhaupt noch up to date?

Wie eine Art halboffener Ring soll sich das Backbone-Netz (Rückgrat) um Laichingen legen (am nördlichen Stadtrand entlang), und auch die Teilorte sollen angeschlossen werden. Auf 13 Kilometern will Laichingen die Leerrohre im Boden verlegen lassen. Kosten: 1,6 Millionen Euro.

Stadtrat Ulrich Rößler (BWV) war bei der jüngsten Gemeinderatssitzung aber nicht der einzige, der die Sinnhaftigkeit der Maßnahme anzweifelte. Er wage, sagte Rößler, eine Prophezeiung: Nämlich, dass auch in zehn Jahren in Sachen Glasfaser noch nichts Wesentliches passiert sein wird – obwohl Laichingen die entsprechenden Leitungen vorhalten kann. Ob das Ganze dann aber für einen Betreiber überhaupt noch interessant ist?

Diese Befürchtung schienen einige Ratskollegen zu teilen. Was, wenn 5G, der neue Funkstandart, Glasfaser im Boden als neue Zukunftstechnologie mittelfristig ablöst – bleibt die Stadt dann auf den verbuddelten Leitungen sitzen?

Ohne Leitungen geht es nicht

Bürgermeister Klaus Kaufmann wollte sich der Skepsis nicht anschließen. Zum einen würden sich die Fachleute über die Bedeutung von 5G noch immer streiten, und selbst wenn die über Funkwellen verbreiteten Daten irgendwann tatsächlich als das Maß aller Dinge gelten: Dann seien im Boden verlegte Leitungen noch immer unerlässlich. Irgendwoher müssten die Funkmasten ja dann trotzdem die Daten, die sie weiterverbreiten, beziehen; eben aus Leitungen aus dem Boden.

Außerdem seien für 5G weitere Funkmasten nötig und „da gibt’s sofort jemanden, der dann klagt“, sagte das Stadtoberhaupt. Bauamtsleiter Günther Hascher sprang ihm bei und ergänzte, dass es sich bei der über 5G verbreiteten Bandbreite um „geteilte Bandbreite“ handelt, sprich: Je mehr Kunden im Netz sind, desto langsamer surfe dann der einzelne. Nicht so bei im Boden verlegter Glasfaser.

Alleine keine Chance

Kaufmann mahnte, man dürfe keine Zeit verlieren. Alle drei Jahre verdoppele sich das Datenvolumen, welches übertragen werden kann. Auch deshalb brauche es die Leitungen. Was sich die Landkreis-Kommunen und die zuständige Kommunalanstalt Komm.pakt.net, bei der Laichingen Mitglied ist, durch das gemeinsame Backbone-Netz versprechen: Dass sie am Ende Erfolg haben werden mit einer „großen Ausschreibung“ für den Betrieb des gesamten Backbone-Netzes.

Dies sei lohnenswert für große Internetanbieter, mit denen man dann gute Verträge – für die Endverbraucher – abschließen könne. Die Alternative: Jede Kommune verhandelt selbst mit Telekom & Co., mit einer dann allerdings deutlich geringeren Verhandlungsmacht.

Hinzukommt: Schert eine Kommune des Backbone-Verbandes aus, könnte dies harsche Auswirkungen für die Nachbargemeinde haben, weil dadurch der Lückenschluss der Daten-Autobahn verhindert würde. Die Gemeinde Westerheim beispielsweise ist auf das Laichinger Netz angewiesen. Die dortige Verwaltung dürfte sich gefreut haben, dass das Votum am Ende dann doch recht eindeutig ausfiel. Der Beschlussvorschlag der Verwaltung wurde bei je zwei Gegenstimmen und Enthaltungen angenommen.

Erleichtert wurde der Beschluss auch durch lockende Zuschüsse des Landes. Unterm Strich soll Laichingen nur noch die Hälfte der 1,6 Millionen Euro zahlen müssen. Wegen des ausgelasteten Baugewerbes rechnet die Verwaltung mit einer Ausführung aber erst zwischen Sommer 2020 bis Herbst 2021.

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