Von Machtolsheim einmal um die Welt

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Schwäbische Zeitung

Flaschenpost versenden war vorgestern, im digitalen Zeitalter werden Travelbugs (auf Deutsch: Reise-Käfer oder „Reisewanzen“) auf Wanderschaft geschickt. Einen solchen haben vor fünfeinhalb Jahren Rainer und Sabine Oettinger aus Machtolsheim in die Welt hinaus gesandt. Sie frönen dem Hobby des Geocachings, einer modernen Form der Schnitzeljagd mittels Satellitennavigation. Nun kam ihr Travelbug wieder zurück. Andere Geocacher hatten ihn einmal rund um die Welt mitgenommen. Exakt 42225 Kilometer.

Rainer und Sabine Oettinger sind große Fans des Geocachings. Ihrem Travelbug hatten sie sogar einen Namen gegeben bevor sie ihn losschickten im Herbst 2011. Sie tauften ihren „Bug“ – eine kleine Plakette – auf den Namen „Ein Tropfen Guinness“. Natürlich nicht ohne Grund. Aber der Reihe nach.

Das Versenden von Travelbugs ist eine Facette des Geocachings, das die beiden Machtolsheimer zum Hobby haben. Dabei werden kleine Gegenstände mit einer speziellen Marke – dem eigentlichen „Bug“ – versehen, welche ein wenig an eine Hundemarke erinnert, und in einem Versteck abgelegt. Meistens wird den Travelbugs noch ein bestimmter Auftrag mitgegeben: „Reise durch alle deutschen Bundesländer“, „Reise durch ganz Europa“ oder „Reise um die Welt“ seien dabei oft genutzte Aufträge, teilen Rainer und Sabine Oettinger der SZ mit.

Der Gegenstand, den Oettingers an ihren Travelbug anhängten, war ein in Plastik eingeschlossener Tropfen des bekannten dunklen Biers aus Irland; ein Souvenir, das die beiden Machtolsheimer einst aus Dublin mitgebracht hatten. Und dieses Paket erhielt den Auftrag, wieder zurück nach Dublin, der irischen Hauptstadt, zum „Home of Guinness“ zu reisen, der Zentrale des weltbekannten Biers. Als Beweis sollte der Machtolsheimer „Bug“ dort auf einem Bild verewigt zu werden, und danach wieder zu seinen Besitzern zurückkehren. Aufgeschrieben wurde diese Aufgabe auf einem zweiten Anhänger. So machte sich der Travelbug am 3.Oktober 2011 auf den Weg. Seine Stationen konnten die Oettingers im Internet immer dann verfolgen, wenn andere Geocacher ihn von einem Versteck aufgenommen und an einem anderen abgelegt hatten.

Nachdem er sich zunächst lange Zeit in heimischen Gefilden aufgehalten hatte, verschlug es ihn im August 2012 nach Tunesien. Wieder zurück in Europa dauerte es noch ein ganzes Jahr, bis der „Käfer“ den ersten Teil seiner Mission endlich erfüllen konnte. Am Ende einer Rundreise durch ganz Irland stand am 27. August 2013 der Besuch des „Guinness Storehouse“ in Dublin.

Übergabe am Samstag

Aber auch der Weg zurück gestaltete sich interessant: So machte der Travelbug mitsamt Anhang Station in Salzburg, in Colmar, auf Sylt, am Bodensee, in den Niederlanden, in Belgien und nicht zuletzt auch noch in Vancouver (Kanada), wohin ihn ein Geocacher im April 2014 mitgenommen hatte. Ab Juni 2016 näherte er sich dann immer mehr seiner Heimat. Schließlich war es Max, der Cacher „Mr.Bab00n“, aus Geislingen, der die „Irland-Fans“ – so lautet der Cachername der Oettingers – darüber informierte, dass er den Bug habe und ihn am 4. März nach Laichingen bringen werde. Nachdem der Travelbug über 483Stationen gereist war, konnten die Besitzer ihn jetzt wieder in Empfang nehmen.

„Es ist ein besonderes Gefühl, den Travelbug nach fünfeinhalb Jahren wieder in den Händen zu halten“, sagt Rainer Oettinger. Von acht Travelbugs, die die beiden schon auf Reisen geschickt haben, gibt es – außer vom „Tropfen Guinness“ – nur noch von einem anderen ein gelegentliches Lebenszeichen. „90 Prozent der Travelbugs gehen irgendwann auf ihrer Reise verloren. Dass einer nach so langer Zeit zurückkehrt, ist eine echte Seltenheit“, so die Machtolsheimer. Ihr Biertropfen wird nun einen Ehrenplatz im Hause der „Irland-Fans“ in Machtolsheim bekommen.

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