Vom Märchen der Gleichberechtigung

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Schwäbische Zeitung

Einen Nerv getroffen haben die Volkshochschule Laichingen-Blaubeuren-Schelklingen und die Stadtbücherei Laichingen mit ihrer Veranstaltung zum Internationalen Frauentag. Fast 50 Frauen und ein Mann (Fotograf) kamen ins Alte Rathaus in Laichingen, um bei einem bunten Programm den Abend gemeinsam zu begehen.

Nach der Begrüßung durch die Leiterin der VHS, Ilse Fischer-Giovante, gab Marion König, Leiterin der Stadtbücherei Laichingen, am Freitagabend einen kurzen Abriss der Geschichte des Frauentags. In Deutschland wurde er 1911 zum ersten Mal begangen, auf Initiative von sozialistischen Frauen wie Clara Zetkin und Käte Duncker. In Amerika war schon 1908 bei einer Demonstration von Textilarbeiterinnen die Forderung nach einem Frauentag laut geworden.

Die Geschichte in Deutschland war wechselhaft. Der Frauentag wurde während des Nationalsozialismus verboten und durch die Überhöhung des Muttertags ersetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er in der DDR wieder eingeführt, in der frühen Bundesrepublik war er aber verpönt. Erst nach der Wiedervereinigung breitete sich die Idee nach und nach wieder aus. Seit diesem Jahr ist der Internationale Frauentag zum ersten Mal mit Berlin in einem deutschen Bundesland gesetzlicher Feiertag.

Gegen Zwangsprostitution

Die Forderungen, so Marion König, seien trotz verbriefter Gleichberechtigung nach wie vor aktuell: Chancengleichheit, gleicher Lohn, keine Zwangsprostitution und kein Frauenhandel, sowie Unterstützung von Migrantinnen gehörten dazu.

Tine Mehls erzählte im Anschluss vier Märchen, die sie mit schauspielerischem Talent und vollem Stimm- und Körpereinsatz darbot. Der Titel des ersten Märchens „Die List der Weiber ist größer als die der Männer“ stellte auch das Motto des Erzählabends dar. Darin geht es um eine junge Frau, die einem Mann beweist, dass sie ihm an List überlegen ist und ihn dazu bringt, dies auch öffentlich auf seinem Ladenschild zu bekennen. Auch in den drei anderen Märchen werden Frauen beschrieben, die am Ende immer die Männer überlisten. So auch im Märchen um König Artus, der die Frage beantworten soll, was der größte Wunsch der Frauen sei. Mit Hilfe seines männlichen Hofstaats trägt er eine lange Liste von Vermutungen der Männer zusammen, wie neue Kleider, Schmuck, Kinder... Die Lösung ist verblüffend einfach, aber sehr aktuell: Frauen wünschen sich in dem Märchen „einen eigenen freien Willen“. Die dargebotenen Märchen animierten auch durch ihren hintergründigen Humor zum Lachen, und so endete dieser Teil des Abends in fröhlicher Stimmung. Tine Mehls erhielt begeisterten Beifall für ihre Darbietung.

Alle Anwesenden machten sich nun an das von Mülkünaz Gök, Kursleiterin der Volkshochschule, vorbereitete Buffet mit türkischen Vorspeisen. Salate, gefüllte Weinblätter, gefülltes salziges Gebäck sowie Baklava und Tee boten eine Augenweide und vielfältige Genüsse für den Gaumen. In kleinen Gruppen konnte frau sich mit anderen in Gesprächen austauschen, manche tanzten fröhlich mit Mülkünaz Gök zu türkischer Musik. Ein derart runder Abend in heiterer Stimmung, so war immer wieder zu hören, sei wunderbar, und so sei zu hoffen, dass er in den nächsten Jahren wiederholt werde.

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