Volkshochschule plagt die Platznot und wünscht sich Zugang zu Sporthallen

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 VHS-Leiterin Ilse Fischer-Giovante (re.).
VHS-Leiterin Ilse Fischer-Giovante (re.). (Foto: rau)
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Nicht in Laichingen, sondern im neuen VHS-Gebäude („Altes Postamt“) in Blaubeuren hat jüngst die Mitgliederversammlung der Volkshochschule Laichingen-Blaubeuren-Schelklingen stattgefunden.

Leiterin Ilse Fischer-Giovante zog eine beeindruckende Bilanz. Und richtete eine Bitte an die Städte Laichingen, Blaubeuren und Schelklingen. Es geht um mehr Platz, nicht ums Geld.

Fischers Bilanz in Zahlen: 336 Kursleiter und Vortragsreferenten, Künstler und Autoren waren während des vergangenen Semesters tätig in insgesamt 558 Kursen oder Lehrgängen sowie 125 Einzelveranstaltungen.

Das Feld, das die VHS beackert, könnte breiter kaum sein. Behandelt wird unter anderem wird Politik, Psychologie, Kultur, Gesundheit ebenso fanden Autorenlesungen, Kabarett- und Kleinkunstveranstaltungen. Außerdem gab es zwei Ausflüge: eine Stadionführung beim VfB und eine in die Kunsthalle Mannheim.

Weit höher als im Schnitt

Mit der Resonanz aufs Programm zeigte sich Fischer-Giovante zufrieden. Die Teilnehmerzahl in der Region sei „weit höher“ als im Schnitt auf Landesebene. Insgesamt verzeichnete sie knapp 14.000 Teilnehmer (VHS-Einzugsgebiet: 40.000 Einwohner), die sich wie folgt aufteilen: In Kursen/Seminaren waren es rund 5000 Teilnehmer, in Einzelveranstaltungen 8200 und bei Fahrten/Besichtigungen rund 50 Besucher.

Die Laichinger VHS boomt: Was auch der Erfolg sei von vier Mitarbeiterinnen, die sich 3,3 Stellen teilen, so die VHS-Leiterin, und die „mit großem Engagement und sehr serviceorientiert“ bei der Sache seien. Ergebnis: In der Region ist nur die Ulmer VHS größer als die Volkshochschule Laichingen, Blaubeuren und Schelklingen (Sitz Laichingen).

Die Nachfrage nach Angeboten der VHS bringt aber auch Herausforderungen mit sich. Nicht so sehr, was die Finanzierung angeht (71 Prozent der Kosten finanzieren sich aus Teilnehmergebühren und Projektmitteln), sondern vielmehr, was den Platz angehe. Beispielhaft nennt Fischer-Giovante den Gesundheitsbereich. Dieser boome – nahezu alle Kurse seien ausgebucht. 279 fanden im zurückliegenden Semester statt (verteilt auf alle Orte des Einzugsbereichs), bei 2667 Teilnehmern. Folge: „Die privat angemieteten Räume in Laichingen sind ausgelastet.“

Was sich die VHS wünscht: Dass sie Zugang zu öffentlichen Sporthallen bekommt, „dort sind größere Gruppen möglich“. Was allerdings schwierig werden dürfte. Schon jetzt platzen zumindest die Laichinger Hallen fast aus allen Nähten, außerdem schränken Brandschutzvorgaben die Kapazitäten der Daniel-Schwenkmezger-Halle ein.

Viele erwachsene Teilnehmer entdecken bei der VHS neue Talente und hochkarätige Hobbies zum Ausgleich für den beruflichen Alltag

Ilse Fischer-Giovante, VHS-Leiterin 

Positiv: Finanziell stehe die VHS auf soliden Beinen, agiere stabil aufgrund der hohen Teilnehmerzahlen. Lediglich 29 Prozent der benötigten Mittel werden aus öffentlichen Zuschüssen finanziert. Das Land und der Kreis steuerten zu allen stattgefundenen Kursen einen Anteil von jeweils etwa 12 Prozent bei, die Städte und Gemeinden finanzierten jeden VHS-Teilnehmer durchschnittlich mit 3,17 Euro.

Neben Platzmangel sieht die VHS eine große Herausforderung in der Digitalisierung. Sie möchte ihren Internetauftritt verbessern und präsent sein bei Facebook und Instagram. Investiert werden müsse außerdem in digitale Ausstattung der Unterrichtsräume („Smartboards statt Tafel“) sowie in die Schulung der Lehrkräfte.

Gesellschaftlich wichtig

Und die Trends der Zukunft? Nach wie vor beliebt sei das kreative Arbeiten, welches sich sehr positiv entwickele. Fischer-Giovante: „Viele erwachsene Teilnehmer entdecken bei der VHS neue Talente und hochkarätige Hobbies zum Ausgleich für den beruflichen Alltag.“ Sie legt außerdem Wert auf Projekte für sozial schwächere Schüler oder Kinder mit Migrationshintergrund. Diese seien „sehr arbeitsintensiv“ und „nicht kostendeckend“. Sie seien jedoch „gesellschaftlich wichtig und tragen zur Chancengleichheit bei“.

Was die VHS anstrebt: eine Zusammenarbeit mit Betrieben. Es gehe um Qualifizierung für Menschen mit Berufsbildern, die kaum Zukunftschancen haben. Gesellschaftlicher Bedarf an Grundbildung (Lesen/Schreiben/Rechnen) bestehe bei „bildungsfernen Gruppen“: Oft seien dies Arbeitnehmer im Mindestlohnbereich, die nicht über finanzielle Rücklagen etwa für Kurse verfügen. Mittelfristig daher „die klare Forderung“ der VHS: eine höhere Förderung durch Land, Landkreis, Kommunen und Bund, „um ein weiteres Auseinanderdriften dieser Gesellschaft und damit wachsende Spannungen zu verhindern“.

Zusammenarbeit mit BAMF

„Sehr arbeitsintensiv“ seien im vergangenen Semester die Deutsch-Integrationskurse gewesen. In Zusammenarbeit mit dem „Profilkolleg Ulm“ bot die VHS diese über ein Jahr dauernden Kurse an, die zwischen 700 und 1400 Unterrichtsstunden umfassen. Der personelle Aufwand sei immens und die Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) gestalte sich „sehr schwierig“ (ständig neue Zulassungskriterien und Prüfungsvorschriften, aufwändiges Abrechungsverfahren). Angestiegen sei die Teilnehmerzahl der Standard-Deutschkurse, vor allem für berufstätige Teilnehmer aus Süd- und Osteuropa – „eine überaus motivierte und positive Zielgruppe“, so Fischer-Giovante.

Fortgesetzt werden soll die erfolgreiche Qualifizierungsreihe für „Kinderpflegerinnen“, die Fortbildungsreihe für Erzieherinnen und eine Qualifizierungsmaßnahme zur „ehrenamtlichen Betreuungskraft für Demenzkranke“. Im Bereich „Berufliche Bildung“ sei der Lehrgang „Geprüfte Fachkraft Büromanagement“(XP) herausragend gewesen. Insgesamt 15 Prüfungen fanden statt mit 196 Teilnehmern, eingerechnet die Absolventen der „Integrationskurse Deutsch“.

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