Swing Ladies servieren Jazz vom Feinsten

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Kammermusik-Macher Volker Hausen mit den Swing Ladies, die in der Reihe der STunde der Kammermusik Jazz auf hohem Niveau serive
Kammermusik-Macher Volker Hausen mit den Swing Ladies, die in der Reihe der STunde der Kammermusik Jazz auf hohem Niveau seriverten. (Foto: Jutta Kriegler)
Schwäbische Zeitung
Jutta Kriegler

Dass die Swing Ladies viel zu bieten haben, war schon mit den Ankündigungen klar. Dass das Konzert die Zuhörer so begeistern würde, zeigte erst dieser außergewöhnliche Auftritt, der zu einem Höhepunkt der Kammermusik-Konzerte werden sollte. Alles hat gepasst: Jazz auf internationalem Niveau, gespielt von fünf außergewöhnlichen Frauen, die am Samstagabend jede Menge gute Laune in der Alten Aula des Albert-Schweitzer-Gymnasiums verbreitet haben: Der Auftritt wurde zu einem Fest der Musik.

Schon beim ersten Stück ist der Funke übergesprungen. Mit viel Tempo holten die Swing Ladies ihre Zuhörer ins Boot. Da waren sofort alle Gäste mittendrin im Live-Konzert und jeder wusste: Eine Frauenquote brauchen die Mädels nicht. Sie leben nicht vom Image einer Damen-Band, sondern von ihrem musikalischen Können – und von der Eigenständigkeit jeder einzelnen Musikerin. In dieser Formation haben sich fünf Musiker-Persönlichkeiten gefunden, die alle über ein eigenes Profil verfügen. Frauen mit einer starken Ausstrahlung, die ihren eigenen Weg gefunden haben, menschlich und musikalisch.

Bandgründerin Lindy Hupertsberg ist in mehr als 60 Ländern aufgetreten, oft mit namhaften Musikern. 2001 wurde „Lady Bass“ zur Ehrenbürgerin von New Orleans ernannt. Sie ist nicht umsonst ausgezeichnet worden: Mit herzhaftem Südstaaten-Temperament, großer Spielfreude und einer launigen Moderation hat sie dem Konzert Wärme und Atmosphäre gegeben. Virtuos und scheinbar ohne Anstrengung fliegen ihre Finger über den Kontrabass. Schon die Art, wie sie sich über das Instrument lehnt, ist unvergleichlich. Sie scheint mit ihm verwachsen zu sein – es ist ein Teil von ihr.

Seit 1994 tourt Hupertsberg mit den Swing Ladies durch Europa mit Jazz-Kompositionen aus den 50er bis 70er Jahren in verschiedenen Besetzungen. Eine ihrer treuesten Wegbegleiterinnen ist Carola Grey am Schlagzeug - dynamisch, energisch, eine echte Power-Frau mit einer eigenen Kampfsportschule in München. Sie weiß, wie man drauf haut, auch am Instrument – beherrscht aber auch die leisen Töne, wenn sie die Stöcke unter den Arm klemmt und sanft ihre Besen über die Metall-Teller kreisen lässt.

Pianistin Gee Hye Lee aus Südkorea hat eine eigene Konzert-Reihe in der Stuttgarter „Kiste". Mit viel Feingefühl lässt sie ihren Flügel klingeln und klimpern - eine perfekte Begleiterin, die sich souverän zurücknehmen kann, um im richtigen Moment bei ihrem eigenen Solo zu zeigen, was sie kann. Eine virtuose Tastenkünstlerin, flink, fein und filigran: Klavierspiel kann auch ohne theatralische Dramatik wunderschön sein – eine Hommage an den Jazz.

Das Front-Duo mit Stephanie Lottermoser am Sax und Cora Brunner an der Trompete passt perfekt in die Runde. Brunner kann richtig Gas geben mit ihrem Sax. Mit sicherem Stand, energiegeladen und sehr souverän gibt sie der Band eine Kontur - mit klaren Linien und gelungene Improvisationen, ohne den Blick für das Hauptmotiv zu verlieren. Dadurch bleiben auch Melodien mit komplexen Strukturen gut hörbar. Schön auch das harmonische Zusammenspiel mit Band-Kollegin Cora Brunner an der Trompete. Keine der beiden Frauen drängte sich vor, jede hatte ihren eigenen Part.

Wechselnde Soli sorgten dafür, dass alle fünf Musikerinnen zum Zuge kamen, die in der zweiten Konzerthälfte zur Hochform aufliefen. Ein besonderer Genuss waren die Solo-Einlagen von Trompeterin Cora Brunner mit gefühlvollen Balladen, weich und wunderschön gespielt. Vielleicht kann das wirklich nur eine Frau so spielen – eine Hommage an die weibliche Seite der Musik.

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