So sieht die Laichinger Alb aus luftiger Höhe aus

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Eine kleine Tür im Gehäuse öffnet sich. Rolf Böhringer, der Geschäftsführer der Alb-Naturenergie, kommt heraus. Sein Blick wandert nach oben. Die sechste Windkraftanlage auf Berghüler Gemarkung steht still. „Alles ist bereit“, sagt er. Es soll hoch hinaus gehen – auf 141 Meter. Sicherheitsgurte und Helme werden angelegt. Dann wird die Zeit gezählt. Mit einem Fahrstuhl, der gerade einmal Platz für zwei Personen bietet, geht es hinauf. Acht Minuten dauert die Fahrt.

Hybrid-Turm in Berghülen

Auf 80 Metern erfolgt ein Materialwechsel von Beton auf Stahl. „Es ist nämlich ein Hybrid-Turm“, erklärt Böhringer. Oben angekommen, gibt es einen Ruck. Die zur Sicherheit im Aufzug eingehängten Karabinerhaken werden ausgeklinkt, um dann wieder im Turm befestigt zu werden. Weiter geht es zu Fuß – über eine Steigleiter. Auch dabei gilt: Vorsicht ist angesagt und Sicherheit hat höchste Priorität.

Auf einer weiteren Ebene wird es eng. Es ist der Durchbruch zur Gondel. Die ist bei der höchsten Anlage im Windpark Berghülen übrigens rot und so gut zu erkennen. Innen ist von der Farbe allerdings nichts zu sehen. Auf 141 Metern sind Getriebe, Generator und Steuerschränke installiert. Außerdem gibt es eine Öffnung, um Equipment in die Gondel zu ziehen oder auch hinab zu lassen. Möglich wird durch diese auch die Menschenrettung.

In gebückter Haltung geht es weiter. Warum der Helm so wichtig ist, wird spätestens dann klar, als ein dumpfes Geräusch erklingt. Böhringer lächelt und sagt: „Ja, hier muss man aufpassen, dass man sich seinen Kopf nicht anstößt. Deswegen der Schutz.“ Der Geschäftsführer hat damit auch Erfahrungen machen müssen. Gut ein Mal im Monat ist er im Windrad unterwegs. „Zur Kontrolle“, erklärt der 53-Jährige. Schwankungen durch den Wind würden durchaus mal „etwas durcheinander rütteln“.

Ziel fast erreicht

Jetzt ist es jedoch windstill. Die letzte Luke steht noch aus. Die Entriegelung schnappt auf. Rolf Böhringer bereitet eine kleine Leiter vor. Es sind nur noch zwei Schritte notwendig, dann ist das Ziel erreicht. Erneut kommen die Karabinerhaken zum Einsatz. Kleine gelbe Befestigungen sind auf dem Windrad zu finden. Dort muss eingehakt werden.

Auf 141 Metern lässt es sich auf die ganze Region sehen. „Dahinten ist das Ulmer Münster“, sagt Böhringer und zeigt mit dem Finger in östliche Richtung. Der gebürtige Suppinger, der seit 1997 in Blaustein lebt, atmet tief durch. Der Schlepper auf einem Feld wirkt winzig. Die Windräder in Westerheim lassen sich erkennen, so auch der Wasserturm Machtolsheim, die Stadt Laichingen, die Gemeinde Berghülen sowie das Gewerbegebiet Seißen.

Windrad heißt Gloria

Rolf Böhringer denkt zurück. Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde dieses Windkraftanlage auf den Namen Gloria getauft. Eine Sektflasche zerschellte an der Außenhaut. Es ertönte ein dreifaches „Hipp hipp, hurra.“ Die „Geburt“ sei allerdings nicht so einfach verlaufen. Das sechste Windrad steht auf 701 Metern über Normalnull. 2009 wurde die Bauplanung der Anlage des Typs Enercon E58 übernommen. Damals sei schon klar gewesen, dass sich Dimensionen ändern und das Windrad größer und effizienter werden müsse. Die Jahre vergingen. 2017 standen dann „die Zeichen auf Grün“, so Böhringer. Es wurde nach Beteiligten und Geldgebern gesucht. Seit Dezember vergangenen Jahres läuft die Windkraftanlage nun. Die Nabenhöhe beträgt 141 Meter. Die Rotorblätter sind im Durchmesser 117 Meter. 4, 7 Millionen Euro betragen die Gesamtkosten für das Windrad. Die Bürgerbeteiligung liegt bei 1,9 Millionen Euro. Sechs Millionen Kilowattstunden im Jahr erzeuge die Windenergieanlage. „Das werden wir jetzt bald sehen, wenn es dann ein Jahr im Betrieb ist“, zeigt Böhringer auf.

Alternative Energien sind dem gebürtigen Suppinger wichtig. „Wir können damit Kohlenstoffdioxid einsparen. Alle profitieren davon“, ist der 53-Jährige der Meinung. Er denke dabei an die Wartung, die von Betrieben ausgeführt wird, oder auch an die umliegende Landwirtschaft. Böhringer fügt an: „Ich gehöre zu einer Generation, die sich auch einsetzen sollte.“ Dennoch könne er auch verstehen, dass das Thema Windrad kontrovers diskutiert werde.

Zacken im Rotorblatt

Ein zweiter wichtiger Punkt sei die Heimat. „Aus der Region für die Region ist das Motto. Wir wollen nicht in die Ferne gehen. Wir wollen regional bleiben und unsere Region nach vorne bringen“, sagt der Geschäftsführer der Alb-Naturenergie. Im Jahr 2001 sei er in Sachen Windenergie eingestiegen. 2002 wurde das erste Windrad in Westerheim aufgebaut. Seither habe sich einiges getan. So auch in Sachen Technik. Bevor es wieder hinunter geht, zeigt Böhringer auf viele kleine Zacken am Rotorblatt. Diese reduzieren die Lautstärke, so dass die geforderten 36 Dezibel eingehalten werden.

Die kleine Klappe wird wieder geschlossen. Der Abstieg beginnt – natürlich gesichert. Nach acht Minuten erfolgt wieder ein kleiner Ruck. Die Kabine des Fahrstuhls ist am Boden angekommen. Das Rollgitter wird nach oben geschoben, die Sicherheitsausrüstung abgelegt. Rolf Böhringer schließt die Tür ins Innere der Anlage, lächelt noch einmal und sagt dann: „Geschafft“.

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